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Rohstoffmarkt : China sorgt für kurzen Höhenflug des Goldes

War zuletzt deutlich weniger wert: Gold. Bild: dpa

Seit drei Jahren kannte der Goldpreis nur eine Richtung: abwärts. Viele haben sich vom Gold als „sicherem Hafen“ verabschiedet. Plötzlich steigt der Preis. Ein kurzes Intermezzo oder dreht sich der Wind?

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          Anleger, die in Gold investiert haben, hatten in den vergangenen drei Jahren nicht viel zu lachen: Der Goldpreis kannte, mit gewissen Schwankungen, nur eine Richtung: abwärts. Selbst schwere Krisen in der Welt, vom Ukraine-Konflikt über die Syrien-Krise bis hin zu Diskussionen über einen Euroaustritt Griechenlands, ließen Gold kaum teurer werden. Um so erstaunlicher ist es, dass der Goldpreis in dieser Woche mit den beunruhigenden Nachrichten aus China etwas zulegte - bevor es am Donnerstag, als sich die Stimmung wieder ein wenig beruhigte, eine Gegenbewegung gab. Hatte der Kurs am Montag noch bei 1090 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gelegen, so stieg er bis zur Wochenmitte auf 1125 Dollar: Kein dramatischer Anstieg - angesichts des Preisverfalls vorher, aber doch bemerkenswert.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Übernimmt Gold also doch wieder die Rolle eines „sicheren Hafens“? Viele Fachleute hatten dem Gold diese Rolle seit längerem abgesprochen. Unter anderem die Tatsache, dass der Goldpreis nicht gestiegen war, wenn die Preise anderer Wertpapiere fielen, hatte die Zweifel verstärkt, ob das Gold geeignet sei, in solchen Phasen Verluste auszugleichen. Den Nachteil, dass Gold keine Zinsen bringt, hatte es seit jeher gegeben; die Erfahrung aber, dass sein Preis über so lange Zeit fiel und fiel, hatte die Zahl seiner Anhänger weiter zusammenschrumpfen lassen.

          Das Kölner Bankhaus Oppenheim, als Tochtergesellschaft der Deutschen Bank spezialisiert auf vermögende Kunden, hatte vergangene Woche sogar offiziell erklärt, sich vom Gold als Anlage-Gegenstand ganz grundsätzlich zu verabschieden. Und ausgerechnet da steigt der Preis. Eugen Weinberg, der Gold-Experte der Commerzbank, meint: „Der Test, ob Gold noch ein sicherer Hafen ist, steht noch aus.“ Immerhin hält er es für möglich, dass Gold jetzt „sein Tief markiert“ habe, die Talfahrt also nicht mehr weitergehe. Damit gehört er allerdings zu den absoluten Optimisten in der Branche. Seine Grundtheorie: Der Goldpreis ist immer abhängig von Gier und Angst der Menschen. „Wenn die Zinsen steigen, werden die Menschen gierig und wollen mehr Rendite sehen, das ist schlecht für das Gold. Wenn dagegen die Aktienmärkte fallen, nimmt die Angst zu, dann steigt der Goldpreis in der Regel.“

          Dollar und Franken sind das neue Gold, doch auch sie schwächeln

          Für den Anstieg des Goldpreises in dieser Woche nennt er drei Gründe: Erstens sei die chinesische Zentralbank mit der Abwertung des Yuan mit in einen globalen Abwertungswettlauf eingestiegen. Anleger, die Angst vor Verlusten hätten, suchten deshalb nach Anlagen in Ländern, in denen sich die Zentralbank zurückhält - oder nach Anlagen, für die es keine Zentralbank gibt, wie eben Gold. Zweitens werde an den Märkten möglicherweise darauf spekuliert, dass die Menschen in China versuchen, den Kaufkraftverlusten durch die Abwertung ihrer Währung auszuweichen, indem sie selbst in Gold investieren. Und drittens könnten die Turbulenzen in China ein Grund für Amerika sein, die Zinsen noch nicht im September anzuheben, sondern womöglich erst im Dezember. Das würde zumindest einen weiteren Anstieg des Dollar-Kurses bremsen; und der Goldpreis entwickelt sich oft gegenläufig zum Dollarkurs.

          Der Goldpreis durchlebte in den letzten drei Jahren eine wahre Talfahrt.

          Beim Bankhaus Oppenheim jedenfalls will man die „Ohne Gold“-Strategie jetzt nicht über den Haufen werfen. „Der Preisanstieg von 2 Prozent ist angesichts der hohen Schwankungsbreite des Goldpreises nicht außergewöhnlich“, sagte Portfolio-Manager Maximilian Uleer. „Seitens der Kunden haben wir keine verstärkte Nachfrage nach Gold beobachten können.“ Er räumt allerdings ein: „Der Kurswechsel in der chinesischen Währungspolitik könnte den Goldpreisverfall bremsen, denn nach der jüngsten Abwertung des Yuan wird es der amerikanischen Notenbank schwerer fallen, durch einen Zinsanstieg die eigene Währung aktiv aufzuwerten. Der Zinsschritt wird sich also möglicherweise etwas verzögern.“ Einen „nachhaltig steigenden Goldpreis“ erwarte Oppenheim gleichwohl nicht. „Ein späterer Zinsanstieg würde den Goldpreisverfall lediglich verzögern.“

          Für die Bank sei daher Gold kein sicherer Hafen. Wer Angst vor hoher Inflation habe, sei mit einer inflationsindexierten Bundesanleihe wesentlich besser beraten. „Um auch in Phasen negativer Marktbewegungen positive Erträge zu erwirtschaften, haben wir beispielsweise den Anteil von Absolute Return Fonds in unseren Portfolios deutlich erhöht.“ Auch beim Bankhaus Metzler ist man sehr skeptisch, ob Gold eine gute Absicherung für das eigene Depot gegen Turbulenzen ist. Die Bank hält für diese Funktion die „Qualitätswerte“ unter den deutschen und europäischen Aktien für geeigneter - und nennt als Beispiel die BASF-Aktie. An den Finanzmärkten gelten seit längerer Zeit auch der Dollar und der Franken als „sichere Häfen“. In dieser Woche konnten jedoch weder Franken noch Dollar (zumindest gegenüber dem Euro) von den Sorgen um China profitieren.

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          Beim Dollar mögen die Spekulationen um eine Verschiebung der Zinserhöhung eine Rolle gespielt haben. Bei der schwachen Entwicklung des Franken wird der nachlassende Druck aus der Eurozone, als deren Fluchtwährung der Franken bisweilen fungiert, als Grund genannt - außerdem die schwächere wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz. Für die Bundesanleihen, die für Anleger ebenfalls bisweilen den Charakter eines „sicheren Hafens“ haben, war die Entwicklung der Kurse in dieser Woche sehr ähnlich wie beim Gold. Als die Sorgen um China zu Beginn der Woche zunahmen, stiegen die Kurse der richtungweisenden Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, und im Gegenzug sank die Rendite. Am Donnerstag, als sich alles etwas entspannte, gab es eine Gegenbewegung - zehnjährige Bundesanleihen rentierten sechs Basispunkte höher bei 0,66 Prozent.

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