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Rohstoffmärkte : Zucker, Reis, Gold, Silber und Äthanol gefragt

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Bild: dpa

Die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und die Korrektur an den Börsen führe auch an den Rohstoffmärkten zu einer Entspannung bei der Preisentwicklung, heißt es gemeinhin. Allerdings findet die vielfach auf hohem absolutem Preisniveau statt.

          Die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und die Korrektur an den Börsen führe auch an den Rohstoffmärkten zu einer Entspannung bei der Preisentwicklung, heißt es gemeinhin.

          Sie werde dazu führen, dass die Inflationsraten in den kommenden Monaten fallen würden. Das werde dazu beitragen, dass sich die konjunkturelle Entwicklung stabilisieren könne. Schließlich seien die Zentralbanken zumindest in den Industriestaaten nicht genötigt, geldpolitisch restriktiver zu werden.

          Inflationsraten können auch fallen, wenn Preise nur robust hoch bleiben

          Solche Argumente sind allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn die Rohstoffpreise sind in den vergangenen Monaten zwar nicht weiter gestiegen. Allerdings verharren sie, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie etwa Baumwolle, weiterhin auf vergleichweise hohen Niveaus. Das führt dazu, dass die Preisveränderungsraten zwar fallen mögen, da immer öfter hohen Preise mit hohen Preisen im vergangenen Jahr verglichen werden.

          Allerdings müssen Konsumenten und Unternehmen weiterhin hohe Beträge für den Kauf von Rohstoffen ausgeben und damit fließt ein größerer Teil der real verfügbaren Kaufkraft in diesen Bereich als in der Vergangenheit. Sie fehlt an anderen Orten, sofern die Einkommen nicht steigen. Gerade in wirtschaftlich schwachen Staaten wie etwa Großbritannien oder Amerika ist das jedoch nicht der Fall, während die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zusätzlich durch notwendige Sparmaßnahmen auf staatlicher Seite und durch den allmählichen Abbau überzogener Privatschulden gedämpft wird.

          Unter diesen Rahmenbedingungen würden die Energie- und Rohstoffpreise unter normalen Umständen aufgrund der nachlassen Nachfrage stärker zurückfallen. Aber nachdem sie in den vergangenen Monaten gestiegen waren, weil die Zentralbanken in aller Welt - allen voran die amerikanische - ihre Geldschleusen unglaublich weit geöffnet haben, so bleiben sie nun hoch, weil das Misstrauen in die Lösungsfähigkeit der Politik abgenommen hat und weil man gemeinhin auf weitere geldpolitische Impulse hofft.

          Geldpolitische Expansion wird zum Bumerang

          Die geldpolitischen Strategien werden in diesem Sinne zum Bumerang, weil sie der Realwirtschaft kaum etwas bringen und weil sie durch die hohen Preise die Kaufkraft der Konsumenten schrumpfen lassen. Vermögenseffekte, wie sie die amerikanische Zentralbank anstrebt, verpuffen weitgehend, weil die Vermögen zu einseitig verteilt sind, um zu einem Wohlstandgewinn führen zu können.

          Auf dieser Basis kann es kaum verwundern, dass in den vergangenen Wochen mit Zucker, Reis und Äthanol neben Gold und Silber primär die Preise jener Rohstoffe gestiegen sind, deren Märkte nicht frei sind, sondern die willkürlichen administrativen Zwängen unterliegen. So wurde der Zucker in Europa zuletzt teuer, weil er künstlich verknappt wurde, während der Weltmarkt vergleichsweise gut versorgt ist. Der Reispreis ist hoch, weil sich in den Vereinigten Staaten die Trockenheit bemerbar macht, während Thailand angedeutet hat, die Exporte begrenzen zu wollen.

          Die Preise von Gold und Silber dagegen steigen, weil sich angesichts der verschiedenen Schuldenkrisen in den Industriestaaten, den wenig überzeugenden politischen Lösungsansätzen und vor allem auch den unkonventionell-unberechenbaren Maßnahmen der Zentralbanken viele Anleger knappe, scheinbar unverwüstliche und insgesamt knappe Realgüter in ihre Depots legen wollen. Ob ihre Rechnungen langfristig aufgeht, ist eine andere Frage.

          Auf der anderen Seite ist die spekulative Luft aus dem Baumwollmarkt und bei den Industriemetallen zumindest in Ansätzen entwichen. Immerhin zeichnen sie sich vielfach durch eine überaus gute Versorgungslage, hohe Lagerbestände und bei abnehmender konjunktureller Dynamik durch nachlassende Nachfrage aus. Weitere Preisrückgänge wären nur logisch.

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