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Sinkende Ölpreise : Die Welt schwimmt in Öl

Heizöl ist derzeit billig Bild: dpa

Die Amerikaner fördern so viel Öl wie lange nicht mehr. Die Araber verlieren ihre Machtposition. Und die Preise sinken. Ist das nicht prima?

          Der neue Reichtum der Sue Ann Hamm aus Oklahoma City illustriert, wie sehr und wie schnell sich die Koordinaten der Ölwelt verschoben haben. Sue Ann Hamm bekam in der vergangenen Woche in ihrem Scheidungsprozess, der von Finanz- und Boulevardpresse gleichermaßen hingebungsvoll observiert wurde, 996 Millionen Dollar zugesprochen. Hätte sie sich zehn Jahre früher scheiden lassen, hätte sie sich mit einem höchstens siebenstelligen Betrag begnügen müssen, und eine Schlagzeile wäre sie nicht wert gewesen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Ihr Ex-Ehemann ist Harold Hamm, den amerikanische Wirtschaftsmagazine als „King of Fracking“ beschreiben: Er ist der größte Profiteur der neuen Bergbaumethode, die Amerika ungeahnte neue Ölquellen erschlossen hat. Hamm nahm das Scheidungsurteil geradezu beglückt zur Kenntnis. Denn es bedeutet, dass er den Kern seines Vermögens nicht antasten muss: Die 70-Prozent-Beteiligung an Continental Resources, die rund 15 Milliarden Dollar wert ist.

          Seine Continental Resources hatte Hamm schon 1967 unter anderem Namen gegründet, 1971 hatte er zum ersten Mal Erfolg mit einer Ölquelle. Danach begann zunächst ein langsamer, aber doch stetiger Aufstieg. 2005 trennte er sich von seiner Frau, gibt er zumindest an. Und von da an machte sich Hamm auf, richtig reich zu werden: vom Millionär zum Milliardär.

          Sein Unternehmen Continental Resources gehört nicht nur zu den Pionieren der unkonventionellen Ölförderung, das horizontales Bohren und Fracking miteinander verbindet. Vorausschauend hatte Harold Hamm sich Schürfrechte in einer der „fruchtbarsten“ Formationen überhaupt gesichert: Die Bakken-Formation, die sich unter North Dakota, Montana und den kanadischen Bundesstaaten Manitoba und Saskatchewan breitmacht. Continental Resources ist der wichtigste von vielen Ausbeutern der Ölquelle.

          Die binnen kurzem legendär gewordene Formation ist (zusammen mit Eagle Ford Shale in Texas) das Ölfeld, das für das unglaubliche Comeback der Vereinigten Staaten als Ölproduzent steht. Im kommenden Jahr könnte das Land Saudi-Arabien und Russland als der größte Ölproduzent der Welt ablösen, vielleicht passiert das auch erst ein Jahr später, aber es wird passieren. Die neuen Scheichs kommen aus North Dakota und Texas. Die globale Machtkonstellation am Ölmarkt ändert sich grundlegend. In den 40 Jahren nach der iranischen Revolution beanspruchten drei fundamentale Gewissheiten ewige Gültigkeit: Amerika würde mehr und mehr Öl importieren müssen, um seinen wachsenden Hunger zu stillen. Der Mittlere Osten und vor allem Saudi-Arabien würden ihre Dominanz auf dem Ölmarkt ausbauen, und die Vereinigten Staaten würden alles daransetzen, die Golfregion offen zu halten, um ihren Nachschub zu sichern.

          Heute ahnt man, dass nichts von diesen Gewissheiten eine große Zukunft haben wird. Amerika senkt seine Importe, verbraucht weniger Öl als früher und verliert womöglich sein Interesse an seinen alten Geschäftsfreunden im Mittleren Osten.

          Die alte Ordnung verschwindet so schnell, dass die Saudis kaum Zeit gefunden haben, sich zu erschrecken. Die Macht migriert weg vom Hegemon Saudi-Arabien und dem von ihm dominierten Opec-Kartell, das mit seiner Produktionspolitik jahrzehntelang die Preise mitbestimmen konnte, das heißt: oben halten konnte.

          Das funktioniert nicht mehr, wie die aktuelle Entwicklung am Ölmarkt zeigt. Plötzlich gibt es Öl im Überfluss. So viel wie jetzt war nie auf den Weltmärkten. Deshalb sinken die Preise für den Rohstoff, bis zu 30 Prozent unter das Sommerhoch. Gerade noch etwa 80 Dollar kostet ein Fass (159 Liter). Erstmals reagierten die Saudis nicht wie gewöhnlich auf den Preisverfall mit der Drosselung der Produktion. Denn sie haben eine Heidenangst um ihre Marktanteile.

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