https://www.faz.net/-gv6-7bvu4

Schweizer Notenbank : Goldpreis-Verfall kostet Milliarden

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der jüngste Goldpreis-Sturz kommt die Schweizer Nationalbank teuer zu stehen. Ein milliardenschwerer Bewertungsverlust steht für das erste Halbjahr zu Buche. Schadensbegrenzung gelang noch mit Devisengeschäften.

          2 Min.

          Der Absturz des Goldpreises hat der Schweizer Notenbank in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken (5,9 Milliarden Euro) eingebrockt. Auf die gut 1000 Tonnen des Edelmetalls resultierte ein Bewertungsverlust von 13,2 Milliarden Franken, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) mitteilte.

          Der Goldpreis war zwischen April und Juni massiv unter Druck gekommen, nachdem Profi-Anleger das Edelmetall in Erwartung einer nicht mehr ganz so lockeren amerikanischen Geldpolitik auf die Verkaufslisten gesetzt hatten. Zentralbanken passen die Bewertung ihrer Goldreserven von Zeit zu Zeit an die Marktpreise an - dadurch können hohe Buchgewinne oder -verluste entstehen.

          Schadensbegrenzung mit Devisengeschäften

          Die Deutsche Bundesbank bewertete hingegen jüngst ihre Goldbestände und-forderungen Ende Juni auf 100,3 Milliarden Euro - nach 136,5 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals. Allerdings wirken sich Bewertungsunterschiede bei der Bundesbank nicht auf den Überschuss aus, Abschreibungen gibt es nicht. Vielmehr werden Bilanzpositionen, die Marktpreisschwankungen unterliegen, auf der Passivseite der Bilanz in einem „Ausgleichsposten aus Neubewertung“ ausgewiesen.Eine gewisse Schadensbegrenzung gelang der SNB im ersten Halbjahr noch mit Devisengeschäften:

          Der Gewinn auf den Fremdwährungspositionen der Nationalbank betrug in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 5,8 Milliarden Franken. Dazu trugen die Aufwertung der beiden wichtigsten Währungen Euro und Dollar ebenso bei wie Beteiligungsgewinne, Zins- und Dividendenerträge.

          Goldreserven und Goldpreis
          Goldreserven und Goldpreis : Bild: F.A.Z.

          Verteidigung des Frankenkurses

          Die SNB hat ihre bei der Verteidigung des Frankenkurses erworbenen Devisen-Milliarden im Gegenwert von rund 440 Milliarden Franken im Ausland angelegt. Im September 2011 ist für den Euro ein Mindestkurs von 1,20 Franken festgelegt worden, der mit Eurokäufen am Devisenmarkt verteidigt wird. Das Gros ist in Staatsanleihen investiert:

          15 Prozent entfallen auf Aktien, die besonders gut rentierten. Kursgewinne und Dividenden brachten der SNB 6,3 Milliarden Franken ein, während die Zins-Anlagen mit 2,9 Milliarden Franken Verlust zu Buche schlugen. Wechselkursgewinne beliefen sich auf 2,3 Milliarden Franken.

          Die SNB hat jüngst in Singapur ihre erste ausländische Niederlassung eröffnet, um ihre in Fernost angelegten Devisenreserven zu verwalten. Die Notenbank hat im Zuge der Diversifizierung ihrer Anlagen auch in koreanische Won und Singapur-Dollar investiert. Zugleich übernimmt der Außenposten die Überwachung des Devisenmarktes, um intervenieren zu können, falls der Euro unter den Mindestkurs zu fallen droht. Diese Aufgabe musste bisher in Zürich in Nachtschichten erledigt werden. Das Gros der SNB-Devisenbestände entfällt mit 48 Prozent auf Euro-Anlagen. 27 Prozent der Reserven sind in Dollar  investiert, neun Prozent in Yen und sieben Prozent in Pfund Sterling.

          Weitere Themen

          Frauen bekommen weniger Kapital

          Fintechs : Frauen bekommen weniger Kapital

          Laut einer Erhebung ist in den Vereinigten Staaten der Frauenanteil bei der Gründung von Fintechs gering. Sie bekommen allerdings auch weniger Geld als Männer.

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          „Geschlossen“: Schilder wie dieses hängen derzeit wegen der Corona-Pandemie an der Tür vieler Restaurants.

          Allianz-Chef zu Corona : „Pandemien sind nicht versicherbar“

          Viele Gastwirte wollen wegen der Corona-Verluste Geld von ihrer Versicherung. Allein 150 Klagen richten sich gegen die Allianz Deutschland. Doch deren Chef sagt: Die Policen wurden nicht als Schutz vor einer Pandemie verkauft.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.