https://www.faz.net/-gv6-80f1e

Rohstoffmarkt : Der total verrückte Goldpreis

Der Preis schwankt: Goldbarren aus dem Bestand der Bundesbank. Bild: Reuters

Seit Anfang des Jahres schwankt der Goldpreis stark. Viele Analysten raten trotzdem zum Kauf. Haben sie damit recht?

          Es gibt Regeln, die in der Welt der Geldanlage als unumstößlich galten. Einer dieser Grundsätze lautet: Gold ist ein Krisenmetall, wie es in der Sprache der Finanzmärkte heißt. Was bedeutet: In jeder Krise, die die Weltgeschichte zuverlässig hervorbringt, steigt der Preis kräftig an.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die ersten beiden Monate des Jahres 2015 wären darum wie gemacht gewesen für ein deutliches Plus beim Goldpreis. Die Terroranschläge in Europa, der Krieg in der Ukraine und die ständige Sorge um Griechenland waren eigentlich genügend Gründe, um die Anleger nervös zu machen. Tatsächlich überstieg der Goldpreis kurzzeitig die Marke von 1300 Dollar je Feinunze (eine Feinunze entspricht einem Gewicht von rund 31 Gramm). Doch in den vergangenen Tagen ist er wieder auf einen Wert von rund 1200 Dollar zurückgefallen – dabei ist bei keiner dieser Krisen eine Lösung in Sicht.

          Einen derart turbulenten Jahresauftakt, ein solch starkes Auf und Ab, hatten dennoch nur die wenigsten Experten erwartet. Viele Anleger hat das Hin und Her verwirrt. Sie wollen wissen: Bieten die aktuellen Schwankungen eine Einstiegschance, oder ist es in unruhigen Zeiten doch besser, die Finger von Gold zu lassen?

          Analysten bleiben positiv gestimmt

          Dies ist heute mehr denn je eine Glaubensfrage. Bei der Beurteilung von Gold neigen nicht wenige Fachleute zu Extrempositionen: Manager großer Minenunternehmen wie Mark Bristow von Randgold Resources können sich einen Preis von weniger als 1000 Dollar ohne weiteres vorstellen, andere dagegen erwarten angesichts der ständigen Krisen in der Welt in nicht allzu ferner Zukunft gar einen Goldpreis von mehr als 2000 Dollar. Blickt man auf die Analysten, die eher zu ausgeglicheneren Einschätzungen neigen, zeigt sich: Viele sind für die Entwicklung des Goldpreises positiv gestimmt und erwarten bis zum Jahresende ein leichtes Plus. Doch haben sie recht?

          Zweifelsfrei lässt sich dies natürlich nicht beantworten. Bei so mancher Einschätzung drängt sich jedoch der Eindruck auf: Hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg geht beispielsweise davon aus, dass in den kommenden Wochen eine vermehrte Nachfrage aus Indien und China den Goldpreis weiter nach oben treiben sollte. Nun zählen beide Länder in der Tat zu den wichtigsten Goldkäufern der Welt.

          Anleger kaufen Gold trotz niedriger Inflationserwartung

          Doch viel stärker als diese hat in jüngster Zeit stets das Handeln der Zentralbanken die Entwicklung des Goldpreises beeinflusst. Und hier steht aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jahresmitte eine große Veränderung an. Dann nämlich, so die allgemeine Erwartung, könnte die amerikanische Notenbank Fed die Zeit der Nullzinsen beenden und den Leitzins erhöhen. Für alle Goldfans ist dies eine schlechte Nachricht. Denn Gold bringt keine Zinsen ein und verliert damit bei steigenden Leitzinsen im Vergleich zu anderen Anlagearten wie Anleihen an Attraktivität.

          Nun könnte man einwenden: Da die Europäische Zentralbank im Gegensatz zur Fed entschlossen ist, an einem Leitzins nahe null festzuhalten, müsste dieser Unterschied zu einem weiteren Anstieg des Dollar gegenüber dem Euro führen. Davon würde aus Sicht eines Euro-Anlegers auch der Goldpreis profitieren, der weltweit in Dollar gemessen wird. Doch so gut dies auch klingt: Hinter dieser Überlegung steckt eine reine Wechselkursspekulation, die mit Gold an sich nichts zu tun hat.

          Eher skeptisch stimmt mit Blick auf die Goldpreisentwicklung dagegen ein anderes Argument. Von Inflation ist weltweit nichts zu sehen, dabei kaufen viele Anleger Gold ja vor allem, um sich vor Geldentwertung zu schützen. In Deutschland beispielsweise sind die Preise im Februar im Vergleich zum Vorjahr um gerade einmal 0,1 Prozent gestiegen, im Januar war die Inflationsrate in Deutschland und im Euroraum sogar negativ. Bei aller Hoffnung der Analysten sieht es darum nicht nach einer starken Erholung des Goldpreises aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.