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Steigender Goldpreis : Das Comeback der Goldminen

Bild: F.A.Z.

Der Goldpreis ist dieses Jahr beeindruckend gestiegen. Davon profitieren auch die Aktien großer Minen. Kann man als Anleger noch einsteigen?

          5 Min.

          Wenn der Goldrausch ausbricht, soll man Schaufeln oder Siebe verkaufen, sagt eine alte Geschäftsweisheit. Heißt das analog, es ist für Anleger klug, jetzt in Aktien von Goldförderern zu investieren? Schließlich ist der Goldpreis seit Jahresbeginn um 18 Prozent gestiegen, mehr als fast alle anderen Anlagen. Kein Wunder, dass auch Minenaktien eine eindrucksvolle Aufwärtsbewegung vorweisen können. „Die Kurse der großen Goldminenunternehmen haben deutlich zugelegt“, sagt Christian Gombert, Analyst beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Die wichtigste Minenaktie Barrick aus Kanada kann ein Plus von 77 Prozent vorweisen, der amerikanische Konkurrent Newmont 45 Prozent und Sibanye aus Südafrika sogar 136 Prozent. Der Branchenindex Arca Gold Bugs, von Börsianern auch „Hui“-Index genannt, hat um stolze 52 Prozent zugelegt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der wichtigste Grund ist das Comeback des Goldes selbst. „Außerdem haben Goldförderer außerhalb des Währungsraumes des amerikanischen Dollars Erträge in Dollar, Kosten aber häufig in der Landeswährung. Sie profitieren also von einem stärkeren Dollar“, sagt Gombert. Er meint, zumindest wenn es bei den Goldminenaktien bald einen Rücksetzer gebe, könnte das eine Kaufgelegenheit sein.

          Besser in Großkonzerne investieren

          Andere Anlagefachleute, wie Ulrich Stephan von der Deutschen Bank, verweisen eher auf die Risiken: Erstens seien die Unternehmensbewertungen inzwischen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 30 gestiegen. Damit seien die Aktien teuer. Zweitens seien diese Unternehmen hochspezialisiert und wenig diversifiziert – darum schwankten ihre Titel deutlich stärker als der Goldpreis selbst.

          Letztlich hänge alles davon ab, wie sich der Goldpreis in Zukunft entwickelt, meint Ingo Schmidt, Analyst der Haspa. Die Korrelation ist hoch, in beide Richtungen. Doch es gibt auch andere Risiken für Goldminenaktien, wie politische Probleme in Förderländern, Managementfehler sowie technische Risiken: „Der Feind jeder Mine ist das Wasser“, sagte Gombert. Für Anleger aus Deutschland, die in kanadische, amerikanische, südafrikanische oder australische Minenaktien investieren, kommt ein Währungsrisiko hinzu.

          Wenn man in Goldminenaktien investieren will, dann lieber in die großen Konzerne – weil die mehr Minen haben und damit weniger abhängig von einer sind, raten die Fachleute. Größter Goldförderer der Welt ist Barrick Gold mit Sitz in Toronto – in diesem Jahr einer der Lieblinge der Börsianer. Der Aktienkurs ist seit Anfang Januar immerhin um fast 80 Prozent in die Höhe geschnellt. Der Status als „sicherer Hafen“ erklärt den Höhenflug nicht vollständig. Die Kurse der nächstgrößten amerikanischen Konkurrenten stiegen schließlich weniger. Barrick profitiert nicht nur von der Verteuerung des Rohstoffs, sondern vor allem von den Umstrukturierungen, die der vor vier Jahren ins Unternehmen geholte Spitzenmanager John Thornton auf den Weg gebracht hat – beispielsweise dem starken Abbau von Schulden.

          Thornton sanierte Barrick Gold

          Thornton, einst aussichtsreicher Kandidat für den Vorstandsvorsitz der Investmentbank Goldman Sachs, ist im Rang des Executive Chairman unumstritten der starke Mann bei Barrick Gold. Zwar kommt er nicht aus der Bergbaubranche, aber seine Karriere bei der führenden Wall-Street-Bank dürfte ihn für die Befindlichkeiten der Börse sensibilisiert haben. Thornton hatte Goldman im Jahr 2003 nach mehr als zwanzig Jahren verlassen, weil sich abzeichnete, dass der damalige Vorstandsvorsitzende und spätere Finanzminister Henry Paulson keine Rücktrittspläne hegte. Thornton bringt noch eine weitere Expertise mit, die sich in der Rohstoffbranche gut macht. Er ist ein intimer Kenner des Großimporteurs China. Thornton leitete in den späten neunziger Jahren das Asien-Geschäft von Goldman und wurde nach dem Abschied von der Bank Professor an der Tsinghua Universität in Peking.

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