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Rohstoffmärkte : Gold und Silber werden deutlich teurer

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Bild: FAZ.NET

Die Preise von Gold und Silber steigen an den Terminmärkten deutlich und setzen ihre Aufwärtstrends fort, besonders dynamisch in Euro. Der Preisauftrieb bei Edelmetallen geht auf die zunehmende Nachfrage ängstlicher Anleger zurück.

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          Während es an den Börsen nach der Kursrally vom Montag aufgrund latenter Zweifel an der Wirksamkeit der von der Europäischen Union vorgeschlagenen Rettungsschirms für finanzschwache Eurostaaten zu einer Konsolidierung kommt, steigen die Preise von Gold und Silber an den Terminmärkten deutlich und setzen ihre Aufwärtstrends fort.

          Der Goldpreis legte am Dienstag um 2,5 Prozent zu auf bis zu 1.235 Dollar je Feinunze. Am Mittwoch liegt er nach deutlichem Auftrieb in den vergangenen Wochen auf dem Rekordniveau von 973 Euro je Feinunze zu.

          Gold- und Silberpreise bewegen sich in Euro dynamisch nach oben

          Während der Goldpreis in Dollar die Preis- und Kurskonsolidierung der vergangenen Wochen überwunden hat, befindet er sich gegen den Euro in einer parabolischen Beschleunigung nach oben. Sie erklärt sich aus der Grundnachfrage einerseits sowie aus der vor etwa einem halben Jahr einsetzenden Korrekturbewegung des Euro gegen die amerikanische Währung.

          Der Silberpreis legte am Dienstag sogar noch deutlicher zu. Er lag nach einem Tagesplus von vier Prozent bei 19,194 Dollar je Feinunze beziehungsweise bei 15,26 Euro je Feinunze und kann diese Zuwächse auch am Mittwoch im frühen Geschäft halten. Auch hier wurde die jüngste charttechnische Konsolidierung in Dollar mit einem Ausbruch nach oben abgeschlossen, während die Preisbewegung in Euro an Dynamik nach oben gewinnt.

          Insgesamt geht der Preisauftrieb bei Edelmetallen auf die zunehmende Nachfrage der Anleger zurück. Sowohl Institutionelle als auch Privatanleger legen sich wegen der tiefen Zinsen und vor allem auch aus Misstrauen gegenüber den geldpolitischen Strategien der großen Zentralbanken der Welt physische Güter oder Anrechte darauf in ihre Depots. Sie leiten ihre Skepsis aus der gewaltigen Ausdehnung der Zentralbankbilanzen in den vergangenen Monaten ab. Sie führten in der Vergangenheit mittel- und längerfristig regelmäßig zu inflationären Entwicklungen.

          Die Anleger wurden am vergangenen Wochenende in ihrer Überzeugung frisch bestärkt, nachdem die europäische Union einen Rettungsschirm für klamme europäische Staaten „aufspannte“. Die dazu notwendigen Mittel will sie an den Kreditmärkten aufnehmen. Auf diese Weise würde der Kreditkaskade, die die verschiedenen Staaten in den vergangenen Jahren mit immer neuen Rekordschulden aufgebaut hatten, eine neue Krone aufgesetzt. Längst verstärken sich die Zweifel, ob sich die Verbindlichkeiten jemals zurückzahlen lassen werden. Gerade das Beispiel Griechenland machte klar, wie rasch und deutlich die Situation außer Kontrolle gerade und nicht mehr finanzierbar werden kann.

          Skeptische Anleger sorgen für Bewegung

          Immer mehr kritische Anleger und Skeptiker fürchten, nur noch eine inflationäre Entwicklung könne zumindest auf dem Papier zu einer Erleichterung führen. Sie blicken dabei nicht nur kritisch auf die japanische, die britische und amerikanische Zentralbank, die längst die Druckerpressen angeworfen haben, um die Staatsschulden zu refinanzieren. Sondern nun scheint auch noch die bisher so standhafte Europäische Zentralbank alle bisher so „heiligen“ Grundsätze über Bord geworfen zu haben. Sie verfolge nun im Kern eine ähnliche Strategie wie die amerikanische, so die Befürchtungen. Genau das scheint die Sorgen der Skeptiker weiter zu schüren und die Nachfrage nach den Edelmetallen Gold und Silber weiter zu steigern.

          Die Aufwärtsbewegung der Preise mag sich noch beschleunigen. Immerhin gibt es Berichte, nach welchen viele strukturierte Produkte nicht zu Genüge mit physischen Metallen unterlegt seien. Sollten entsprechende Anbieter in einem immer euphorischer werdenden Umfeld kaufen müssen, wäre eine Entwicklung denkbar, wie sie vor Monaten bei Volkswagen zu beobachten gewesen war. Sollte die globale Liquidität dagegen schrumpfen - aus welchen Gründen auch immer -, könnten deutliche Rückschläge nicht überraschen. Der Goldmarkt ist grundsätzlich vergleichsweise eng. Er wird durch Angebots- oder Nachfrageschübe leicht bewegt.

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