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Energiemarkt : Russen übernehmen indischen Öl-Riesen

Eine Essar-Raffinerie im wetlichen Indien. Bild: Reuters

Es ist die größte Investition auf dem indischen Subkontinent. Zwei Schwellenländer wollen damit den Handel deutlich ausbauen.

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          Dieses Geschäft bricht gleich mehrere Rekorde: Wenn Russland mit seinen Staatsunternehmen die indische Essar-Raffinerie übernimmt, ist dies nicht nur die größte Auslandsinvestition der Russen, sondern auch die größte Übernahme in Indien. Auf 12,9 Milliarden Dollar wird der Preis für 49 Prozent an Essar Oil Ltd beziffert. Kernstück ist der Kauf von 98 Prozent der Raffinerie mit einer Produktion von 400.000 Fass (Barrel) täglich, ein Kraftwerk, sowie der Verladehafen in Vadinar. Der Industriekomplex liegt im Bundesstaat Gujarat, dem der indische Ministerpräsident Narendra Modi viele Jahre vorstand.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Russen hatten vor dem Kauf ihre Truppen gut aufgestellt: Im Mittelpunkt steht der größte staatliche Ölförderer Rosneft PJSC, ihm zur Seite ein Konsortium aus Trafigura, der drittgrößten Ölhandelsgesellschaft der Welt, und United Capital Partners. Die russische Staatsbank VTB Bank PJSC will 3,9 Milliarden Schulden von Essar refinanzieren. Rosneft trägt 3,5 Milliarden Dollar des Kaufpreises, Trafigura und der Investmentfonds dieselbe Summe für einen gleichgroßen Anteil.

          Indien seinerseits habe in Russlands Ölindustrie inzwischen 5,5 Milliarden Dollar investiert, sagte Modi. Indiens Staatsunternehmen haben die Summe investiert, um ihrerseits Anteile an Rosnefts Ölfeldern Vankor und Taas-Yuryakh zu kaufen. Angesichts seiner Wachstumsrate von offiziell mehr als 7 Prozent jährlich muss Indien seine Energielieferungen erhöhen. Im nächsten Jahr dürfte der Subkontinent Japan als drittgrößten Ölverbraucher überholen. Bis 2040 sollte Indien der größte Ölverbraucher der Welt sein, gehen die Erwartungen auf.

          „Attraktivität des indischen Energiemarktes für Ausländer“

          Essar musste verkaufen, um den eigenen Schuldenberg zu verringern. Die Einnahmen sollen nun rund die Hälfte der Schulen decken, sagte Prashant Ruia. Er und sein Bruder halten Essar. Sie leben vor allem in London, und betreiben Stahlwerke und Häfen. Bislang wurde der Schuldenstand von Essar auf rund 18 Milliarden Dollar taxiert.

          Indiens Spitzenbankerin sieht in dem Verkauf einen Beweis für die Gesundung der heimischen Industrie. Der Verkauf „belegt die Attraktivität des indischen Energiemarktes für Ausländer“, sagte Chanda Kochhar, die Chefin der ICICI Bank in Bombay (Mumbai). „Dieser Verkauf ist auch ein bedeutender Schritt auf dem Weg der Entschuldung der indischen Unternehmen“, sagte Kocchar, deren Bank mit Essar zusammenarbeitet.

          Angesichts der Ölpreiskrise haben die Förderländer begonnen, rund um die Erde Raffinerien zu kaufen, um ihr Öl vermarkten zu können. Neben Russland kauft vor allem Saudi-Arabien über seinen Staatskonzern Saudi Aramco in Ländern wie Indonesien ölverarbeitende Anlagen auf. In Amerika investiert Kuwait in Raffinerien. Rossneft hat mit Essar vereinbart, der Raffinerie über zehn Jahre 200000 Barrel Rohöl täglich zu liefern.

          Der Vertrag wurde am Rande des Treffens der großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika im indischen Goa unterzeichnet (mehr dazu in der heutigen Ausgabe der F.A.Z.). Er wurde flankiert von großen Rüstungsgeschäften zwischen Indien und Russland, die im kalten Krieg eine enge Partnerschaft hatten. Modi forderte von den Partnerländern, das geringe Handelsvolumen bis 2020 auf eine halbe Billion Dollar auszubauen.

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