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Zur Absicherung : Das Comeback der Gold-Währung

Das Gold der Notenbanken. Bild: Reuters

Geld, das durch Gold gedeckt ist, gilt als sicher. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass es auch anders geht. Bewahrt uns ein neuer Goldstandard vor künftigen Krisen?

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          Der 30. November, der übernächste Sonntag also, wird in der Schweiz ein spannender Tag: Dann soll das Volk über einen Plan abstimmen, der sich „Gold-Initiative“ nennt. Er besteht aus drei Forderungen: Die Schweizer Nationalbank soll künftig mindestens 20 Prozent ihrer Aktiva, also aller Vermögensgegenstände in ihrer Bilanz, in Gold halten. Die Goldreserven sollen zudem unverkäuflich sein. Und sie sollen schließlich vollständig in der Schweiz gelagert werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Schweizer Franken soll eine Golddeckung bekommen, sagt Luzi Stamm. Der Mann ist Nationalrat der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei (SVP) - und einer der drei Initiatoren der Volksabstimmung. Technisch gesagt, streben sie eine sogenannte Teildeckung ohne Einlösepflicht ab. Nur für einen Teil des Papiergeldes sollen Goldreserven vorgehalten werden. Es ist nicht vorgesehen, dass man künftig Papiergeld bei der Notenbank gegen Gold eintauschen kann. Und es ist auch nicht beabsichtigt, den Wert des Papiergeldes unmittelbar an den Goldpreis zu koppeln, wie das in früheren Zeiten im sogenannten Goldstandard der Fall war. Damals entsprachen 35 Dollar einer Feinunze Gold (circa 31,1 Gramm).

          Gleichwohl beabsichtigen die Initiatoren, eine „goldene Bremse“ für die Notenbank einzuführen. Die Nationalbank soll in ihrer Möglichkeit beschränkt werden, neues Geld in Umlauf zu bringen. Schließlich wurde in der Schweiz wie in Amerika seit der Finanzkrise die Geldmenge kräftig ausgeweitet. Eine solche Geldpolitik würde erheblich schwieriger, wenn die Notenbank mit jeder Ausweitung ihrer Bilanz zusätzlich Gold kaufen müsste.

          Goldreserven deutlich kleiner als die Initiative fordert

          Auch im Augenblick verfügen die Zentralbanken in der Schweiz und in Deutschland über Goldreserven. Sie sind aber deutlich kleiner als von der Initiative gefordert - und vor allem gibt es keine Regel für den Zusammenhang zwischen ausgegebener Bargeldmenge und den Goldreserven.

          Wenn die Initiative sich durchsetzen sollte, wäre das eine Sensation. Die scheint im Augenblick nicht ausgeschlossen. Bei der letzten Umfrage des Schweizer Fernsehens jedenfalls kam ein leichter Vorsprung für die Unterstützer heraus. 44 Prozent sprachen sich für die Initiative aus, 39 Prozent dagegen - alles hängt also von den bislang Unentschlossenen ab.

          Wie ernst die Möglichkeit von den professionell Betroffenen genommen wird, zeigen aufgeregte Interviews des Schweizer Notenbankchefs Thomas Jordan: Er warnt, die Pläne würden seine Institution „handlungsunfähig machen“. Umgekehrt haben Investoren an den Goldmärkten erfreut auf das Umfragehoch der Gold-Initiative reagiert: Die Aussicht auf künftige Goldkäufe der Notenbank ließ den Goldkurs steigen - zumindest kurz.

          Das alles spricht dafür, sich sehr ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen: Ist das denn eine gute Idee, was die Initiative will? Ist sie womöglich ein Vorbild auch für uns? Zumindest in der Bevölkerung gibt es große Sympathie für die Idee, den Wert des Geldes wieder ans Gold zu binden, wie das im Währungssystem von Bretton Woods bis Anfang der siebziger Jahre für den Dollar der Fall war. Manche Wünsche reichen sogar noch weiter bis in die Zeit vor den Ersten Weltkrieg: Damals war das Geld durch Gold gedeckt mit der praktischen Konsequenz, dass man Geldscheine gegen Gold eintauschen könnte.

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