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Schwellenländer-Krise : Rubel sinkt auf Rekordtief

Arbeit in einer russischen Mine Bild: REUTERS

Trotz des mutigen Zinsschritts der türkischen Zentralbank geht die Krise vieler Schwellenländerwährungen weiter. Der südafrikanische Rand und der russische Rubel stehen stark unter Druck.

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          Waren es bislang nur Sorgen, so könnte sich die Lage in den Schwellenländern mittlerweile zu einer handfesten Krise auswachsen. Die Entscheidung der türkischen Zentralbank in der Nacht zum Mittwoch, den Leitzins von 4,5 auf 10 Prozent mehr als zu verdoppeln, um den Wechselkurs der heimischen Währung Lira zu stützen, konnte die Finanzmärkte nur vorübergehend beruhigen. Vor der am Abend anstehenden Zinsentscheidung der amerikanischen Zentralbank flammten die Sorgen wieder auf.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die türkische Lira, die im Vorfeld der Zinsentscheidung wieder aufgewertet hatte, geriet am Mittwoch abermals unter Druck und landete mit 3,10 Lira für den Euro wieder auf dem Niveau vor der Zentralbankentscheidung. Auch andere Schwellenländer-Währungen hatten zunächst kräftig zugelegt, doch der Rally ging schnell die Luft aus.

          So wertete der südafrikanische Rand am Nachmittag wieder deutlich ab, nachdem die südafrikanische Zentralbank SARB den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent anhob. Für den Dollar  werden nunmehr 11,23 Rand bezahlt, so viel wie zuletzt während der Weltfinanzkrise des Jahres 2008.

          Grund dürfte sein, dass der überraschende Zinsschritt als zu klein betrachtet wird, um die Inflationsrisiken zu meistern, vor allem im Gegensatz zur drastischen Maßnahme der Türkei. Zudem verwies die Notenbank auf Wachstumsrisiken. Die Wirtschaft Südafrikas ist in den vergangenen Jahren zusehends schwächer gewachsen, im dritten Quartal 2013 war das Wachstum auf ein Vierjahrestief gefallen.

          Kalt erwischte es auch den russischen Rubel, dessen Kurs mit 35,22 Rubel für den Dollar auf den tiefsten Stand seit März 2009 fiel. Für einen Euro werden 48,15 Rubel bezahlt – so viel wie noch nie. Fast noch stärker unter Druck steht mit dem stärksten Kursverlust zum Euro seit mehr als anderthalb Jahren der ungarische Forint. Zentralbankchef György Matolcsy hat im Gegensatz zum Trend der meisten Schwellenländer weitere Zinssenkungen signalisiert. Auch der mexikansiche Peso und der brasilianische Real stehen unter Druck.

          Dass die Währungen der Schwellenländer just am Mittwoch stark unter Druck geraten, liegt an der Nervosität vor den geldpolitischen Entscheidungen der amerikanischen Zentralbank Fed die für den Abend anstehen. Viele Schwellenländer sind vom Zufluss ausländischen Kapitals abhängig. Für dieses aber sind Anlagen im eigenen Land dann wieder attraktiver, wenn dort die Zinsen steigen. Nachdem die Fed im Dezember entschieden hat, ihre ultralockere Geldpolitik schrittweise restriktiver zu gestalten, sind die Risiken gestiegen. Ökonomen rechnen mit einer weiteren Einschränkung der Dollarflut. Die zur Konjunkturstützung aufgelegten Anleihekäufe der Fed dürften nach Einschätzung der meisten Volkswirte von derzeit 75 Milliarden Dollar pro Monat auf 65 Milliarden Dollar reduziert werden. Bereits im Dezember hatte die Notenbank eine Drosselung um zehn Milliarden Dollar beschlossen.

          Mit den jüngsten Währungsturbulenzen wachsen die Risiken von Anlagen in Schwellenländern noch weiter. Die Türkei, Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika gelten als besondere Wackelkandidaten. Sie werden mittlerweile als „Fragile Fünf“ bezeichnet.

          Erinnerungen auch an Asienkrise

          „Die aktuelle Situation erinnert ein bisschen an die Zeit Mitte vergangenen Jahres, als Fed-Chef Bernanke erstmals ankündigte, die großvolumigen Anleihekäufe reduzieren zu wollen, und im Anschluss regelrechte Panik ausbrach“, meinen Folker Hellmeyer und Moritz Westerheide von der Bremer Landesbank. „Die Situation in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich“, sagt Christian Apelt von der Helaba. Tendenziell geht der Analyst davon aus, dass sich die Währungen derjenigen Länder, deren Zentralbanken bereits eingegriffen haben, stabilisieren werden.

          Denoch drängen sich Erinerungen an die Asienkrise Mitte der Neunziger auf. Die seinerzeit hoch gelobten „Tigerstaaten“ hatten von der Deregulierung ihrer Finanzmärkte profitiert. Dies hatte die Auslandsverschuldung hoch und die Leistungsbilanzen ins Defizit getrieben. Ebenso waren Immobilienpreise und Aktienkurse stark gestiegen. Damals waren zwar die Währungen an den Dollar gekoppelt. Doch die Variante zum damaligen Devisenabfluss mit folgendem Abwertungsdruck ist heute der stark fallende Wechselkurs, der damals wie heute zunehmend den Abzug ausländischen Kapitals bewirkt.

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