https://www.faz.net/-gv6-121zt

Silber : Das Gold des kleinen Mannes

  • Aktualisiert am

Silberbarren der Oegussa Bild: REUTERS

Der Silberpreis steigt, aber er bleibt im Schatten des Goldpreises. Silber ist vor allem ein Industriemetall. Seit einigen Wochen nimmt die Nachfrage der Anleger jedoch wieder zu. „Der Silberpreis wird vom Goldpreis gezogen,“ heißt es.

          2 Min.

          Die Anleger zieht es nicht nur zum Gold. Im November 2009 flossen börsengehandelten Silberfonds Gelder im Wert von 770 Tonnen des Metalls zu. "Der Silberpreis wird vom Goldpreis gezogen", sagt Thomas Bendix, Analyst und Fondsmanager im Rohstoffhaus Tiberius. Auch am Terminmarkt sehe man immer mehr Finanzinvestoren auf der Käuferseite.

          Dabei ist Silber längst eher ein Industrierohstoff als ein Edelmetall, denn mehr als 50 Prozent der Nachfrage entfällt auf die Industrie. "Man kauft Silber in Erwartung einer Konjunkturerholung", bemerkt Thorsten Proettel, Analyst bei der LBBW in Stuttgart. "Der Markt wird nicht von Anlegern dominiert."

          „Der Markt wird nicht von Anlegern dominiert“

          Nach seiner Ansicht hat der starke Preisanstieg in jüngster Zeit viel von einer künftigen Konjunkturerholung vorweggenommen. Daher erwartet er zunächst eine Verschnaufpause mit einem Preisziel von 17,50 Dollar je Unze (31 Gramm) Ende März 2010. Für das Jahresende 2010 sieht er den Preis bei 20 Dollar. Bendix verweist auf eine weitere Eigenart des Silbermarktes: Weil er ziemlich klein ist, lassen sich dort immer wieder kurzfristig starke Preisausschläge beobachten.

          Anders als Gold eignet sich physisches Silber schlecht für Privatanleger, wenn größere Beträge investiert werden sollen. Selbst nach dem jüngsten Preisanstieg kostet ein Kilobarren Silber nur rund 565 Euro. Den unter Großanlegern bekannten Barren über 30 Kilo wird nicht jeder Privatanleger zu Hause oder in einer Bank aufbewahren. Überdies sind bei Silberbarren und -münzen die Abstände zwischen Kauf- und Verkaufspreisen oft erheblich.

          Börsengehandelte Fonds (ETF) kommen immer mehr in Mode, allerdings gibt es für Silber nicht sehr viele. Der Silver Trust der Fondsgesellschaft I-Shares, der größte Silberfonds der Welt, besitzt heute für seine Kunden rund 9400 Tonnen im Wert von 5,8 Milliarden Dollar. Im ZKB Silber ETF der Zürcher Kantonalbank befindet sich Silber im Wert von fast einer Milliarde Franken. Der Fonds wendet sich an Investoren mit einem Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren.

          Eine andere Form der Kapitalanlage bilden Silberminenaktien. Bedeutende reinrassige börsennotierte Silberunternehmen gibt es nur wenige, da Silber häufig von großen Minenkonzernen neben anderen Rohstoffen aus dem Boden geholt wird. Der Markt für Silberminenaktien bedarf guter Kenntnisse auf Seiten des Anlegers.

          Das mit einem Börsenwert von 3,9 Milliarden Euro führende Silberunternehmen ist die kanadische Silver Wheaton Corp. Sie gehört allerdings nicht zu den traditionellen Minenunternehmen, sondern bezeichnet sich als "streaming company": Das Unternehmen zahlt Minengesellschaften Geld und erhält dafür Anteile an der Silberproduktion. So hat Silver Wheaton in diesem Jahr von dem Minenkonzern Goldcorp. ein Viertel der Silberproduktion in der mexikanischen Mine Penasquito, dem größten bekannten Silbervorkommen der Welt, erworben.

          Aktien von Silberminen sind rar wie das reine Metall

          Silver Wheaton sieht in diesem Geschäftsmodell mehrere Vorteile. So muss das Unternehmen nicht selbst Minen erschließen und danach die laufenden Produktionskosten finanzieren. Silver Wheaton ist in diesem Jahr durch mehrere Akquisitionen stark gewachsen und will in absehbarer Zeit vorhandene Mittel in neue Projekte investieren, anstatt Dividenden auszuschütten. Die Produktion soll von 11 Millionen Unzen (eine Unze entspricht 31,1 Gramm) im vergangenen Jahr auf mindestens 40 Millionen Unzen im Jahr 2013 steigen.

          Mit einem Marktwert von 1,7 Milliarden Euro führt das kanadische Unternehmen Pan American Silver die Rangliste der Silberminenbetreiber an. Es betreibt acht Minen in Lateinamerika, aus denen es im vergangenen Jahr 18,7 Millionen Unzen förderte. Im dritten Quartal 2009 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 49 Prozent auf 118,6 Millionen Dollar.

          Sehr stark gestiegen ist in den vergangenen Monaten der Kurs des größten amerikanischen Silberproduzenten Hecla Mining. Das im Jahre 1891 im Bundesstaat Idoaho gegründete Unternehmen erwartet für das laufende Jahr eine Produktion von rund 11 Millionen Unzen Silber und kommt derzeit auf einen Börsenwert von 1,2 Milliarden Euro. Die UBS hat ihre Bewertung der Aktie kürzlich von "Verkaufen" auf "Neutral" geändert.

          Weitere Themen

          Die verwirrende Börsenrally

          Scherbaums Börse : Die verwirrende Börsenrally

          Der Dax klettert weiter in Richtung Allzeithoch, während das Gros der deutschen Konzerne es kaum wagt, wegen der Corona-Krise eine seriöse Prognose für das laufende Jahr abzugeben. Was sollen Anleger von einer solchen Börse halten?

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.

          Neue Proteste in Amerika : „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          In Amerika gehen die Proteste mit unverminderter Kraft weiter. Drei frühere Verteidigungsminister sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere stellen sich derweil in einem Gastbeitrag gegen Trumps Militär-Drohung.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.