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Rohstoffpapiere : Anleger setzen auf Gold

  • -Aktualisiert am

Goldbarren Bild: dpa

Finanzprodukte, die mit dem Edelmetall hinterlegt sind, erhalten immer höhere Zuflüsse. Rohstoffanalyst Eugen Weinberg ist davon überzeugt, dass die Goldpreise weiter zulegen werden.

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          In Zeiten der Schuldenkrise und einer wachsenden Verunsicherung der Anleger setzen Investoren weiter auf das Edelmetall Gold: Die Zuflüsse in börsengehandelte Rohstoffpapiere, die mit Gold hinterlegt sind, legen zu. Dies berichtet ETF Securities, einer der größten Anbieter von börsennotierten Rohstoffprodukten in Europa. So erhielt das Unternehmen dieses Jahr Nettomittelzuflüsse von mehr als einer Milliarde Dollar in seinen physisch hinterlegten Gold-ETC. Das Kürzel ETC steht für Exchange Traded Commodities. Das sind Wertpapiere, die Anlegern eine Partizipation an Rohstoffpreisen erlauben und in vielen Fällen mit dem jeweiligen Rohstoff hinterlegt sind. Allein in der vergangenenWoche haben Investoren laut ETF Securities 350 Millionen Dollar in ihren physisch mit Gold hinterlegten ETC angelegt.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Blick auf die Schuldenkrise, die Debatte um das Auseinanderbrechen des Euroraums sowie die schleppende wirtschaftliche Erholung in den Industriestaaten lassen viele Anleger zu Gold greifen. Zwar liefert das Edelmetall generell keine Zinsen, „doch es bietet Schutz vor einem Werteverlust in Krisenzeiten“, sagt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. „Trotz einer zuletzt etwas schwächeren Goldbarrennachfrage und einer höheren Goldproduktion kann sich der Goldpreis gut halten.“ Das Edelmetall kostete am Mittwoch 1614 Dollar je Feinunze (je 31,1 Gramm). In Euro gerechnet waren es 1307 Euro.

          Immer weniger Gold in den Minen

          Analyst Weinberg ist davon überzeugt, dass die Goldpreise weiter zulegen werden, „allerdings ist Gold nichts für Renditejäger, sondern diejenigen Anleger, die einen langfristigen Kapitalschutz suchen“. Mit anderen Rohstoffen wie Platin und Palladium würden in kurzer Zeit wohl höhere Kurssteigerungen erzielt, doch Gold habe langfristig Vorteile - zumal auch viele Notenbanken in den vergangenen zwei Jahren stetig Gold zugekauft haben, um ihre Devisenanlagern zu diversifizieren. Allein im letzten Jahr haben die Zentralbanken rund 15 Prozent der weltweiten Goldminenproduktion netto aufgekauft, das sind etwa 400 Tonnen Gold. Noch vor einem Jahrzehnt verkauften sie jährlich genau so viel, rechnet Weinberg vor. Derweil erwarten viele Anleger wegen der lockeren Geldpolitik der Notenbanken, dass die Inflation steigen könnte und Gold an Attraktivität gewinnt.

          Der Fondsanbieter Earth Investment Group (ERIG) nennt ein weiteres Argument, welches die Goldpreise unterstützen sollte: So werde es immer teurer, eine Feinunze Gold aus der Erde zu holen. Die Gesamtproduktionskosten - also inklusive Förderkosten, Kapitalkosten und Explorationskosten - seien in den vergangenen zehn Jahren rasant gestiegen. Im Jahr 2002 mussten die Minenunternehmen durchschnittlich etwa 250 Dollar in die Hand nehmen, um eine Feinunze Gold zu fördern. Heute sind es 1383 Dollar, das ist ein Anstieg von mehr als 500 Prozent. „Wir können nicht exakt voraussagen, wie hoch der Goldpreis 2015 sein wird. Wir sind aber sicher, dass er nicht unter den Gesamtkosten liegen wird“, sagt Joachim Berlenbach, Geologe und ERIG-Fondsmanager. Ein Grund für die steigenden Kosten sei zudem, dass in den Minen immer weniger Gold je Tonne im Gestein zu finden ist. Mittlerweile ist es pro Tonne Gestein etwa 1,1 Gramm. Im Jahr 1980 war es mit 2,32 Gramm noch mehr als doppelt so viel.

          In den vergangenen zwölf Monaten habe das Edelmetall Gold allerdings auch etwas von seinem klassischen Ruf als Krisenwährung eingebüßt, so Commerzbank-Analyst Weinberg. „Gold handelte eher wie andere risikoreiche Geldanlagen, also wie Aktien und andere Rohstoffe.“ Doch nun hätten sich die spekulativ orientierten Anleger am Goldmarkt zurückgezogen, dies habe die Preise zwar kurzfristig gedrückt, längerfristig jedoch den Markt „bereinigt“.

          Für Anleger aus dem Euroraum hat sich eine Goldanlage besonders gelohnt: Während der Goldpreis in Euro gerechnet seit Juli 2011 um etwa 25 Prozent zugelegt hat, ist Gold in Dollar um 6 Prozent teurer geworden. Das liegt daran, dass der Euro zum Dollar in diesem Zeitraum deutlich abgewertet hat.

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