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Sind die Notenbanken schuld? : Der große Gold-Crash

Bild: dpa

Lange war Gold eine gute Versicherung gegen die Krise. Doch plötzlich sinkt der Wert so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Was ist da passiert?

          Manche Geschichten sind einfach zu schön - zu schön um wahr zu sein. Die Erfolgsgeschichte des Goldes ist genau so eine. Gold, so haben alle Analysten stets wie ein Mantra wiederholt, sei für Investoren der einzig verbliebene noch sichere Hafen angesichts schwelender Wirtschafts-, Schulden- und Euro-Krisen. Es galt als stabile Ersatzwährung, in die sich viele Skeptiker und ratlose Anleger flüchteten, und das waren zuletzt immer mehr. Zwölf Jahre lang strebte der Preis des Edelmetalls deshalb nur steil nach oben. Eine Bewegung, die noch lange andauern würde, sagten die Rohstoffexperten. Sie sahen den Goldkurs steigen und steigen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bis vergangene Woche. Da erlebten Investoren, was nur alle paar Jahrzehnte einmal passiert, und viele wünschten sich, sie hätten es nicht erlebt: Der Goldpreis donnerte in den Keller, innerhalb von nur zwei Handelstagen um zehn Prozent. Seit Anfang April büßte das Edelmetall von 1600 auf 1300 Dollar ein, damit verlor es nicht nur ein Viertel an Wert, sondern auch eine Menge seiner Strahlkraft. Nun rätseln viele Anleger, wie es dazu kommen konnte. Vor allem aber fragen sie sich, warum so viele Analysten sie bis zuletzt euphorisch in die Ersatzwährung trieben, doch schon Tage nach dem Crash so viele plausible Gründe dafür fanden, dass der große Goldsturz kommen musste - und warum keiner davor warnte.

          Der Preis fällt

          Wenige beantworten diese Frage so offen wie Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank: „Um ehrlich zu sein, wir wissen es nicht. Wir können selbst im Nachhinein nicht genau sagen, was passiert ist, denn fundamental hat sich am Goldmarkt nichts geändert.“ Gold ist weiterhin einer der knappsten Rohstoffe der Welt, die Krise noch nicht ausgestanden und Anleger suchen weiter nach sicheren Anlagen. Warum also zogen so viele ihr Geld plötzlich aus dem Markt ab?

          Dafür nennen Analysten zwei Gründe: Erstens hätten die Goldverkäufe der zyprischen Zentralbank ein negatives Signal gesetzt. Viele Investoren fürchteten, dass auch Griechenland, Spanien und Italien demnächst größere Mengen ihrer Goldreserven auf den Markt werfen könnten. Zweitens habe China schwächere Wirtschaftsdaten gemeldet als gedacht. Gerade die reichen Chinesen aber gelten - wie auch die Inder - als größte Schmuckabnehmer der Welt und treiben die Goldnachfrage. Hielten sie sich zurück, sänken die Preise, war Argument Nummer zwei. Doch: „Beide Begründungen taugen überhaupt nichts“, findet Weinberg.

          Wer das Gold hält

          Zum einen sind Zyperns Goldbestände mit 14 Tonnen viel zu klein, um den Markt nennenswert zu bewegen. Das Land würde Gold im Wert von gerade einmal 400 Millionen Euro verkaufen, selbst etliche Hedgefonds bringen es auf ein Vielfaches. Auch die Angst vor griechischen Notverkäufen hält Weinberg für abwegig: Selbst wenn Griechenland seine kompletten Goldreserven im Wert von 3,5 Milliarden Euro auf den Markt würfe, drückte es damit seine Staatsschuldenlast nur um einen Prozentpunkt, von 155 Prozent des Inlandsprodukts auf 154 Prozent.

          Geholfen wäre dem Krisenstaat damit nicht, „und der psychologische Effekt wäre desaströs. Griechenland würde sich und seinem Ansehen bei den Investoren enorm schaden.“ Freiwillig werde daher kein Euroland seine Goldreserven abstoßen, da ist er sicher. Überdies hätten die Zentralbanken der Welt in den vergangenen drei Jahren so viel Gold gekauft wie seit 70 Jahren nicht mehr.

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          Auch die These mit den reichen Chinesen kann man bezweifeln, wenn man sich ansieht, welche Käuferkreise den Goldmarkt seit ein paar Jahren treiben. Die Kräfte haben sich seit 2009 verschoben, belegen Statistiken des World Gold Council: Noch vor 12 Jahren absorbierte die Schmuckindustrie 80 Prozent des Weltgoldes, ihre Nachfrage ging seitdem stetig zurück auf weniger als 50 Prozent. Neben der Industrie, die Gold in Handys und Elektronikprodukten verbaut, ist eine andere Abnehmerschar arg gewachsen - die der Investoren, die sich das Gold als Barren oder physisch besicherte Indexfonds zulegten.

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