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Zentralbank unter Druck : Russischer Rubel rast in den Keller

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Der Rubel verliert zunehmend an Wert. Bild: Röth, Frank

Russlands Währung steht zunehmend unter Druck. Die Ursachen sind zum Teil hausgemacht, auch die Ukraine-Krise belastet. Ausgerechnet jetzt hat die Zentralbank den Rubelkurs freigegeben. Hat sie sich damit verspekuliert?

          Der Rubel befindet sich im freien Fall. Am Montag ging es gegenüber dem amerikanischen Dollar und dem Euro um jeweils knapp 6 Prozent nach unten. Derart massive Kursverluste erinnern an den Währungsverfall während der schweren Russlandkrise, die das Land 1998 in die Zahlungsunfähigkeit stürzte. Jetzt taumelt der Rubel von einem Rekordtief zum nächsten: Zum Wochenstart mussten erstmals mehr als 50 Rubel für einen Dollar gezahlt werden. Ein Euro kostete erstmalig mehr als 65 Rubel. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Verluste zum Euro auf 30 Prozent, gegenüber dem Dollar ging es um mehr als ein Drittel bergab. Wo liegen die Gründe für den Einbruch?

          Zum einen lässt sich der Sinkflug mit den Auswirkungen der Ukraine-Krise erklären. Der Westen hat das Land mit Wirtschaftssanktionen belegt, was das seit langem schwächelnde Wachstum zusätzlich bremst. Als Reaktion auf die Strafmaßnahmen hat Russland die Einfuhr von Lebensmitteln begrenzt. Das trifft zwar auch westliche Produzenten, hat aber Nahrungsmittel in Russland spürbar verteuert. Als Folge steigt die Inflation. Mit mehr als 8 Prozent liegt sie viel höher als von der Zentralbank gewünscht.

          Zum anderen kann die Rubelschwäche mit der einseitigen Ausrichtung der russischen Wirtschaft auf Öl- und Gasexporte begründet werden. „Strukturprobleme haben bereits vor der aktuellen Krise zu einer spürbaren Wachstumsverlangsamung beigetragen“, sagt Volkswirt Georg Eder vom Versicherungskonzerns Allianz. Derzeit bewegt sich das Wachstum nur knapp über Stagnation, eine Rezession ist nicht auszuschließen. Von den hohen Wachstumsraten vor der Krise ist nichts zu sehen. „Notwendig wäre jetzt die Umsetzung einer umfangreichen wirtschaftspolitischen Reformagenda“, sagt Eder. Das Wachstumsmodell Russlands habe seine Grenzen erreicht.

          Wie hoch die Abhängigkeit Russlands von seinem Rohstoffreichtum ist, zeigt die Entwicklung der vergangenen Wochen: Die Weltwirtschaft schwimmt in Rohöl, weil die Nachfrage wegen der mauen Konjunktur schwächelt. Das Ölkartell Opec aber mag seine Produktion nicht einschränken. In der Folge brechen die Ölpreise ein. Seit diesem Sommer sind die Preise für Rohöl um 40 Prozent abgetaucht. Das trifft Russland besonders hart, das einen erheblichen Teil seiner Ausfuhrerlöse aus dem Ölexport bezieht. Brechen diese Einnahmen weg, geraten die Ölunternehmen und der Staatshaushalt unter Druck.

          Ausgerechnet jetzt hat sich die Zentralbank Russlands dazu entschlossen, den Rubelkurs freizugeben. Dieser von vielen Ökonomen im Grundsatz begrüßte Schritt könnte sich als Bumerang erweisen. Denn mit ihrer Abkehr von täglichen Interventionen zur Stabilisierung des Rubelkurses versprach die Notenbank Mitte November, falls nötig spontan am Devisenmarkt einzugreifen. An sich eine raffinierte Idee, weil Interventionen der Notenbank nun weniger gut vorhersehbar sind. Das könnte Spekulanten davon abhalten, gegen den Rubel zu wetten.

          Allerdings hat der Strategiewechsel einen entscheidenden Mangel: Bisher hat sich die Notenbank nicht gegen den Rubelverfall zur Wehr gesetzt. „Der Markt macht der Zentralbank nun eine Sache klar, und das ist: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, sagt Commerzbank-Analyst Simon Quijano-Evans. Mehrfach habe die russische Zentralbank klargestellt, dass sie sich notfalls gegen den Sinkflug des Rubels stemmen werde. „Je mehr sie dem Markt sagt, dass dies geschehen wird, ohne letztlich zu intervenieren, desto mehr gerät der Rubel unter Druck.“

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