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Rohstoffpreise : Mars warnt vor teuren Schokoriegeln

Mars warnt davor, dass eine stärkere Regulierung des Derivatemarkts Rohstoffe wie Kakao verteuern könnte. Bild: AFP

Eine neue EU-Richtlinie könnte Rohstoffe deutlich teurer machen. Nun gibt es eine ungewöhnliche Allianz, sie reicht vom Schokoriegelhersteller bis zu Ölmultis.

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          Was für eine bemerkenswerte Allianz: Der Schokoriegelhersteller Mars tritt Hand in Hand mit einer Reihe Energiekonzerne – darunter die Ölmultis Shell und BP, aber auch Eon und RWE – sowie dem Rohstoffhändler Vitol gegen die Europäische Kommission an. Unisono warnen sie in einem Brief, welcher der „Financial Times“ vorliegt, vor teureren Rohstoffpreisen. Der Grund für den Brandbrief ist der finale Entwurf einer neuen Richtlinie, der „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz Mifid 2. Sie soll die systemischen Risiken verschiedener Märkte verringern, darunter eben auch die des Rohstoffmarkts. Dagegen warnen die Unternehmen, dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen könne: So soll sich wegen der Richtlinie gleichzeitig die Volatilität erhöhen und die Liquidität verringern. Damit würde der Markt wesentlich riskanter werden, und Preisausschläge würden an der Tagesordnung stehen. Doch warum genau sollten nun Schokoriegel teurer werden?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Große Lebensmittelkonzerne sichern sich generell gegen Ernteausfälle oder große Preisschwankungen ab. Dazu kaufen sie im großen Stil Zucker, Kakao, Getreide und andere Grundstoffe ein. Doch sie kaufen sie nicht wirklich physisch und lagern sie dann in irgendwelchen Lagerhäusern. Sie erwerben Derivate, die ihnen verschiedene Rechte einräumen können: zum Beispiel den Bezug einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt, um eine bessere Kostenkontrolle zu haben. Auch Swapgeschäfte, zum Beispiel jeden Monat eine feste Menge zu beziehen und dafür einen gewissen Preis zu zahlen, gehören dazu. Zu guter Letzt auch noch Termingeschäfte, also wenn ein Vertragspartner zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gewisse Menge an Rohstoffen abnimmt, aber nur, wenn zum Beispiel der Preis eine gewisse Marke nicht überschreitet oder eine gewisse Marke unterschritten hat. Das machen im Übrigen nicht nur Lebensmittelkonzerne, sondern auch Ölkonzerne. Das ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum Benzinpreise nicht im selben Maße schwanken, fallen und steigen, wie es die Ölpreise tun.

          Derivategeschäfte glätten Preise

          Alle diese Derivategeschäfte haben eines gemeinsam: Sie sind spekulativ. Sie können aber nicht nur den Unternehmen, sondern auch der Wirtschaft und den Konsumenten helfen. Denn so werden die Preise geglättet und helfen bei der Kalkulation. Ohne diese preisglättende Wirkung würde Chaos herrschen, im Supermarkt wie auf den Weltmärkten. Darum gibt es auch für Händler und Verkäufer noch Ausnahmen von den strengen Vorschriften für Finanzmarktgeschäfte.

          Mit Mifid 2 soll der Derivatemarkt nun härter reguliert und die Ausnahmen gestrichen werden. Käufer und Verkäufer werden damit gezwungen, mehr Kapital zurückzuhalten, um ihre Bilanzen auszugleichen. Mehr Kapital vorzuhalten kostet wiederum Geld, was die Produkte verteuern könnte, so die Argumentation der Konzerne. „Zu keiner Zeit hat der Rohstoffsektor eine direkte oder indirekte Unterstützung der Regierung gebraucht“, heißt es in dem Brief.

          Wird der Zeitplan eingehalten, möchte die Kommission die neuen Regelungen im September des laufenden Jahres verabschieden, ab dem Jahr 2017 würden sie dann gelten.

          Auf dem Rohstoffmarkt gibt es immer mal wieder Rufe nach mehr Regulierung, auch weil dieser schon oft zumindest Tricksereien ausgesetzt war. So schipperte zu Anfang des Jahres eine Ölflotte über das Meer, um das Öl dann später wieder mit Gewinn zu verkaufen. Besonders trickreich stellte sich Goldman Sachs an: Die Bank kaufte 2010 den Lagerhausspezialisten Metro International. Durch die Lagerhäuser des Unternehmens geht etwa ein Viertel des amerikanischen Aluminiums. Allerdings wuchs die Wartezeit von etwa sechs Wochen auf bis zu 16 Monate. Goldman Sachs kassiert für jeden zusätzlichen Tag Lagergebühren – die Kosten wurden dann an die Endverbraucher weitergegeben. Auch für die Agrarmärkte gibt es immer wieder Rufe, die Geschäfte von Banken einzudämmen.

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