https://www.faz.net/-gv6-765uw

Staatsanleihen : Wann geht Japan die Schulden-Puste aus?

Generationenproblem: Japan vergreist Bild: dpa

Japan ächzt unter einer hohen Schuldenlast. Schon in wenigen Jahren könnte sie unfinanzierbar sein. Oder man versucht es wie die anderen auf das Ausland abzuwälzen.

          Japan will im kommenden Haushaltsjahr in Rekordhöhe Schuldtitel an private Investoren verkaufen, obwohl die gesamte Neuverschuldung sinkt. Angesichts eines Schuldenstandes von brutto 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist das zunächst einmal wenig überraschend. Japan braucht die privaten Ersparnisse zur Finanzierung des Staates.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang gibt es an den Finanzmärkten wenig Zweifel an der Solvenz des Inselstaates. Mit 0,75 Prozent für die zehnjährige Staatsanleihe liegen die Renditen immer noch rekordniedrig. Indes machen sich leichte Sorgen auf dem Markt für Kreditabsicherungen bemerkbar, seitdem das Bewusstsein für die Endlichkeit von Staatsverschuldung gestiegen ist.

          Noch ist die Skepsis gering

          Von einem Rekordtief von lediglich 3,75 Basispunkten im April 2007 für die fünfjährige Dollar-Anleihe stieg der Preis bis auf 147 Basispunkte im September 2011 an, halbierte sich dann aber wieder und beträgt derzeit rund 76 Basispunkte. Das ist deutlich mehr als für Deutschland, aber nur etwa halb so viel wie im Falle Indonesiens und nur ein Drittel dessen, was für die Absicherung spanischer Anleihen bezahlt wird.

          Noch ist also die Skepsis gering, doch die Zweifel werden zunehmend lauter geäußert. Das japanische Modell, wonach eine hohe Nachfrage japanischer Anleger die Zinslasten niedrig hält, könne nicht auf Dauer bestehen, schreibt jetzt auch Commerbank-Analyst Ralph Solveen. Spätestens in zehn Jahre verfügten die japanischen Anleger nicht mehr über genügend Vermögen, um die Staatsschuld alleine zu finanzieren.

          Privates Finanzvermögen bald aufgezehrt

          Der Prozess wird nach Ansicht Solveens dadurch verschlimmert, dass der neue Premier Abe nun mit abermals teuren Konjunkturprogrammen die Wirtschaft in Gang bringen will. Er rechnet damit, dass in den kommenden Haushaltsjahren das Defizit bei untragbaren 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verharren werde (dreimal so hoch wie in Italien und doppelt so hoch wie in Portugal). Auch die für 2014/2015 geplante Mehrwertsteuererhöhung werde daran nichts substantiell ändern. Diese ist übrigens für europäische Verhältnisse auch dann mit 10 Prozent fast schon lächerlich niedrig.

          Noch ist das Netto-Finanzvermögen der Privathaushalte und Nichtfinanz-Unternehmen mit rund 276 Prozent des BIP höher als der Schuldenstand. Doch die Probleme des Landes mit der ältesten Bevölkerung der Welt nehmen zu. Denn die Generation der Baby-Boomer geht in Rente und werde dann ihre Ersparnisse aufbrauchen. Mithin werde die Sparquote bis 2017 von 3 auf weniger als 2 Prozent fallen .

          Selbst unter der Annahme, dass die japanische Volkswirtschaft in den kommenden Jahren real um 2 Prozent jährlich wächst und Staatsanleihen durchschnittlich mit 1 Prozent verzinst werden, werde der Schuldenstand in weniger als 10 Jahren das Netto-Finanzvermögen übersteigen.

          Schicksalsjahr 2018?

          Indes sind diese Annahmen nicht unbedingt realitätsnah. Basierend auf Erfahrungen aus anderen Nationen, dürften die Zinsen steigen, derweil aufgrund der Alterung das Wachstum eher zurückgehen dürfte. Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wird in den kommenden 10  Jahren um 8 Prozent schrumpfen. Hinzu komme, dass der Glaube der Japaner, insbesondere der Unternehmer, an die Finanzierbarkeit der Staatsverschuldung abnimmt.

          Insofern könne die japanische Staatsfinanzierung schon in nur vier Jahren auf deutliche Restriktionen treffen. 90 Prozent der Schuldtitel werden von Inländern gehalten. Im Ausland dürften diese erheblich schwerer abzusetzen sein.

          Weitere Themen

          Investoren schätzen Griechenland wieder

          Staatsanleihen : Investoren schätzen Griechenland wieder

          Die Risikoprämien des Euro-Krisenlands gehen seit Jahresanfang deutlich zurück. Auch die griechische Wachstumsprognose für 2019 liegt über dem EU-Durchschnitt. Jetzt will das Land Schulden schon früher zurückzahlen.

          Topmeldungen

          Nach Mueller-Bericht : Warren fordert Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

          Der Bericht des Sonderermittlers Mueller bestimmt weiter die amerikanische Politik. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Warren sieht darin ausreichend Indizien, um Donald Trump zu entmachten. Derweil sinkt in der Bevölkerung die Zustimmung des Präsidenten.
          Kriegsverbrechen: SS-Soldaten am 10. Juni 1944 in der griechischen Stadt Distomo kurz nach dem Massaker an 218 Zivilisten.

          Athens Reparationsforderung : Die ewig offene Frage

          Seit den fünfziger Jahren fordert Griechenland Geld von Deutschland als Entschädigung für die Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Doch die Tagespolitik war lange wichtiger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.