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Russlands Zinsschritt verpufft : Der Rubel fällt ins Bodenlose

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Der Rubel hat seit Jahresbeginn 60 Prozent an Wert verloren. Bild: dpa

Der Rubel fällt und fällt. Am Dienstag setzte die russische Währung ihre Talfahrt fort und verlor bis zum Mittag zum Dollar mehr als 12 Prozent an Wert, zum Euro waren es sogar 20 Prozent. Und die Talsohle scheint noch nicht erreicht.

          Der Zinsschritt der russischen Notenbank zur Stützung des Rubel hat seine Wirkung komplett verfehlt: Die Währung Russlands profitierte am Dienstag nur kurzzeitig, bis zum Mittag lag sie wieder tief im roten Bereich. Kostete ein Dollar gegen 8 Uhr mitteleuropäischer Zeit noch mehr als 58 Rubel, so waren es zwei Stunden später schon um die 65 Rubel, gegen 12 Uhr war der Preis auf 70 Rubel gestiegen. In der Spitze war am späten Mittag ein Dollar 77 Rubel wert erreichte damit ein neues Rekordhoch. Im Tagesverlauf verlor die russische Währung zum Dollar damit 12,5 Prozent an Wert.

          Auch zum Euro geriet die russische Währung wieder massiv unter Druck. Zum Euro verlor der Rubel bis zum Dienstagnachmittag um 20 Prozent an Wert. Erstmals mussten 100 Rubel für einen Euro gezahlt werden. Seit Jahresbeginn büßte der Rubel fast 60 Prozent seines Wertes ein.

          Verluste in dieser Größenordnung hatte es schon am Montag gegeben. Die Notenbank griff in der Nacht zum Dienstag ein: In einem überraschenden Schritt erhöhte sie ihren Leitzins um 6,5 Punkte auf 17 Prozent, um die Attraktivität der heimischen Währung zu steigern. Für die ohnehin angeschlagene Konjunktur Russlands ist der Zinssprung ein Schlag, weil höhere Zinsen den privaten Verbrauch und die Investitionen der Unternehmen zusätzlich belasten dürften.

          Die Verluste des Rubel in den zurückliegenden Monaten sind gewaltig: Seit Jahresbeginn hat der Rubel mehr als die Hälfte seines Werts verloren. Wichtigste Gründe sind die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise und der Verfall der Rohölpreise. Die Wirtschaft und der Staatshaushalt Russlands sind auf hohe Einnahmen aus dem Ölexport angewiesen.

          Russlands Märkte brechen ein

          Der russische Leitindex verbuchte den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Der RTS-Interfax-Index brach bis zum frühen Dienstagnachmittag um 16,5 Prozent auf 599,7 Punkte ein. Schon am Vortag war es für den russischen Index um mehr als 10 Prozent bergab gegangen, wobei auch die anhaltenden Spekulationen über eine früher als erwartet anstehende Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten ausschlaggebend gewesen waren. Seit Ende November hat der RTS inzwischen fast 40 Prozent verloren. Seit dem Hoch im Sommer beträgt das Minus annähernd 60 Prozent.

          „Für die Zentralbank wird es schwierig, den Rubel zu stabilisieren, solange der Ölpreis weiter fällt“, sagt Wladimir Miklaschewsky, Volkswirt bei der Danske Bank. Es sehe nicht so aus, als ob der sehr aggressive Zinsschritt ausreiche. An den Märkten grassierte die Furcht vor einer Staatspleite Russlands.

          Die Absicherung eines 10 Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 109.000 auf 656.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

          Laut Händler Stefan Huber vom Broker Peregrine & Black stellen viele Anleger nun zunehmend Vergleiche her zwischen der Rubel-Krise von 1998 und der heutigen Situation, wo wie damals auch andere Schwellenländer in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

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