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Thailand und Malaysia : Krise, aber keine zweite Asien-Krise

Der Aktienindex von Thailand musste Verluste hinnehmen. Bild: AFP

In Indien verliert die Rupie unaufhaltsam an Wert, auch Indonesien steht unter Druck. Investoren prüfen nun die anderen Märkte der Region wie Thailand und Malaysia intensiv.

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          Die indische Rupie setzte ihren Abwärtskurs am Mittwoch mit höherer Geschwindigkeit fort und verlor im Handelsverlauf weitere 3,1 Prozent gegenüber dem Dollar, so viel wie seit 1993 nicht mehr. Nachdem die Probleme in Indien aber auch in Indonesien offen zutage treten, prüfen Investoren die anderen Märkte der Region intensiv. Besonders Thailand und Malaysia stehen nun unter Beobachtung. Sie sind gefährdet, auch weil hier die privaten Haushalte anders als in Indien und Indonesien hoch verschuldet sind. „Angesichts der Lage in Indien und Indonesien liegt es auf der Hand zu fragen, wer der Nächste ist. Uns erscheint es klar, dass die Kandidaten Malaysia und Thailand heißen“, sagt Santitarn Sathirathai, Volkswirt bei der Credit Suisse in Singapur. Maarten-Jan Bakkum, Stratege der Schwellenländerfonds der ING, fasst die Lage der zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens so zusammen: „Nach starken Kapitalzuflüssen und Kreditwachstum wirkt Thailand verletzlich, da die Wachstumserwartungen auf der Annahme weiterer Zuflüsse basieren.“ Die aber könnten knapp werden, wenn die Zinsen im Westen steigen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das trifft alle asiatischen Schwellen- und Entwicklungsländer an ihrem empfindlichsten Punkt, dem so dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) schätzt die notwendige Summe auf mehr als 8 Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren. Die Investitionsbedingungen sind sowieso schwierig. Wenn nun Investoren aber steigende Erträge auf Anlagen im Westen geboten werden, sinkt die Bereitschaft weiter. Ein weiteres Verschleppen des Ausbaus von Straßen, Häfen, Eisenbahnen oder Kraftwerken würde die Wachstumsraten der asiatischen Schwellenländer treffen.

          Mit Blick auf den Außenwert seiner Währung deutet vieles darauf hin, dass Malaysia in der schwierigsten Lage ist. Denn das Land hängt mehr vom Rohstoffexport ab, als sein Nachbar Thailand. Auch dürfte der eher schwache Konsum der Thais den immer teureren Import im Zaum halten. Das schützt die Handelsbilanz. Die Malaysier hingegen stehen nach der Wahl vor einer Reihe von Zusagen etwa beim Ausbau der Infrastruktur, die nur durch die Einfuhr gedeckt werden können. Der Ringgit aber rangiert schon jetzt nahe dem Dreijahrestief. Die Ratingagentur Fitch hat Malaysias Ausblick gerade von „stabil“ auf „negativ“ herabgestuft.

          Thailand und Malaysia dank Export besser aufgestellt als Indien und Indonesien

          So wie in Indien der Vergleich mit der Krise des Landes 1991 naheliegt - und übertrieben erscheint -, so wird in Südostasien der Blick zurückgerichtet auf die Asien-Krise nach 1997. Dabei ist die Lage 2013 eine andere: Denn inzwischen gibt es einen wachsenden Anleihemarkt in lokaler Währung, der den in der Asien-Krise so dramatischen Verschuldungsgrad in Devisen begrenzt. Auch sitzen die Länder auf teilweise riesigen Währungsschätzen, die ihnen Handlungsspielraum verleihen. Und drittens herrschte in den vergangenen Jahren zumindest eine gewisse Haushaltsdisziplin. In Indonesien beträgt das Verhältnis von Staatsverschuldung zu Wirtschaftsleistung 22 Prozent.

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