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Sinkender Ölpreis : Rubel rutscht auf Rekordtief gegenüber dem Dollar

  • Aktualisiert am

Immer weniger wert: Der russische Rubel. Bild: dpa

Wegen sinkender Ölpreise ist der russische Rubel auf einen historischen Tiefstand gefallen. An der Börse in Moskau mussten zeitweise 81,49 Rubel für einen Dollar gezahlt werden. Das war der tiefste Stand seit der russischen Währungsreform 1998.

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          Der Ölpreisverfall hat den russischen Rubel auf ein Rekordtief zum Dollar rutschen lassen. Am Mittwoch mussten für einen Dollar mehr als 80 Rubel gezahlt werden - der Kurs von 80,79 Rubel war der tiefste seit der russischen Währungsreform 1998. Grund ist der rapide Verfall des Ölpreises. Für Moskau ist der Verkauf von Öl und Gas die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Trotzdem sah die russische Zentralbank zunächst keinen Grund zum Eingreifen. Die finanzielle Stabilität sei nicht gefährdet, sagte Zentralbankchefin Elvira Nabiullina der Agentur Bloomberg. Die Regierung werde ihr Antikrisenprogramm angesichts der Entwicklung anpassen, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew, nannte aber keine Einzelheiten.

          1998 hatte in Russland eine schwere Finanzkrise geherrscht; die Regierung strich damals drei Nullen. Den tiefsten Stand seitdem erreichte der Rubel im Dezember 2014: Damals verkauften Investoren in Panik, der Kurs fiel schlagartig, erholte sich aber auch schnell wieder.

          Gegenüber dem Euro stand der Rubel am Mittwoch bei 88,14 - dem höchsten Stand seit Dezember 2014. Damals mussten für einen Euro 100 Rubel gezahlt werden.

          Der niedrige Rubel bedeute steigende Inflation und damit sinkende Kaufkraft für die russischen Haushalte, sagte Wirtschaftswissenschaftler Igor Nikolajew von der Unternehmensberatung FBK Grant Thornton. Die Bevölkerung verarme.

          Für die russische Wirtschaft bedeute die Entwicklung einen weiteren Rückgang der Investitionen. „Die wirtschaftliche Lage ist instabil und ungewiss“, sagte Nikolajew.

          „Kein Programm und keinen Plan“

          Der Internationale Währungsfonds hatte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Russland erst am Dienstag abgesenkt. Er rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen wird - nach einem Minus von fast vier Prozent 2015. Neben dem Preisverfall beim Öl machen dem Land die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen des Westens zu schaffen.

          Die Regierung in Moskau hat die Bevölkerung bereits auf Einschnitte eingeschworen. Präsident Wladimir Putin sagte am Mittwoch vor Unternehmern, die letzten beiden Jahre seien „für alle Branchen“ schwierig gewesen.

          Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die Regierung habe „kein Programm und keinen Plan“ für einen Ausweg aus der Krise. „Alles, was man uns sagt, soll uns beruhigen, aber es geschieht wenig, damit das auch passiert.“ Das Land sei in einer „ernsten Lage“.

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