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Technische Analyse : Der Goldpreis wird weiter fallen

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Gold hat an Glanz verloren Bild: dpa

Der vergangene Montag war wohl einer der denkwürdigsten der Edelmetallgeschichte. Binnen 24 Stunden verlor die Feinunze Gold fast 10 Prozent an Wert. Silber sogar noch mehr. Ein Ende des Abwärtstrends ist noch nicht in Sicht.

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          Für die unverändert beeindruckend große und vor allem erfolgsverwöhnte Gemeinde der Gold- und Silberenthusiasten muss es ein völlig unerwartet rabenschwarzer Wochenauftakt gewesen sein. Verluste dieses Ausmaßes an einem einzigen Tag hat es in den vergangenen 25 Jahren nicht mehr gegeben.

          Wende derzeit schwer vorstellbar

          Ohne noch mehr Salz in die Wunde streuen zu wollen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Gold und Silber in der überschaubaren Zukunft zu einer grundlegenden Wende in der Lage sein werden, ist derzeit nicht besonders groß. Vor allem der abgebildete langfristige Gold-Chart zeigt viele für einen etablierten Abwärtstrend typische Charakteristika: Die Dynamik nach unten ist deutlich größer als die nach oben, richtig wichtige Unterstützungen wie die bei 1540 Dollar werden ohne viel Federlesen pulverisiert, und last, but not least zieht sich ein Aufwärtstrend nach dem anderen in die ewigen Jagdgründe zurück. Am zurückliegenden Donnerstag musste der in der Grafik schwarz eingezeichnete daran glauben.

          Mit dieser Entwicklung hat die Feinunze Gold mein erst im Februar genanntes erstes Kursziel von 1420 Dollar bereits unterboten und sich dem zweiten von 1320 Dollar bis auf wenige Dollar genähert. Für die nächsten Monate rechne ich per Saldo mit einer Fortsetzung dieses Abwärtstrends. Mein neues Kursziel lautet ab sofort auf Kurse zwischen 1160 Dollar und 990 Dollar. Vor allem die letztgenannte massive Unterstützung sollte in der Lage sein, im Verein mit dem letzten noch sinnvoll einzuzeichnenden Aufwärtstrend, seit im Jahr 2001 alles begann, den Goldbären zumindest längere Zeit Einhalt zu gebieten.

          Ein wenig Zuversicht kann allein die kurzfristige technische Verfassung machen. An Tagen wie dem vergangenen Montag wollen häufig zu viele zu schnell das Gleiche und machen damit wenigstens für den einen oder anderen Moment den Markt wieder sauber. Damit scheint der Boden für eine überschaubare, vorübergehende Erholung bereitet zu sein. Aber auch da gibt es einen Wermutstropfen: Manchmal übergehen intakte Abwärtstrends diesen Zwischenschritt einfach und bilden sich Schritt für Schritt weiter zurück. Für Silber gilt übrigens eine vergleichbare Einschätzung. Auch dessen Abwärtstrend wird sich wahrscheinlich wenigstens bis in Bereiche um 20 Dollar fortsetzen.

          Dax ebenfalls angeschlagen

          Der deutsche Aktienindex Dax hat in den letzten Wochen ganz gewiss nicht nur mit schönen Momenten von sich reden gemacht. Zwischendurch ging es ganz schön zur Sache, und erst vor wenigen Tagen erreichte er mit Werten knapp unter 7500 Punkten ein neues Jahrestief. Er zollte damit seiner in den letzten beiden Monaten alles andere als überzeugenden kurz- beziehungsweise mittelfristigen technischen Verfassung Tribut. Mehr als die Hälfte des Weges des Anfang Februar genannten möglichen Korrekturziels von 7100 Punkten liegt nun hinter ihm.

          Anders als bei Gold ist beim Dax nach dem heutigen Stand der Analyse allerdings Hopfen und Malz noch nicht verloren. Er befindet sich unverändert in intakten langfristigen Aufwärtstrends, und die ihm entgegengebrachte langfristige Stimmung - auch ein Unterschied zu Gold - war und ist von Euphorie weit entfernt. Gerade deshalb bleibt es bei dem insgesamt positiven Ausblick. Der Dax wird 2013, allerdings wohl erst in der zweiten Jahreshälfte und nach Abschluss der gegenwärtigen Korrektur, die bisherigen historischen Bestmarken überbieten.

          Amerikas Indizes überzeugender

          Wieder einmal war die Entwicklung der beiden großen amerikanischen Aktienindizes um Längen überzeugender. Beide eilten von einer neuen historischen Bestmarke zur nächsten. Der Dow-Jones-Index hat sich dabei bis auf etwas mehr als 100 Punkten dem Kursziel von 15 000 Punkten genähert. Der S&P 500 ist ein erstes Mal in die entscheidende Zone von 1580 bis 1600 Punkten eingedrungen. Auch wenn vieles in unserer Welt momentan ein wenig arg wackelig und mancherorts sogar sehr gefährlich aussieht, so gibt es bislang aus technischer Sicht keinen Grund, an dem grundsätzlich positiven Ausblick zu rütteln: Sobald der S&P 500 die genannte Zone überwunden hat, tritt das Ziel von 2300 Punkten für die nächsten fünf bis sieben Jahre in Kraft.

          So schön diese Aussichten auch zu sein scheinen: Die Aktie von Apple wird daran wohl nur sehr bedingt teilhaben. Bislang verhält sich deren Kurs genauso, wie es der Bruch ihres langfristigen Aufwärtstrends erwarten lässt. Freundliche Tage der Indizes werden von ihm weitestgehend ignoriert, und an schwachen Tagen mischt er richtig mit. Auch wenn ein positiver Ausblick für Dow Jones und S&P 500 mit einem negativen Ausblick für die Begründer der „i“-Welt nicht so recht zusammenpassen will: Das Ziel von 360 Dollar bleibt intakt. Möglicherweise wird die Aktie noch deutlich weiter zurückkommen.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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