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Starke Schwankungen : Kleinkrieg belastet Palmölproduktion

Palmölplantage in Indonesien Bild: dpa

Ein absurder Konflikt in Malaysia lässt die Arbeiten rund um die bedeutendsten Raffinerien der Welt ruhen. Der ohnehin unruhige Palmölmarkt rechnet mit noch stärkeren Schwankungen. Anleger müssen das Wechselkursrisiko bedenken.

          Eine Auseinandersetzung in einer der wichtigsten Anbauregionen der Welt für Palmöl sorgt für Unruhe an den Märkten. Das malaysische Militär bombardierte am Mittwoch Gebiete in Sabah, die von philippinischen Eindringlingen besetzt worden waren, und setzte Bodentruppen ein. Sabah auf Borneo ist die bedeutendste Anbauregion mit rund einem Viertel der gesamten malaysischen Palmölproduktion. Malaysia und das benachbarte Indonesien produzieren gemeinsam etwa 85 Prozent des Pflanzenöls.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf der ganzen Welt wurden im Jahr 2012 etwa 51 Millionen Tonnen Palmöl produziert – damit ist es nach Angaben der Rabobank mit knapp 30 Prozent noch vor Sojaöl das beliebteste Pflanzenöl der Welt. So findet man es auch in nahezu jedem Supermarktregal: Palmöl versteckt sich sowohl in der Tiefkühlpizza wie auch im Lippenstift als auch in Schokoriegeln. Meistens wird es auf den Zusatzangaben nur als „pflanzliches Öl“ angegeben. Es kann aber nicht nur als Speiseöl verwendet werden, sondern auch als Biodiesel.

          Konflikt aus längst vergangenen Zeiten

          Der Konflikt auf Sabah scheint aus längst vergangenen Zeiten zu stammen: Eine Gruppe von der Inselgruppe Sulu um den selbsternannten „Sultan von Sulu“, Jamalul Kiram, landete von der Seeseite in einem Dorf außerhalb des Küstenortes Lahad Datu in Sabah und erklärte das Gebiet als besetzt. Kiram bezieht sich auf Besitzansprüche, die auf das 14. Jahrhundert zurückgehen. Die Philippinen liegen nur eine gute Stunde per Schnellboot entfernt. Die seit dem 9. Februar schwelende Krise eskalierte, nachdem in den vergangenen Tagen mehrere malaysische Polizisten in den Auseinandersetzungen ihr Leben ließen. Traditionell sind die Verbindungen zwischen diesem Teil Malaysias und den Philippinen eng - rund 800.000 meist illegal eingewanderte Filipinos arbeiten hier. Die bewaffneten Aufständischen, die sich als rechtmäßige Nachfahren des Sultans sehen, fordern einen Teil der Provinz zurück. Ihn hatte das Sultanat im Jahr 1878 an die British North Borneo Company verpachtet. Zugleich fordern die Rädelsführer Ausgleichszahlungen für den Verlust von der malaysischen Regierung - die diese ablehnte.

          „Wir haben lange Zeit Geduld bewiesen. Aber hier handelt es sich um einen Territorialkonflikt, und da kann es keinen Kompromiss geben - wir tun, was wir tun müssen“, sagte der malaysische Handelsminister Mustapa Mohamed. Er könne „geringe Auswirkungen auf Handel und Investitionen“ nicht ausschließen. Sabah wird immer interessanter für die Öl- und Energieindustrie. Shell und Conoco Philipps investieren dort Milliarden - allerdings weit von der Unruhezone entfernt. Chinesische Unternehmen fördern hier Kohle und bauen Wasserkraftwerke. Bankanalysten warnten vor einer Ausweitung des Konflikts. So mussten die Palmölkonzerne Wilmar International, KL Kepong und Kwantas Corp die Arbeit ihrer Raffinerien in der Region aufgrund der verhängten Ausgangssperre unterbrechen. Tausend der rund 100.000 Hektar Palmplantagen der malaysischen Felda Global Ventures sind vom Zugang abgeschnitten. Genting Plantations hat die Arbeit in zwei ihrer fünf Raffinerien ebenfalls eingestellt.

          Das könnte den unruhigen Palmölmarkt noch stärkeren Schwankungen unterwerfen. Allein im vergangenem Jahr hat der Preis für Palmöl um bis zu 30 Prozent nachgegeben, da der Markt unter einer Überproduktion litt. Aktuell kostet eine Tonne des pflanzlichen Öls etwa 2400 Ringgit (etwa 590 Euro), während es im April vergangenen Jahres noch knapp 3500 Ringgit (etwa 860 Euro) waren. Yusof Basiron, Vorsitzender des malaysischen Palmöl-Rates, schätzte am Dienstag auf einer Konferenz in Kuala Lumpur, die Preisspanne werde in diesem Jahr bei 2500 bis 3200 Ringgit je Tonne liegen. Das Landwirtschaftsministerium in Amerika rechnet damit, die Lagerbestände auf der Welt würden in diesem Jahr auf den Rekordwert von 7203 Millionen Tonnen steigen. Die Produktion werde den Spitzenwert von 53,3 Millionen Tonnen erreichen, der Verbrauch werde bei 51,8 Millionen Tonnen liegen.

          Schwankungsanfällige Währungen

          Palmöl steht aber auch des Öfteren in der Kritik: Nach Daten der Nahrungsmittelorganisation der Vereinten Nationen, FAO, werden für Ölpalmenplantagen Regenwälder abgeholzt und der Lebensraum für zahlreiche Arten somit zerstört. So auch in Sabah: Der Palmöl-Boom führte zu einem stark zunehmenden Raubbau und damit zu einer Abholzung des natürlichen Regenwaldes.

          Trotz dieser Problematik und auch trotz der Diskussionen rund um Anlagen in Nahrungsmitteln bietet die Royal Bank of Scotland mehrere Zertifikate an, mit denen Investoren auf steigende und sinkende Preise des Öls setzen können. Alle Zertifikate bilden die Preisentwicklung des Futures für Palmöl an der Börse in Malaysia ab. Anleger sollten aber Vorsicht walten lassen. Einige Zertifikate sind nicht währungsgesichert, Palmöl wird jedoch in malaysischen Ringgit gehandelt. Währungen von Schwellenländern sind sehr schwankungsanfällig. Allein in diesem Jahr gewann und verlor der Ringgit binnen weniger Tage bis zu 10 Prozent zum Euro, seit dem Jahr 2007 hat er 25 Prozent zum Euro verloren. Außerdem kann es zu Rollverlusten kommen. Diese entstehen, wenn der alte Kontrakt ausläuft und der neue einen höheren Preis hat als der vorherige.

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