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Sachwerte : Der Zauber der bunten Steine

Bild: Harry Taylor (c) Dorling Kinders

Turmalin, Spinell oder Spessartin: Lange hatten Schmuckkäufer nur Augen für Diamanten. Inzwischen sind bunte Steine aus Übersee gefragt wie nie. Und oft ganz schön teuer.

          Früher gab es in der Welt der Schönen und Reichen eine ganz einfache Regel. Diamanten trug die vornehme Dame erst nach Sonnenuntergang. Farbige Edelsteine dagegen - Smaragde, Saphire oder Rubine - waren der Schmuck des Tages. „Das hat sich gewandelt“, sagt Marc Stabernack, Geschäftsführer des Juweliergeschäfts Friedrich an der Frankfurter Goethestraße, eines der ersten Häuser der Stadt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bestes Beispiel war die Hochzeit von William und Kate vor gut einer Woche: Die Großmutter des Bräutigams, immerhin die englische Königin Elisabeth II., trug eine auffällige Diamantbrosche - und das zur Mittagszeit.

          Von Rubinen und Smaragden zu Spessartinen und Turmalinen

          Umgekehrt könne man heute farbige Edelsteine zu nahezu jedem Anlass tragen, sagt der Frankfurter Juwelier. Diese neue Lockerheit habe das Edelsteingeschäft beflügelt. Zumal die Auswahl unter unzähligen Farben einem verbreiteten Wunsch nach mehr Individualität entgegenkomme: „Wer Schmuck aus farbigen Edelsteinen elegant mit seiner Garderobe abstimmt, der kann Stil beweisen.“

          Sicher ist: Es ist ein Phänomen. Farbedelsteine sind begehrt und teuer geworden. Edelsteinhändler berichten von 20 Prozent Preissteigerung innerhalb von drei Jahren - mit extremen Ausreißern bei besonders begehrten Exemplaren.

          Zugleich ist die Palette der für Schmuck verwendeten Steine breiter geworden. Klassiker wie Rubin, Smaragd oder Saphir sind immer noch gefragt. „Wenn Klarheit und Herkunft stimmen, können sie bis zu 5000 Dollar je Karat kosten“, sagt Stabernack. Im Trend seien aber auch Granatvariationen, vom grünen Tsavorit bis zum orangeroten Spessartin. Auch die Nachfrage nach Turmalinen, die es in mehr als 50 Farbnuancen gibt, sei groß. „Turmaline aus der Raraiba-Mine in Brasilien erreichen in Topqualität leicht einen Preis von 6000 Dollar je Karat.“

          Drehscheibe Idar-Oberstein

          Gefunden werden die Rohedelsteine heute meistens in Übersee. Aus Brasilien kommen viele, aber auch aus Asien, Afrika und Nordamerika. Geschliffen aber werden hochwertige Edelsteine heute wie in alter Zeit in einem kleinen Örtchen am Rande des Hunsrück in Rheinland-Pfalz - in Idar-Oberstein. „Europas Zentrum für Farbedelsteine“ nennt Jörg Lindemann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Edelstein- und Diamantindustrie, die 30 000-Einwohner-Stadt: Rund 2500 Menschen sind dort in 450 Betrieben mit der Edelstein- und Schmuckverarbeitung beschäftigt.

          Nicht nur mittelständische Juweliere wie Friedrich aus Frankfurt beziehen ihre besten Steine von dort. Auch Stars wie Tiffany, Cartier und Bulgari. In der Regel allerdings, ohne auf die Herkunft aus der Kleinstadt in Rheinland-Pfalz hinzuweisen: Der Kunde erfährt nichts von der Hunsrück-Vergangenheit seines Luxusschmucks.

          „Hier in Idar-Oberstein ziehen die Afrikaner mit Tüten voller Rohedelsteine von Haus zu Haus“, erzählt Bernd Willi Ripp, Chef der Edelsteinschleiferei Groh und Ripp, einer der ersten Adressen im Ort. Einen Teil der Rohware fürs Schleifen beziehe man bei diesen fahrenden Händlern. Die Geschäftsleute aus Idar-Oberstein seien aber auch laufend in aller Welt unterwegs, um an den Minenstandorten das Rohmaterial zu sichten. Einige hatten auch selbst schon Minen in Übersee gekauft - damit allerdings keine sehr guten Erfahrungen gemacht: „Da wird man nur beschissen.“

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