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Kursverfall : Euro sinkt tiefer als nach dem Brexit-Votum

Die Stärke des Dollars setzt sich durch – sehr zum Leidwesen des Euros. Bild: dpa

Der starke Dollar führt zu einem Kurstief beim Euro. Die Gemeinschaftswährung ist auf dem niedrigsten Stand seit Langem. Dabei verschärfen Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi zur abkühlenden Konjunktur die Situation noch weiter.

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          Der Euro ist gegenüber dem Dollar so wenig wert wie schon lange nicht mehr. Am Freitag weitete die Gemeinschaftswährung ihre Verluste der Vortage aus. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,088 Dollar und damit so wenig wie letztmalig Mitte März. Damit steht der Kurs inzwischen tiefer als unmittelbar nach der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Der „Brexit-Schock“ und die damit verbundene Unsicherheit für die europäische Wirtschaft hatte den Euro zum Dollar im Sommer zwischenzeitlich auf den Stand von 1,095 gedrückt.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marktteilnehmer verwiesen auf die Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi vom Vortag, die den Euro unter Druck gesetzt hätten. Obwohl sich Draghi nach der Zinssitzung mit konkreten Aussagen weitgehend zurückgehalten hatte, habe sich letztlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Geldschwemme der Notenbank wohl noch längere Zeit anhalten werde. Zudem hatte Draghi Anzeichen gegeben, dass sich die europäische Konjunktur abkühlen könne.

          Dorothea Huttanus, Devisenanalystin der Frankfurter DZ-Bank, sieht allerdings weniger die Schwäche des Euro, sondern eher die Stärke des Dollars als Begründung für die Kursverschiebung. Die amerikanische Währung habe gegenüber einer ganzen Reihe großer Handelswährungen an Wert gewonnen. Grund sei das Näherrücken der erwarteten Zinssteigerung durch die Notenbank Federal Reserve. Echte wirtschaftliche Daten hätten schon lange kaum noch Einfluss auf die Devisenmärkte.

          Keine Hinweise auf Stabilisierung

          Marktteilnehmer rechnen für den Dezember mit einem entsprechenden Zinsschritt der Fed. „Die Zeit scheint reif zu sein“, sagt Huttanus. Die Analystin warnt aber zugleich davor, dass viele Devisenhändler sich im Moment zu sehr auf die Argumente konzentrierten, die für einen starken Dollar sprächen, und viele andere Argumente ignorierten. Aus ihrer Sicht spreche nichts für ein weiteres Absinken des Euro gegenüber dem Dollar. Bis zum Jahresende hält sie einen Kurs von 1,12 Dollar für realistisch.

          EUR/USD

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          Anders sieht das der Devisenanalyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), der den Kurs unter technischen Gesichtspunkten betrachtet. Demnach könnte der aktuelle Trend die Währung noch auf bis zu 1,082 Dollar herunterdrücken. Hinweise auf eine Stabilisierung erkenne er derzeit nicht.

          Wenig Einfluss hat nach Ansicht von Huttanus der amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf auf den Wechselkurs, sofern sich die Stimmung nicht noch einmal überraschend für Trump dreht. „Die Wahl von Hillary Clinton ist eingepreist“, sagt sie. „Die Wahl von Trump wäre ein Eventrisiko an den Finanzmärkten.“

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