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Devisenmarkt : Spanien-Wahlen und Yellen schwächen den Euro

Der schwache Euro belebt den Export: Ford-Autotransport auf dem Rhein aus der Produktion in Köln Bild: dpa

In Amerika rückt die Zinswende näher und im Euroraum werden unsichere Zeiten befürchtet. Mehrere Faktoren sorgen für Verunsicherung an den Märkten und einen drastischen Kursverlust des Euro.

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          Die Erfolge der Linkspopulisten in den spanischen Kommunalwahlen haben an den Finanzmärkten für Verunsicherung gesorgt. Das lässt sich an den Kursverlusten des Euros ablesen. Dessen Einbußen zum Dollar haben sich am Dienstag verstärkt. Die Gemeinschaftswährung notiert am Mittmochmorgen mit 1,092 Dollar und damit einen amerikanischen Cent niedriger als am Freitag. In den vergangenen sechs Handelstagen beträgt der Kursrückgang damit nun fünf Cent.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dafür sind nicht nur die spanischen Wahlen der Grund, sondern auch die Sorge um einen griechischen Staatsbankrott sowie die jüngsten Aussagen der amerikanischen Notenbankpräsidentin Janet Yellen. Sie hatte am Freitag eine Zinserhöhung in diesem Jahr als angemessen bezeichnet. Eine weitere Verlängerung der Nullzinspolitik erhöht ihrer Ansicht nach die Gefahr einer Überhitzung der amerikanischen Wirtschaft.

          Angst vor „griechischen Verhältnissen“ in Spanien

          Anders als zuletzt zu beobachten war, konnten die Aktienkurse diesmal nicht vom schwachen Euro profitieren. Der Dax gab um 1,6 Prozent auf 11.625 Punkte nach. Der Euro Stoxx 50 fiel um 1 Prozent auf 3619 Punkte. Normalerweise werten Anleger einen schwachen Euro als gut für die europäischen Unternehmen, weil deren Produkte im Ausland günstiger und wettbewerbsfähiger werden. Doch diese Reaktion blieb nun wegen der politischen Unsicherheiten im Euroraum aus.

          Unklar ist die Lage in Griechenland, wo die Regierung um die Linkspartei Syriza Zweifel an der am 5. Juni fälligen Rückzahlung einer Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nährt. Bislang sei völlig unklar, ob das Land das Geld hierfür aufbringen könne, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. „Und innerhalb der linken Syriza werden die Meinungsunterschiede immer offensichtlicher und die Forderungen nach einer Einstellung des Schuldendienstes immer lauter.“

          Befreundet mit Syriza ist die spanische Linkspartei Podemos, die bei den Kommunalwahlen am Wochenende in den Metropolen Madrid und Barcelona überraschend hohen Zuspruch erhielt. Im Herbst sind Parlamentswahlen, und viele Anleger befürchten „griechische Verhältnisse“ in Spanien. Doch rät Christian Lenk, Analyst der DZ Bank, davon ab, die spanischen Kommunalwahlen überzubewerten. Denn von den Stimmenverhältnissen her sind die Protestparteien, neben Podemos die bürgerliche Ciudadanos, noch bei weitem nicht in der Lage, die Regierungsmehrheit zu stellen. Deshalb dürfte das wirtschaftsfeindliche Programm von Podemos nicht gänzlich zum Zuge kommen. Allerdings kann sich Lenk die Beteiligung an einer sozialistischen Regierung vorstellen.

          Der Linksruck in Spanien belastete die Kurse südeuropäischer Staatsanleihen. Entsprechend stiegen die Renditen. In der zehnjährigen Laufzeit erhöhte sich die spanische Rendite von 1,78 auf 1,91 Prozent. Auch die Marktzinsen für italienische und portugiesische Staatsanleihen stiegen. Dagegen war die zehnjährige Bundesanleihe als sicherer Hafen gefragt. Die Rendite sank von 0,61 auf 0,53 Prozent.

          Höhere Zinsen treiben Anleger nach Amerika

          Die Kauflust der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt inzwischen etwas nach. Aus ihren am Montag veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass sie in der zurückliegenden Woche Anleihen von Staaten und staatsnahen Emittenten im Volumen von 11,8 Milliarden Euro erworben hat. Das war der schwächste Zuwachs in drei Wochen. Insgesamt hat die EZB seit Mitte März Anleihen für 134 Milliarden Euro gekauft. Vor gut einer Woche hatte EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré höhere Kaufvolumina im Mai und Juni angekündigt. In den Ferienmonaten Juli und August, wenn die Handelsvolumina an den Märkten gering sind, will die EZB weniger als die im Durchschnitt je Monat geplanten 60 Milliarden Euro aufwenden.

          Die wahrscheinlicher werdende Zinswende in den Vereinigten Staaten drückt nicht nur den Euro, sondern auch viele andere Währungen, vor allem den japanischen Yen. Am Dienstag war ein Dollar mit in der Spitze 122,8 Yen so viel wert wie zuletzt vor acht Jahren. Einen Grund für die Stärke des Dollars sehen Fachleute der französischen Bank BNP Paribas in den Aussagen von Fed-Präsidentin Yellen. Wegen der zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten aus Amerika hatten viele Investoren keinen Zinsschritt mehr in diesem Jahr erwartet. Dieser Ansicht hat Yellen nun klar widersprochen.

          BNP Paribas rechnet mit einer Zinserhöhung im September. Die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen stiegen am langen Ende deutlich. Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten mit 2,19 Prozent. Amerikanische Anleihen sind somit attraktiv, denn sie haben einen Zinsvorsprung gegenüber Bundesanleihen von rund 1,6 Prozentpunkten. „Dieser Zinsvorsprung ist der Schlüssel für die Stärke des Dollars“, sagen die Fachleute von BNP Paribas. Denn die höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten, auch im Vergleich zu Japan und der Schweiz, trieben die Anleger in die amerikanische Währung.

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