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Rohstoffzertifikate : Deutsche Anleger meiden Rohstoffe

Ölpumpe in Bahrein Bild: AP

Die Hausse der Rohstoffpreise geht an den meisten deutschen Anlegern spurlos vorüber. In kaum einem Depot befinden sich Öl, Gold oder Weizen. Dabei gibt es viele Partizipationsmöglichkeiten, die Anleger im Detail betrachtet sollten.

          Der Ölpreis hat sich in diesem Jahr verdoppelt. Den Deutschen fällt dies in erster Linie negativ beim Tanken oder in ihrer Heizkostenabrechnung auf, kaum aber positiv in ihren Depots.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Rohstoffe spielen in ihrer Geldanlage keine nennenswerte Rolle. Eine umfassende Statistik dazu gibt es zwar nicht, nimmt man aber die Daten des Fondsbranchenverbandes BVI und des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) zusammen, ergibt sich allenfalls ein Anlagevolumen von rund 6 Milliarden Euro. Angesichts der 4,4 Billionen Euro, die die Deutsche Bundesbank Ende 2008 als das Geldvermögen der Deutschen ermittelte, ist das eine fast zu vernachlässigende Größe.

          Rohstoffanlagen: Vorteile gegen Nachteile und Risiken

          Die Nachrichten über steigende Rohstoffnotierungen - die Preise für Blei und Kupfer haben sich dieses Jahr bereits mehr als verdoppelt - wecken zwar das Interesse der Anleger. So haben nach jüngsten Umfragen rund ein Drittel der Anleger Interesse an Rohstoffen als Geldanlage bekundet, in den Depots kommt davon aber letztlich kaum etwas an. Für den Rohstoffbesitz gibt es keine Dividende und auch keine Zinszahlungen. Der Anleger setzt also ausschließlich auf die Knappheit des Gutes und damit einen steigenden Preis. Zudem haben Rohstoffe für die Geldanlage einen weiteren Nachteil: viele lassen sich schlichtweg nicht effizient physisch lagern.

          Die Finanzbranche hat jedoch längst eine Reihe von Vehikeln geschaffen, mittels derer die Anleger ihr Depot über festverzinsliche Wertpapiere und Aktien hinaus, auf Rohstoffe ausdehnen könnten. Das wohl erfolgreichste Produkt am Markt ist ein Fonds der Deutschen Bank (Isin LU0216467174) mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. Dieser Commodity Euro Fonds investiert breit gestreut in Öl, Industriemetalle und Agrarrohstoffe. Seit der Auflegung des Fonds im Jahr 2005 stieg der Wert eines Anteils zunächst von 100 auf rund 280 Euro im Sommer 2008, fiel dann im Frühjahr auf 120 Euro zurück und notiert nun bei etwa 170 Euro. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 1,2 Prozent. Ebenfalls ein Markterfolg ist das Produkt Xetra Gold der Deutschen Börse (Isin DE000A0S9GB0). Ein Anteilsschein ist so viel Wert wie ein Gramm Gold - aktuell gut 22 Euro. Die Papiere sind mit physischem Gold hinterlegt. Mehr als 30 Tonnen Gold lagert die Deutsche Börse wegen des großen Anlegerinteresses mittlerweile in Frankfurt - ein Wert von mehr als 700 Millionen Euro. Wer möchte, kann sich sein Gold ausliefern lassen. Das kostet derzeit etwa 290 Euro für ein Kilogramm Gold an Gebühr.

          Terminmärkte sind komplexer als oft angenommen

          Neben Gold ist Öl der einzige Rohstoff, in den Anleger in nennenswertem Umfang investieren. Da allerdings kaum jemand im eigenen Keller Ölfässer lagern möchte, erfolgt die Geldanlage über Terminkontrakte, welche die Lieferung des Rohstoffs einer bestimmten Menge samt Zeitpunkt und Preis festlegt. Damit die tatsächliche Lieferung aber nicht erfolgt, muss der Terminkontrakt verkauft und ein anderer - weiter in die Zukunft reichender - gekauft werden. Hierbei entstehen Rolleffekte, die die Rendite des Anlegers oftmals mindern, aber auch erhöhen können. Ähnliche Widrigkeiten gibt es für den Anleger auch bei den anderen physisch nicht effizient lagerbaren Rohstoffen wie zum Beispiel den Agrarrohstoffen. Zwar gibt es zahlreiche Versuche der Finanzbranche, Produkte zu entwickeln, die Rolleffekte minimieren, allerdings sind diese mit mitunter deutlich höheren Gebühren für den Anleger verbunden. Außerdem werden die meisten Rohstoffe in Dollar gehandelt, es gibt somit auch Währungseffekte.

          Gleichwohl konnten mit Rohstoffprodukten im Jahresverlauf hohe Renditen erzielt werden. Neben breit gestreuten Rohstofffonds gibt es einige Indizes, die die gesamte Rohstoffpalette oder einzelne Rohstoffklassen umfassen. Außerdem existieren zahlreiche Zertifikate und ihnen oftmals sehr ähnliche Exchange Traded Commodities (ETCs) auf praktisch alle Rohstoffe.

          Das breiteste Angebot von Aluminium, über Lebendrind und Orangensaft bis Zucker bieten die Royal Bank of Scotland und Goldman Sachs. So hat zum Beispiel das Zertifikat von Goldman Sachs auf den Bleipreis (Isin DE000GS0HH65) seinen Wert seit Jahresbeginn von 6 auf 15 Euro erhöht, ein Kupfer-Zertifikat der Royal Bank of Scotland (Isin NL0000212934) von 30 auf 64 Euro. Der älteste der größeren Rohstoffindizes, der CRB-Index von Reuters und Jefferies stieg in dieser Zeit von 230 auf 250 Punkte, wobei jeder Rohstoff sein Eigenleben führt: der Preis für ein Mais-Zertifikat ist in dieser Zeit zum Beispiel gefallen.

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