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Südzucker-Chef : „Biosprit wird sich an der Tankstelle durchsetzen“

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Wolfgang Heer ist Vorstandschef von Südzucker. Bild: Röth, Frank

Südzucker produziert neben Zucker auch Biosprit. Mit dem Kraftstoff E 10 will das Unternehmen Geld verdienen und expandiert in die Schwellenländer.

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          Herr Heer, die Euro-Krise schwächt Europas Firmen, Südzucker aber legte jüngst Rekordzahlen vor. Wie passt das zusammen?

          In der Tat sind wir von den Verwerfungen im Euroraum glücklicherweise kaum betroffen. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Menschen auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ihren Zuckerkonsum kaum verändern - die Nachfrage in Europa bleibt also konstant. Und zum anderen mit der Situation auf dem Weltmarkt. Die Preise für Zucker sind zuletzt stark gestiegen.

          Wird dies denn so weitergehen?

          Für die kommenden Monate sind wir recht zuversichtlich. Im laufenden Geschäftsjahr streben wir einen operativen Gewinn von mehr als 800 Millionen Euro an - damit würden wir unser jüngstes Ergebnis klar übertreffen.

          Zuckerrüben auf einem Hof der Südzucker AG Bilderstrecke
          Zuckerrüben auf einem Hof der Südzucker AG :

          Europas Zuckermarkt ist streng reguliert, 2015 könnte die EU dies aber aufheben. Die Zuckerhersteller sind strikt dagegen. Was haben Sie gegen Marktwirtschaft?

          Gar nichts. Aber die Herstellung von Nahrungsmitteln ist ein sehr sensibler Bereich: Wir müssen den Menschen eine sichere Versorgung garantieren. Darum bin ich für eine Fortführung der bestehenden Regelung. Sonst würden die Preise nämlich viel stärker schwanken.

          Südzucker hat sich unlängst am britischen Zuckerhändler ED&F- Man beteiligt. Was bringt dies Ihren Aktionären?

          ED&F-Man ist der zweitgrößte Zuckerhändler der Welt und stark in den Schwellenländern vertreten. So verschaffen wir uns einen besseren Zugang zu diesen Regionen. Dies halte ich für sehr wichtig: Denn vor allem in den Schwellenländern wird in Zukunft der Zuckerverbrauch weiter zunehmen. Die Wirtschaft dort wächst stark, die Einkommen der Menschen steigen und damit auch ihr Anspruch ans Essen. Davon profitieren wir Zuckerhersteller besonders.

          Sie produzieren über die Firmentochter Cropenergies auch Bioethanol. Weltweit steht die Herstellung des Kraftstoffs in der Kritik.

          Diese Debatte halte ich bezogen auf Europa für übertrieben. Ich kann nicht erkennen, dass vermehrte Ethanol-Produktion zu einem geringeren Angebot an Nahrungsmitteln führt - sie ist eine Ergänzung. Im Übrigen bin ich mir sicher, dass sich Biosprit auch an deutschen Tankstellen durchsetzen wird. Schauen Sie nur in Länder wie Brasilien: Dort ist der umweltfreundliche Kraftstoff längst etabliert.

          Ihre Aktionäre scheinen an Ihren Erfolg zu glauben. Die Aktie notiert nahe dem Allzeithoch.

          Das hat aus meiner Sicht einen einfachen Grund: Wir haben in der Vergangenheit unsere Prognosen stets erfüllt, dies schafft Vertrauen. Und wir wollen entsprechend unserer langjährigen Dividendenpolitik unsere Aktionäre angemessen am Erfolg des Unternehmens beteiligen. Dies gilt auch für das laufende Geschäftsjahr 2012/2013.

          Aktie im Blick: Südzucker

          Süßes geht immer. Während sich viele Firmen auf schwierige Zeiten einstellen, strotzt Europas größter Zuckerhersteller nur so vor Selbstbewusstsein: Der Südzucker-Konzern rechnet für die kommenden Monate mit weiter steigenden Gewinnen. Grund für den Optimismus des M-Dax-Unternehmens: Das Geschäft mit dem Zucker ist weitgehend unabhängig von der Konjunktur, denn die Menschen sparen in Krisenzeiten nicht an Nahrungsmitteln. Diese Berechenbarkeit spiegelt sich auch im Kurs der Südzucker-Aktie wider. Selbst in unruhigen Börsenphasen sind die Ausschläge geringer als bei anderen Papieren. Das hat auch mit den wichtigsten Aktionären zu tun: Die Mehrheit der Anteile verwaltet eine Genossenschaft der Zuckerrübenbauer - sie halten ihre Aktien langfristig und verkaufen nur selten.

          Ohne Risiken ist der Kauf aber nicht: Da der europäische Zuckermarkt staatlich reguliert ist, sind die Hersteller stark dem Einfluss der Politik ausgesetzt. Die meisten Analysten sehen dies aber derzeit nicht als Problem an und empfehlen die Aktie zum Kauf. Der Zeitpunkt scheint mit Blick auf eine wichtige Börsenkennziffer günstig: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis notiert bei einem Wert von knapp zehn, die Aktie ist also nicht teuer. (dek.)

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