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Sachwerte : Der Zauber der bunten Steine

Der Schliff gibt erst den Schliff

In den Schleifereien erfahren die Edelsteine dann einen gewaltigen Wertzuwachs - das Geschäft ist so margenträchtig, dass es sich trotz der hohen Lohnkosten in Deutschland lohnt. „Ein Fachmann erkennt sofort, ob ein Stein in Afrika oder Asien geschliffen wurde oder in Idar-Oberstein“, sagt Rainer Pauly, dessen Firma Edelsteine zu hochwertigem Schmuck verarbeitet. Ketten und Colliers können bei ihm locker 6000 Euro kosten, aber auch mal 200.000 Euro. Wo es dafür einen Markt gibt? „Hannelore Elsner trägt Schmuck von uns“, sagt Pauly. „Auch Loki Schmidt gehörte zu unseren Kunden.“

Beim Edelsteinschleifen selbst ist vieles noch Handarbeit - nur für die Vorarbeiten werden computergestützte CNC-Maschinen eingesetzt. Der „Lapidär“, so heißt der Edelsteinschleifer, hält die Steine, die mit Kitt an einem Stab befestigt werden, an eine waagerecht laufenden Metallscheibe. Den Winkel, in dem er den Stab an die Scheibe hält, bestimmt er mit einem Brett mit schrägen Löchern. Eine uralte Technik - aber sie sorgt für eine hohe Schliffgüte und ein unverwechselbares Aussehen. Edelsteinexperte Ripp sagt: „Aus jedem Stein das Beste herauszuholen - das ist die große Kunst.“

Zu den wichtigsten Schliffen gehört etwa der glatte Schliff Cabochon (aus dem Französischen für „Nagelkopf“), bei dem die Unterseite flach und die Oberseite nach außen gewölbt ist. Und als Gegenstück der Facettenschliff, der durch eine Vielzahl kleiner glattpolierter Flächen geprägt ist - der Facetten.

Wertbeständige Anlage

Auch die geschliffenen Edelsteine, so schön sie aussehen mögen, sind allerdings noch Rohmaterial. Es gibt zwar Geldanleger, die lose Edelsteine kaufen und in den Tresor legen. „Eine Anlage in Edelsteinen ist zumindest immer wertbeständig“, sagt Dieter Hahn, der Chef einer traditionsreichen Edelsteinschleiferei. „Das ist in Zeiten wie diesen doch schon viel.“ Die meisten Edelsteine aber werden anschließend zu Schmuckstücken verarbeitet.

Einzelnen besonders schönen Stücken steht allerdings auch noch eine größere Karriere bevor. Manfred Wild, Edelstein-Künstler in Idar-Oberstein, macht aus den bunten Steinen hochkarätiges Spielzeug für Millionäre. Eine Märklin-Eisenbahn aus Gold und Edelsteinen etwa, die unlängst für eine Viertelmillion Euro an arabische Scheichs verkauft wurde. Oder ein funktionstüchtiges Karussell aus mehr als 4000 Edelsteinen und Goldteilen, das an den Hof von Brunei ging. Und auch das edelsteinbesetzte Kunstobjekt, das Queen Elizabeth zum 80. Geburtstag bekam, stammte von ihm.

Damit sind die bunten Steine dann wieder dort, wo sie in der Geschichte so oft waren: bei den Monarchen. Vermutlich macht das auch einen Teil jener Faszination von farbigen Edelsteinen aus, die so groß ist, dass sie Menschen für ein Steinchen so viel Geld ausgeben lässt wie für einen Jaguar oder eine respektable Villa: dass man damit in die Fußstapfen der Könige treten kann, die in einer längst vergangenen Zeit einmal diese Welt beherrscht haben.

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