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Auf Jahreshoch : Russlands Rubel steigt

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Die russische Währung wandelte sich in den ersten drei Monaten des Jahres vom Klassenletzten zum Primus unter den weltweiten Devisen Bild: Imago

Im vergangenen Jahr sorgten der Ölpreisverfall und die westlichen Sanktionen dafür, dass der russische Rubel im Vergleich zum Dollar und Euro deutlich an Wert verloren hatte. Zuletzt hat sich die Währung deutlich erholt.

          Die Finanz- und Devienmärkte sind immer wieder für eine Überraschung gut. Jüngstes Beispiel ist der Rubelkurs. Die russische Währung wandelte sich in den ersten drei Monaten des Jahres vom Klassenletzten zum Primus unter den weltweiten Devisen. Die Entwicklung überraschte selbst die treffsichersten Prognostiker. Der Ölpreisrückgang in die Nähe eines Sechsjahrestiefs und Zinssenkungen - eigentlich Indikatoren für einen schwächeren Rubel - wurden unter den Tisch gekehrt, während sich der erzielte Waffenstillstand in der Ukraine als die wesentliche Determinante herausstellte.

          „Keine meiner Erwartungen beim Rubel traf ein”, sagte Evgeny Shilenkov, Leiter Handel bei Veles Capital LLC in Moskau. Shilenkov hatte prognostiziert, dass sich der Rubel in dem Quartal um bis zu 3,6 Prozent abschwächen würde. „Das ist unsere neue Realität - es gibt zu viele verschiedene Faktoren, die den Rubel beeinflussen, und es gibt zu viele Elemente in der Rubel-Matrix. Der Rubel ist komplett unberechenbar.”

          Zum Ende dieser Woche setzte der Rubel nun seinen starken Erholungskurs fort und kletterte sogar auf ein neues Jahreshoch. Am Vormittag mussten für einen Dollar rund 51 Rubel gezahlt werden. Ein Euro kostete etwas mehr als 54 Rubel. Seit Anfang Februar hat der Rubel zu Dollar und Euro etwa 30 Prozent an Wert gewonnen. Das sind die mit Abstand stärksten Gewinne unter den weltweit größten Währungen. Die jetzige Erholung erklären Experten zum einen damit, dass sich die Lage im Osten der Ukraine zumindest nicht weiter verschlechtert hat. Zudem muss Russland zurzeit keine Verschärfung der vom Westen auferlegten Wirtschaftssanktionen befürchten, die die Wirtschaft des Landes stark belasten und die Inflation nach oben treiben.

          Entlastung erfährt Russland auch durch die Stabilisierung am Ölmarkt: Nach einem Einbruch von mehr als 50 Prozent seit vergangenem Sommer haben sich die Rohölpreise seit Jahresbeginn stabilisiert und zuletzt wieder leicht zugelegt. Rohöl und Gas sind die mit Abstand wichtigsten Ausfuhrgüter Russlands.Es ist jedoch nicht sicher, dass sich die jüngste Erholung fortsetzt. Zumindest den Analystenprognosen kann man in diesem Fall nicht uneingeschränkt vertrauen. Schließlich hatten sie zuletzt enorme Probleme den Rubel-Kurs vorherzusagen.

          „Währungsprognosen sind prinzipiell eine nicht gerade beneidenswerte Aufgabe”

          Dazu tragen unter anderem die Lage in der Ukraine, aber auch die Volatilität der Ölpreise bei. Die Kursschwankungen des Rubel verdeutlichen die Problematik für die Analysten. Die implizite Ein-Monats- Volatilität der Währung war am Ende des Quartals die höchste der Welt, was die Kosten für Absicherungen steigert und die Marktbewegungen schwerer voraussehbar macht. Der Rubel-Kurs hatte im vergangenen Jahr 46 Prozent eingebüßt, das war die schwächste Entwicklung unter den 31 führenden Währungen, die Bloomberg beobachtet.

          „Währungsprognosen sind prinzipiell eine nicht gerade beneidenswerte Aufgabe”, sagt Ökonom Ivan Tchakarov bei der Citigroup in Moskau, der Bloomberg-Daten zufolge unter den besten Rubel-Prognostikern den zweiten Platz einnimmt. Doch auch  Tchakarov sagte für das erste Jahresviertel eine Rubel-Abschwächung voraus: „Das Ganze wird in Zeiten exzessiver Marktturbulenzen sogar noch schwieriger, wie das bei Russland im Laufe der vergangenen paar Monate der Fall gewesen ist.”

          Der Rubel gewann im ersten Quartal 4,4 Prozent, obwohl die russische Zentralbank ihren Leitzins um insgesamt 300 Basispunkte senkte und der Brent-Ölpreis mit durchschnittlich 55,17 Dollar je Barrel 29 Prozent niedriger gehandelt wurde als im Vorquartal. Die Aufwertung der russischen Landeswährung werde sich im zweiten Quartal fortsetzen, erwartet Tatiana Orlova, Chefökonomin für Russland bei der Royal Bank of Scotland in London.

          Russische Unternehmen würden weniger Dollar kaufen müssen, sagt sie, weil der Auslandsschuldendienst etwa 42 Prozent geringer sein werde als zwischen Januar und März. Ihrer Einschätzung nach wird der Rubel bis Ende Juni um 5,1 Prozent auf 55,4 zum US-Dollar zulegen. RBS war der Bloomberg-Umfrage zufolge sechstbester Prognostiker für den Rubelkurs. Tchakarov ist anderer Meinung, basierend auf der Erwartung eines sinkenden Ölpreises. Er sieht den Rubel im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 67 gegenüber dem Dollar abwerten, da Citigroup den Höhepunkt der Ölschwemme vorhersagt und den Preis des schwarzen Goldes auf 40 Dollar fallen sieht.

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