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Amerikanischer Senat : Scharfe Kritik an Rohstoffgeschäften von Banken

  • -Aktualisiert am

JP Morgan Chase hat seine Rohstoffsparte verkauft Bild: Reuters

Ein Unterausschuss des amerikanischen Senats hat die Rohstoffgeschäfte großer Banken kritisiert. In einem Bericht legen sie dar, welche Risiken die Geschäfte für das Finanzsystem haben können.

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          Ein Unterausschuss des amerikanischen Senats hat die Rohstoffgeschäfte großer amerikanischer Banken scharf kritisiert. In einem mehr als 400 Seiten langen Bericht werfen die Senatoren Banken vor, mit dem Erwerb großer Lagerbestände Rohstoffpreise beeinflusst und sich mit exklusiven Informationen aus dem physischen Geschäft unfaire Vorteile im Handel verschafft zu haben. Dazu seien wegen dieser Engagements die Risiken für das Finanzsystem gestiegen, falls eine Bank deswegen in Schieflage geraten sollte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Wir können es einer großen, mächtigen Wall-Street-Bank einfach nicht erlauben, den Preis eines für unsere Wirtschaft unentbehrlichen Rohstoffs zu kontrollieren“, sagte Senator Carl Levin, der Vorsitzende des ständigen Ermittlungs-Unterausschusses. Mitarbeiter des Ausschusses hätten „erheblich Belege dafür gefunden, dass diese Aktivitäten die großen Banken kaum verstandenen Risiken aussetzen.“ Als Beispiel führte er eine Ölkatastrophe wie den Unfall des Tankers Exxon Valdez vor der Küste Alaskas an. Das könnte eine Bank sowohl hohen rechtlichen Risiken als auch einem großen Rufschaden aussetzen.

          Der Bericht konzentriert sich auf die Wall-Street-Banken Goldman Sachs, JP Morgan Chase und Morgan Stanley, die große Bestände von Aluminium, Kupfer und anderen Rohstoffen angehäuft hatten. Nach Angaben des Ausschusses haben die Banken in vielen Fällen darüber hinaus die erlaubten regulatorischen Grenzen für den Besitz physischer Rohstoffe überschritten.

          Fed überprüft Aufsicht über Engagements in Rohstoffmärkten

          Der Bericht könnte auch den Druck auf die Notenbank Fed erhöhen, die Engagements von Banken in den Rohstoffmärkten zu beschränken. Die Fed überprüft derzeit ihre Aufsicht über diese Sparten. Neben Vertretern der Banken ist auch der Fed-Gouverneur Daniel Tarullo zu einer am Donnerstag begonnenen zweitägigen Anhörung des Senatsgremiums geladen.

          Die in dem Bericht genannten Banken widersprechen den Anschuldigungen und betonen ein angemessenes Risikomanagement ihrer Aktivitäten. Geldhäuser hatten seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts neben spezialisierten Rohstoffhändlern eine immer größere Rolle in diesem Geschäft gespielt. Von 2003 an wurde ihnen schrittweise erlaubt, Rohstoffe zu besitzen und zu transportieren. Die zuletzt stärker gewordene Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden und die nachlassenden Erlöse aus diesem Geschäft hat aber schon zu einem Rückzug vieler Banken geführt. Nach Angaben der Analysegesellschaft Coalition sind die Erträge der zehn größten Banken im Rohstoffgeschäft im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel geschrumpft.

          JP Morgan Chase hat ihre Rohstoffsparte verkauft

          Erst in diesem Jahr hat JP Morgan Chase ihre Rohstoffsparte für 3,5 Milliarden Dollar an das Schweizer Unternehmen Mercuria verkauft. Das größte amerikanische Kreditinstitut hatte seine Verkaufspläne schon im Jahr davor angekündigt, nachdem es einer Geldbuße von 410 Millionen Dollar wegen der mutmaßlichen Manipulation von Strompreisen zustimmt hatte.

          Die Deutsche Bank hatte Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt, ihr Rohstoffgeschäft deutlich einzuschränken. Die Bank wollte sich vor allem aus dem Handel mit Energie, Agrarrohstoffen und Metallen zurückziehen. Am Geschäft mit Edelmetallen sowie dem Handel mit Finanzprodukten auf Rohstoffen an den Terminmärkten will die Deutsche Bank aber festhalten.

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