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Devisen : Russlands Rubel im Weihnachtshoch

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Gerade einmal 63,5 Rubel bekommt man für einen Euro. Im vergangenen Februar waren es noch 90 Rubel. Bild: dpa

Der Rubel zeigt sich zum Jahresende hin stark. Gründe dafür sind der Ölpreis, Investoreninteressen und typisch russische Gründe. Im Januar könnte das aber schon wieder anders aussehen.

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          Ungeachtet der schwachen Wirtschaftslage in Russland zeigt sich der Rubel derzeit stark. Ein Euro fiel am Donnerstag bis auf 63,50 Rubel und war damit so wenig wert wie zuletzt im Juli 2015. Im Februar erhielt man noch 90 Rubel für einen Euro. Seither ist die Gemeinschaftswährung um 30 Prozent billiger geworden.

          Auch zum Dollar notiert Russlands Währung sehr fest: Rund 61 Rubel erhalten Händler derzeit für einen Dollar, im Januar waren es bis zu 82 Rubel. Der Dollar hat den niedrigsten Stand seit einem Jahr erreicht. In den vergangenen Tagen nahm der Aufwind für den Rubel besonders zu.

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          Analysten verweisen auf einen global eher dünnen Devisenhandel vor den Weihnachtsfeiertagen, was einigen Faktoren ungewöhnlich großen Einfluss verleiht. Eine Rolle spielt der Preis für Erdöl, das wichtigste russische Exportgut. Nach der Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), zusammen mit Ländern außerhalb des Kartells eine Förderkürzung durchzusetzen, haben sich die Aussichten für Moskau aufgehellt.

          Rubel folgt dem Ölpreis

          Öl der russischen Referenzsorte Urals hat sich im Dezember um 17 Prozent verteuert. Der Rubel folgt traditionell eng dem Ölpreis, selbst wenn Russland nächstes Jahr zwar ein Ende der Rezession erwartet, aber aufgrund vieler interner Probleme kein hohes Wachstum.

          Allerdings ist das Öl nicht der einzige Grund für die Stärke des Rubels. Die Korrelation schwankt, und in den vergangenen Wochen war sie eher schwächer. Rubelkäufe durch internationale Investoren gibt es stattdessen wegen des attraktiven und stabilen Zinsniveaus: Die Zentralbank hatte im September versprochen, bis Jahresende auf Leitzinssenkungen zu verzichten – und nach der letzten Sitzung in der vergangenen Woche konkretisierte sie, dass bis zum zweiten Quartal 2017 nichts passieren könne.

          Vorteile für Anleger und russische Konzerne

          Der Zins für einwöchige Ausleihungen an Banken liegt in Russland bei 10 Prozent. Dieses Umfeld macht den Rubel attraktiv für sogenannte Carry-Trades, bei denen sich Anleger die Differenz zum niedrigen Zinsniveau der westlichen Industrieländer zunutze machen. Wichtig für die Rubelstärke sind auch interne russische Gründe. So müssen viele Konzerne Ende Dezember Steuern zahlen und wechseln dafür ihre Exporterlöse in Heimatwährung um. Zwar gibt es Steuertermine auch an anderen Zeitpunkten im Jahr, aber im Dezember wirken sich die Rubelkäufe immer signifikant aus.

          Vergangenes Jahr kauften Unternehmen im Dezember laut Sberbank Rubel für 10 Milliarden Dollar, und das in einem saisonbedingt eher illiquiden Markt. Hinzu kommt, dass der Erlös aus der Teilprivatisierung des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Rosneft in diesen Tagen an den Haushalt überwiesen wurde. Die Käufer, der qatarische Staatsfonds und der Rohstoffhändler Glencore, hatten rund 10 Milliarden Euro gezahlt, die ebenfalls in Rubel getauscht werden mussten.

          Diese Dezember-Faktoren werden allerdings im Januar verschwinden. Damit erscheint eine baldige Korrektur des Rubels möglich – ein Grund für die Gelassenheit, mit der Moskau zuletzt auf die Avancen reagierte. Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2014 war ein tendenziell erstarkender Rubel stets skeptisch aufgenommen worden, weil er eine Erholung gefährde. Sogar Rufe nach einem Eingriff der Zentralbank wurden laut. Die Währungshüter hatten den Rubelkurs im November 2014 freigegeben, als der Druck durch den fallenden Erdölpreis zu groß geworden war.

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