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Steigende Preise : Goldanlagen gewinnen an Attraktivität

Viele Anleger investieren in das Edelmetall. Bild: dpa

Die Schwäche des Euros hat auch gute Seiten, denn der Preis für eine Feinunze Gold steigt stetig. Das Interesse der Anleger scheint nachhaltig gestiegen, doch es gibt einige Risiken.

          Gold erbringt zwar keine Zinsen und keine Dividenden. Dennoch sind Goldanlagen nicht nur als vermeintlich sichere Häfen beliebt. In diesem Jahr ist zudem ihre Wertentwicklung nicht ganz so enttäuschend wie im vergangenen. Im Jahr 2014 war die Bilanz in Dollar sogar negativ. Aktuell ist der Preisanstieg seit Jahresanfang zwar auf 2 Prozent zusammengeschmolzen. Zeitweise lag das gelbe Metall mit 11 Prozent im Plus. Am Mittwoch kostete die Feinunze (31,1 Gramm) Gold rund 1207 Dollar.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Rechnet man den Wechselkurseffekt hinzu, bleibt unter dem Strich für Anleger aus dem Euroraum jedoch einiges mehr übrig. Denn die Schwäche des Euro hat auch positive Seiten. Die Feinunze Gold kostet aktuell rund 1062 Euro und damit gut 8 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. In der Spitze war Gold in diesem Jahr sogar fast um ein Fünftel im Preis gestiegen. Und selbst für das Jahr 2014 steht aus Sicht hiesiger Anleger ein Plus von rund 12 Prozent zu Buche. Der Silberpreis ist in diesem Jahr sogar noch deutlicher gestiegen – in Dollar gerechnet, um 5 Prozent, in Euro sogar um 11 Prozent. Die Dollar-Preise von Platin und Palladium zeigen sich dagegen leicht im Minus, in Euro dagegen liegen sie ebenfalls im Plus.

          Es war ein turbulenter Jahresbeginn. Am 22. Januar kletterte der Goldpreis auf ein Jahreshoch von gut 1300 Dollar, als die Europäische Zentralbank (EZB) umfassende Anleihekäufe und damit eine weitere Lockerung der Geldpolitik bekanntgab. Eine Woche zuvor hatte schon die Schweizer Nationalbank den Markt stark bewegt. Der Goldpreis stieg binnen 24 Stunden um 34 Dollar, als die Bank den Mindestkurs des Franken zum Euro aufgehoben hatte. Die wachsenden Sorgen über die Lösung der Schuldenkrise Griechenlands nahmen zudem Einfluss auf das Marktgeschehen.

          Gold erstmals nach zwei Jahren teuer als Platin gehandelt

          Und wie geht es nun weiter? Nach der weiteren Flutung der Märkte mit billigem Geld durch die EZB hätten sich die fundamentalen Bedingungen für einen weiteren Goldpreisanstieg verfestigt, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer von Stabilitas, einer auf Edelmetallinvestments spezialisierten Gesellschaft. Gold werde aktuell erstmals seit mehr als zwei Jahren teurer als Platin gehandelt.

          Auch Degussa Goldhandel sagt für das Jahr 2015 einen Anstieg des Goldpreises vorher, in dessen Verlauf auch die Preise für Edelmetalle wie Silber und Palladium zulegen könnten. „Da mehr und mehr private Anleger auf der ganzen Welt derzeit mit inflationären Risiken konfrontiert sind, sehen wir in den nächsten Wochen für Gold ein beträchtliches Entwicklungspotential“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Degussa-Geschäftsführung. In Deutschland war die Inflationsrate mit minus 0,5 Prozent im Januar jedoch zuletzt negativ. Im Euroraum sollen die Preise nach Schätzungen der Fachleute von Eurostat sogar um 0,6 Prozent gefallen sein. Nach Ansicht von Degussa könnte der Goldpreis 2015 in der Spitze 1400 Dollar erreichen. Sollte sich die fragile ökonomische und finanzielle Situation einiger Länder verschlechtern, werde ein weiterer Anstieg der Goldnachfrage wahrscheinlich, begründen die Fachleute ihre Prognose. Nationale Wirtschaftskrisen wie in Russland, wo der Goldpreis 2014 aus Sicht der Rubel-Anleger um gut 80 Prozent gestiegen sei, sollten Goldkäufe in Schwellenländern verstärken. Anleger würden sich gegen weitere politische Destabilisierung und monetäre Entwertung wappnen.

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