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Verkauf von Währungsreserven : Die Leiden der reichen Ölstaaten

Offshore-Ölplattform vor der angolanischen Küste Bild: AFP

Neben vielen anderen Staaten greifen vor allem Saudi-Arabien und Norwegen auf Währungsreserven zurück. Dies bringt erhebliche Unruhe in die Märkte.

          Statistiken zu lesen, kann mühsam sein, aber auch erhellend. Für den August 2014 weist die Zentralbank Saudi-Arabiens Sama (Saudi Arabian Monetary Authority) Fremdwährungsreserven im Wert von knapp 2,8 Billionen Riyal aus – umgerechnet rund 665 Milliarden Euro. Im Juli 2015 betrugen diese Anlagen nur noch 2,5 Billionen Rial, also rund 595 Milliarden Euro, und nach Vermutungen an den internationalen Finanzmärkten haben die Saudis seitdem weiter verkauft. Die als unermesslich reich geltenden Saudis bauen Währungsreserven ab.

          Sie sind nicht die einzigen Ölförderer, die auf Reserven zurückgreifen. In der vergangenen Woche senkte die Bank von Norwegen ihren Leitzins von 1 auf 0,75 Prozent. Ihr Gouverneur Oeystein Olsen stellte bei dieser Gelegenheit gleich weitere Leitzinssenkungen in Aussicht. Als Grund wurde die Sorge vor einer wirtschaftlichen Schwäche wegen des niedrigen Ölpreises genannt. Die Arbeitslosenquote befindet sich auf dem höchsten Stand seit 2006.

          Gleichzeitig ließ die Regierung in Oslo erkennen, dass sie für den Staatshaushalt des kommenden Jahres vermutlich auf zusätzliche Mittel aus dem riesigen staatlichen Ölfonds zurückgreifen will. Dieser bei der Bank von Norwegen angesiedelte Fonds gehört mit einem Volumen von rund 800 Milliarden Euro zu den größten Anlegern in der Welt. Rund 40 Prozent seiner Mittel sind in Aktien angelegt, knapp 60 Prozent in Anleihen und ein kleiner Teil in Immobilien.

          Eigentlich dient der Fonds der langfristigen Altersabsicherung der norwegischen Bevölkerung, aber die Regierung kann auf einen Teil der Gelder zugreifen. „Obwohl wir wegen des niedrigen Ölpreises vor Herausforderungen stehen, haben wir ein gutes Modell, um den Ölreichtum zu verwalten und gleichzeitig der Finanzpolitik Spielraum zu geben“, sagte Olsen vor wenigen Tagen. Mit Geldern aus dem Ölfonds könnte die Regierung zusätzliche Staatsausgaben finanzieren, ohne den Kapitalmarkt mit zusätzlichen neuen Staatsanleihen zu belasten.

          Die beiden Beispiele zeigen: Auch die reichsten Ölförderer haben Schwierigkeiten, mit dem niedrigen Ölpreis umzugehen, ohne sich einschränken zu müssen. Früher hieß es an den Märkten, Saudi-Arabien benötige langfristig einen Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel, um seinen Wohlfahrtsstaat und seine erheblichen Militärausgaben zu erhalten. Aktuell liegt der Ölpreis unter 50 Dollar. Auch andere Ölförderer wie Russland und Brasilien stehen unter erheblichem Anpassungsdruck.

          Vor allem Schwellenländer verkaufen

          Seit dem vergangenen Jahr verkaufen vor allem Schwellenländer erhebliche Bestände an Währungsreserven, die sie überwiegend in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut hatten. Für diesen Aufbau gab es vor allem zwei Ursachen. Zum einen bauten Rohstoffländer aus dem Erlös von Öl und Gas und weiteren Rohstoffen erhebliche Geldvermögen auf, die in Zentralbanken oder Staatsfonds geparkt werden. Der norwegische Ölfonds könnte mit seinen rund 800 Milliarden Euro der größte dieser durch Rohstoffverkäufe gespeisten Fonds sein. Auf ein ähnliches Volumen könnte der Staatsfonds aus Abu Dhabi kommen, der allerdings keine offiziellen Zahlen ausweist und zu dem weit auseinandergehende Schätzungen vorliegen.

          Eine zweite Gruppe von Ländern baute Währungsreserven durch Fremdwährungskäufe am Devisenmarkt mit dem Ziel auf, die Landeswährung nicht zu sehr aufwerten zu lassen. Aus dieser Quelle speisen sich unter anderem die Währungsreserven Chinas und Singapurs. Gewöhnlich versuchten diese Länder, eine Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem Dollar zu verhindern. Eine Ausnahme aus jüngerer Zeit bildete die Schweiz, die mehrere Jahre ihren Wechselkurs gegenüber dem Euro mit erheblichen Euro-käufen durch die Schweizerische Nationalbank stabilisiert hatte.

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