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Rohstoffmarkt : Anleger setzen auf steigende Preise

  • -Aktualisiert am

Die Kältewelle in Osteuropa könnte das Weizen-Angebot verknappen Bild: dapd

Verbesserte Konjunkturaussichten und die Geldpolitik der Notenbanken sorgen dafür, dass Anleger ihr Engagement am Rohstoffmarkt erhöhen. Die Risikobereitschaft der Investoren steigt wie lange nicht mehr.

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          Spekulativ orientierte Finanzanleger wie Hedgefonds haben ihre Wetten auf steigende Preise an den Rohstoffmärkten so stark ausgebaut wie seit fünf Monaten nicht mehr. Dies geht aus Daten der amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC hervor. Demnach haben diese Anleger in der Woche bis zum 14. Februar ihre Netto-Long-Positionen in 18 Rohstoffen, die in den Vereinigten Staaten gehandelt werden, um 2,9 Prozent auf 956.313 Kontrakte erhöht. Dabei legten die Wetten auf höhere Ölpreise um 14 Prozent zu, für Nischenmärkte wie Sojabohnen sogar um 29 Prozent. Neuere Daten sind noch nicht verfügbar. Außerdem rangiert der Rohstoffindex GSCI, der die Preise von 24 Rohstoffen abbildet, auf einem Sechsmonatshoch. Allerdings ist dieser Index auch stark energielastig.

          Die amerikanischen Daten zeigen nur einen Ausschnitt am Rohstoffmarkt, doch deuten sie auf wichtige Trends im Anlegerverhalten hin. Die verbesserten Konjunkturaussichten sowie die lockere Geldpolitik der Notenbanken sorgen dafür, dass Anleger ihr Engagement am Rohstoffmarkt erhöhen. Diese Anlageklasse ist deutlich risikoreicher als zum Beispiel der Aktienmarkt und zeigt in der Regel starke Schwankungen. Es sind nicht nur Großinvestoren wie Hedgefonds und Banken, die Kapital in Rohstoffe anlegen. Auch Privatanleger können über Fonds und Zertifikate auf die Preiseentwicklung von Öl, Weizen und anderen Rohstoffe setzen.

          Versorgungsengpässe im Ölmarkt

          Nach Einschätzung der Rohstoffanalysten der Commerzbank sind viele Anleger bereit, größere Risiken einzugehen. Davon profitierten die Rohstoffmärkte: „Die erwartete Einigung der EU-Finanzminister auf weitere Hilfen für Griechenland und die Senkung des Mindestreservesatzes für Banken in China sind ein solides Hintergrundrauschen für die Finanzmärkte“, schreiben die Analysten in einem Bericht. „Wir führen die Rally bei Aktien und Rohstoffen nicht nur auf die besseren Wirtschaftsaussichten, sondern vielmehr auf die immense Liquidität zurück, die auch weiter unterstützend wirkt.“

          So klettert der Preis für Öl, den wichtigsten börsengehandelten Rohstoff. Europäisches Öl der Sorte Brent ist mit Preisen von mehr als 120 Dollar je Fass (159 Liter) inzwischen so teuer wie seit neun Monaten nicht mehr. Das macht auch Benzin und Heizöl hierzulande teurer. Amerikanisches Öl der Sorte WTI kostet rund 105 Dollar je Fass. Der Preisabstand zwischen Brent und WTI hängt damit zusammen, dass es am wichtigsten Umschlagplatz für WTI im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten ein großes Ölangebot gibt. Gleichzeitig ist Brentöl in Asien sehr gefragt. Der Konflikt mit dem ölreichen Iran erhöht zudem die Sorgen wegen Versorgungsengpässen im Ölmarkt. Während ab Juli ein EU-Importstopp für iranisches Öl gilt, ist Iran bestrebt, mehr Öl an Länder wie China und Indien zu liefern. China habe in den vergangenen Monaten zusätzlich 200.000 Barrel Öl am Tag aus Iran gekauft, meldet die Internationale Energieagentur.

           Rohstoffe verteuern sich wieder
          Rohstoffe verteuern sich wieder : Bild: F.A.Z.

          Auch Industriemetalle verteuern sich, der Zinn-Preis liegt seit Anfang des Jahres mit rund 22 Prozent im Plus. Der Kupferpreis, der an der London Metal Exchange seit den Höchstständen Anfang Februar um rund 6 Prozent nachgegeben hatte, stieg zu Beginn der Woche wieder. Anleger gehen von einer steigenden Nachfrage aus. Hintergrund ist, dass China als weltgrößter Kupferverbraucher abermals die Geldpolitik lockern will. Der Mindestreservesatz der Geschäftsbanken soll zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten gesenkt werden. Bei der Commerzbank heißt es, dass „die Finanzanleger bei Kupfer allerdings zurzeit etwas zu euphorisch sind“. Ihre Wetten auf steigende Preise wurden die fünfte Woche in Folge ausgeweitet. Und damit werde der Kupferpreis „anfällig für Korrekturen“.

          Die Deutsche Bank hingegen hatte in der vergangenen Woche ihre Preisprognosen für Industriemetalle um durchschnittlich 14 Prozent erhöht. In den kommenden Monaten sei mit einem erheblichen Anstieg der Lagerbestände in China und Europa zu rechnen. Auch viele Agrarrohstoffe verteuerten sich, inklusive Weizen. Die Kältewelle in Europa hatte die Befürchtung gesteigert, die nächste Weizenernte in Osteuropa könne geringer ausfallen und das Angebot verknappen.

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