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Intervention : Schweizer Notenbank bekämpft starken Franken

Die Schweizerische Nationalbank befindet im Kampf gegen einen starken Franken. Bild: dpa

Die Schweizerische Notenbank will den Franken schwächen. Die Wirtschaft zeigt sich jedoch widerstandsfähig gegen die Intervention. Warum die französische Präsidentenwahl nun zum Schlüsseldatum werden könnte.

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          Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird nicht müde zu betonen, dass sie den Franken für überbewertet hält. Die am Montag veröffentlichte Jahresbilanz 2016 zeigt, dass die Notenbank diesem Lamento auch Taten hat folgen lassen: Die Devisenanlagen der SNB sind binnen zwölf Monaten um 103 Milliarden Franken auf 696 Milliarden gestiegen. Mit dem Kauf von Euros und Dollars versuchte die Nationalbank, den Franken zu schwächen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Das gewaltige Devisenportfolio bescherte der SNB Gewinne von 19,4 Milliarden Franken. Im Zusammenspiel mit anderen Bewertungsgewinnen, unter anderem aus dem Goldbestand, erzielte die Nationalbank einen Jahresüberschuss von 24,5 Milliarden Franken. Die Ergebnisse der SNB unterliegen starken Schwankungen, weil sie maßgeblich von den stichtagsbezogenen Bewertungen des Devisen-, Aktien-, Anleihe- und Goldbestands abhängen. Im Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von gut 23 Milliarden Franken zu Buche gestanden. Wegen des hohen Gewinns im Jahr 2016 überweist die SNB an Bund und Kantone zusätzlich zur „normalen“ Ausschüttung von 1 Milliarde Franken einen Betrag von 700 Millionen Franken. Das sind 200 Millionen mehr als Anfang Januar avisiert.

          Der Franken ist trotz der Interventionen der SNB in den vergangenen Monaten wieder stärker geworden. Am Montag kostete ein Euro 1,0697 Franken. Dies dürfte mit den verbesserten Konjunkturdaten zu tun haben, die nach Ansicht von Claude Maurer, Ökonom in der Bank Credit Suisse, belegen, wie widerstandsfähig die Schweizer Wirtschaft ist. Da obendrein die Inflationsrate wieder positiv ist, sollte die SNB prinzipiell dazu bereit sein, einen stärkeren Franken zu tolerieren, schreibt Maurer in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Gleichwohl habe die SNB zuletzt wieder stärker interveniert und allein im Februar Devisen im Wert von rund 15 Milliarden Franken gekauft. Dieses Volumen sei bisher nur unmittelbar vor der Aufhebung des Euromindestkurses und rund um den Brexit-Entscheid übertroffen worden. Nach Maurers Einschätzung wird die SNB kurzfristig an ihrer Interventionspolitik festhalten – in der Hoffnung, dass der Aufwertungsdruck nachlässt, sobald die politischen Risiken in der Eurozone abnehmen.

          Ein Schlüsseldatum sei in dieser Hinsicht der 23. April. An diesem Tag findet die erste Runde der französischen Präsidentenwahl statt. „Im Prinzip könnte die SNB ihre Devisenkäufe unbegrenzt fortsetzen, was sie aber unserer Meinung nach nur ungern tun würde, da eine zunehmend aufgeblähte Bilanz als Risiko gilt“, schreibt Maurer. Daher sei denkbar, dass die Nationalbank die Zinsen bei einer weiteren Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in der Schweiz weiter senkt. Vorstellbar sei aber auch, dass sie die Devisenmarktinterventionen beende und die Schweizer Währung frei schwanken lasse. Auch eine Kombination dieser beiden Optionen sei möglich.

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