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Südafrika : Höhenflug des Rands trotz politischer Turbulenzen

Haupttreiber des starken Rands: Blick auf eine Goldmine im Nordwesten von Johannesburg. Bild: AFP

Südafrikas Währung erreicht gegenüber dem Dollar den höchsten Wert seit 15 Monaten. Vor allem die Entwicklung an den Rohstoffmärkten treibt den Kurs. Doch es wird bereits vor Dämpfern gewarnt.

          Politisches Chaos lässt Südafrikas Währung unbeeindruckt: Nur wenige Tage nachdem es im Parlament zu Faustkämpfen vor der „Rede an die Nation“ des Präsidenten gekommen war, ist der Rand so stark wie zuletzt im Oktober 2015. In einer allgemeinen Begeisterung der Anleger für Schwellenland-Währungen rutschte der Kurs unter die Marke von 13 Rand für einen Dollar. Ein Euro kostet rund 13,70 Rand. Vor einem Jahr mussten noch 17,60 Rand gezahlt werden.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Händler sprachen von einer technischen Entwicklung, die seit längerem andauere. Ein schwacher Dollar und etwas bessere Wirtschaftsdaten aus Südafrika hätten die Währung zusätzlich gestärkt. Eine weitere Steigerung auf 12,90 Rand zum Dollar gilt als nicht ausgeschlossen.

          Die Südafrikaner richten sich auf ein turbulentes Jahr 2017 ein. Ausschreitungen während der „Rede an die Nation“ waren erwartet worden. Staatspräsident Jacob Zuma hatte vorsorglich mehrere tausend Polizisten einbestellt und mehr als 400 Soldaten. Das Tohuwabohu im Parlament in Kapstadt war aber so groß, dass kurzfristig sogar der Rand in die Tiefe rutschte.

          Nicht nur Opposition und Afrikanischer Nationalkongress (ANC) liefern sich Machtkämpfe. Der höchst umstrittene Zuma hat auch die eigene Partei in zwei Lager gerissen. Ende dieses Jahres bestimmt der regierende ANC einen neuen Parteichef und somit mit großer Wahrscheinlichkeit auch den nächsten Staatspräsidenten, der 2019 gewählt wird.

          Haupttreiber des Rands sind die Rohstoffpreise. Die Preise für Gold und Platin liegen höher als Anfang 2016, der Preis für Eisenerz hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt. Die Folgen zeigen sich auch der Johannesburger Börse, wo die Kurse der größten Goldförderer seit Jahresbeginn in die Höhe klettern. Der Aktienkurs von Eisenerzförderer Kumba hat sich gegenüber dem Vorjahr um mehr als 200 Prozent verbessert.

          „Wir haben kein neues China“

          Wie lange der Aufschwung an den Rohstoffmärkten andauert, ist indes fraglich. Viele Minenkonzerne hätten in der Krise den Ausstoß gedrosselt, sagt Wayne McCurrie vom Vermögensverwalter Ashburton Investments. Das habe die Preise getrieben. Aber die große Nachfrage fehle. „Wir haben kein neues China.“ So gehört die Aktie von Kumba, einer Tochtergesellschaft von Anglo American, zu den großen Verlierern in dieser Woche, weil das Unternehmen keine Dividende zahlen will. Als Begründung nannte es die unsichere Marktentwicklung.

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          Einen Dämpfer könnte der Rand auch erhalten, wenn die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen erhöht. Von Reuters vor kurzem befragte Analysten halten einen Wertverlust gegenüber dem Dollar um fast 8 Prozent für möglich. Wie andere Schwellenlandwährungen profitiert der Rand von der lockeren Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und Europa. Dass die südafrikanische Reserve Bank nachzieht und die Zinsen erhöht, gilt als unwahrscheinlich. Die Inflation sinkt, die Wirtschaft wächst wohl nur um ein Prozent, nach 0,5 Prozent im Jahr zuvor.

          Der „schwarze Mittwoch“ ist noch gut in Erinnerung

          In Südafrika geht derweil die Sorge um, den Status als kreditwürdiges Investitionsland zu verlieren. Das würde auch den Rand hart treffen. Ratingagenturen drohen eine Herabstufung der Bonitätsnote seit längerem an, haben aber im Dezember abermals davon abgesehen. Die Noten von S&P und Fitch liegen eine Stufe über Ramschniveau, die von Moody’s zwei Stufen, mit negativem Ausblick. Die Entscheidung zum nächsten Termin stehe „auf Messers Schneide“, sagte der Chefvolkswirt der Standard Bank, Goolam Ballim.

          Ganz unbeeindruckt werden die Finanzmärkte von den politischen Turbulenzen in diesem Jahr wohl nicht bleiben. Noch gut in Erinnerung ist in Südafrika der „schwarze Mittwoch“ im Dezember 2015, als Zuma den damaligen Finanzminister überraschend gegen einen ihm gewogenen Hinterbänkler ersetzte. Die Reaktion an den Märkten war so heftig, dass der Präsident nach wenigen Tagen einlenkte und den erfahrenen Pravin Gordhan auf den Posten holte. Seitdem verfolgen Investoren jeden Angriff auf den Minister mit größter Nervosität. Eine Absetzung gilt nicht als ausgeschlossen, aber wegen der geschwächten Position Zumas im ANC als immer weniger wahrscheinlich.

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