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Ölkonferenz in Doha : Den Teufelskreis durchbrechen

Die Konferenz der Ölförderländer in Doha wirft ihre Schatten voraus: Am Dienstag hatte der Ölpreis den höchsten Stand des Jahres erreicht. Bild: Reuters

Am Sonntag treffen sich wichtige Ölförderländer aus aller Welt in Doha zu einer Konferenz über das Einfrieren der Ölfördermengen. Sollte man Heizöl jetzt lieber vorher kaufen?

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          An den Ölmärkten hat die Konferenz schon lange für Spekulationen gesorgt. „Mitte April“ werde sich entscheiden, wie es mit der Ölförderung auf der Welt weitergehe, hatte es lange Zeit geheißen. Jetzt am Wochenende ist es so weit, wenn nichts mehr dazwischenkommt: Am Sonntag treffen sich Vertreter vieler wichtiger Ölstaaten von innerhalb und außerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zu einer Konferenz in Doha, der Hauptstadt von Qatar.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ziel ist es, über ein Einfrieren („freeze“) der Ölförderung zu verhandeln. Damit wollen die Ölförderstaaten aus ihrer Sicht einen Teufelskreis durchbrechen. Der Mechanismus geht so: Je tiefer der Ölpreis ist, desto mehr Öl müssen die Ölländer fördern und verkaufen, um ihre Staatskassen zu füllen – und desto tiefer sinkt wiederum der Ölpreis.

          Erwartungen haben Ölpreis steigen lassen

          Schon in den vergangenen Tagen ließen Spekulationen und Andeutungen der verschiedenen Konferenzteilnehmer den Ölpreis mal steigen, mal fallen. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Frage, wie der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran ausgeht. Saudi-Arabien hatte bereits Ende vergangener Woche bekräftigt, seine Förderung nur dann begrenzen zu wollen, wenn Iran und andere Förderstaaten das auch tun.

          Iran wiederum hatte erklärt, sich gern an solchen Verhandlungen zu beteiligen – allerdings nur, wenn die Arbeitsgrundlage sei, dass sie selbst ihre Kapazitäten nach dem Ende der Atomsanktionen hochfahren dürften und nicht der Stand der Fördermengen vom Januar festgeschrieben werde. Am Dienstag hatte es für Aufsehen gesorgt, dass Saudi-Arabien iranischen Schiffen verbot, durch seine Gewässer zu fahren. Und auch die letzten veröffentlichten Zahlen für die Förderung in Russland zeigten, dass die Fördermengen offenbar ausgeweitet, und nicht eingefroren wurden.

          Was bedeutet das alles? Wird die Konferenz am Sonntag irgendwelche Signale für sinkende Fördermengen aussenden – mit dem Ergebnis, dass der Preis steigt? Sollten Verbraucher deshalb lieber vorher noch schnell Heizöl kaufen, wenn der Tank leer ist? So einfach ist es wohl nicht. Die Erwartungen für die Konferenz haben den Ölpreis bereits steigen lassen – nach der Konferenz könnten die Erwartungen verpuffen und für rückläufige Heizölpreise in der nächsten Woche sorgen, heißt es im Marktbericht der Internetplattform Heizoel24. Heizöl kostete am Mittwoch nach Angaben der Plattform im Durchschnitt 45,02 Euro je 100 Liter.

          Die meisten Opec-Mitglieder würden sich beteiligen

          Eugen Weinberg, Ölexperte der Commerzbank, jedenfalls ist skeptisch, dass es am Sonntag überhaupt zu einer Einigung kommt. Und wenn, so werde sich bald herausstellen, dass sie wenig wert sei. „Die Länder, die das unterzeichnen werden, haben entweder sowieso keine Möglichkeit zur Produktionssteigerung gehabt, wie Venezuela, Nigeria und andere, oder aber werden sich einfach nicht dran halten, wie Kuweit, Saudi-Arabien, Irak oder Russland“, sagte Weinberg. Damit sei das Abkommen „zum Scheitern verurteilt“.

          Zumindest etwas zuversichtlicher für die Konferenz ist Patrick Dennis, Experte für den Nahen Osten bei Oxford Economics. Er meint, es sei schon wahrscheinlich, dass es zu irgendeiner Form von Einigung komme. Die meisten Opec-Mitglieder (außer Iran) und Russland sowie weitere Nicht-Opec-Mitglieder würden sich beteiligen, und man werde sich auf ein Einfrieren der Fördermengen auf den Stand von Januar verständigen.

          Gleichwohl glaubt auch er, dieser Schritt werde unmittelbar allenfalls einen „marginalen Effekt“ auf den Ölpreis haben – könne allerdings einen „ersten Schritt“ hin zu mehr Marktdisziplin und Einheit innerhalb der Opec darstellen. Das könnte helfen, den Ölpreis zu stabilisieren – ohne ihn aber in den nächsten zwölf bis 18 Monaten merklich steigen zu lassen.

          Höchsten Stand des Jahres erreicht

          Schon in den vergangenen Tagen und Wochen hatte es einen gewissen Anstieg des Ölpreises gegeben, den Händler auch mit dem Treffen in Doha begründet hatten. „Ein Ziel hat die Konferenz also erreicht, der Ölpreis ist gestiegen“, sagte Weinberg. Am Dienstag hatte der Ölpreis sogar den höchsten Stand dieses Jahres erreicht: Die Nordseesorte Brent kostete zeitweise 44,72 Dollar je Fass (159 Liter), bevor sie am Mittwoch um rund 0,6 Prozent auf 44,25 Dollar fiel. Noch im Januar hatte Öl bei 28,52 Dollar gelegen – ein Plus seither also von mehr als 50 Prozent.

          Unabhängig vom Ergebnis in Doha, gehe man aber davon aus, dass der Ölpreis mittelfristig weiter steige – wenn auch nicht wieder auf die Höchststände der Vergangenheit, heißt es bei der Fondsgesellschaft Templeton. Zum einen nähmen auf der Angebotsseite die Förderkosten tendenziell zu, weil die günstigen Quellen irgendwann erschöpft seien, sagte Portfolio-Manager Robert Mazzuoli. Zum anderen sehe man erste Anzeichen dafür, dass die Öl-Förderung in den Vereinigten Staaten zurückgehe.

          Auch die Nachfrage in den Schwellenländern spiele eine wichtige Rolle. Sie sei weiterhin sehr dynamisch, hob Templeton-Fondsmanager Claus Born hervor. Nicht nur in China, auch in vielen anderen Schwellenländern würden mehr Autos zugelassen, und es werde mehr geflogen – das werde Öl mittelfristig wieder teurer machen.

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