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Rohstoffmärkte : Die Korrektur geht weiter

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Bild: Bloomberg

Rasch sinkende Preise bei Energie- und Rohstoffkontrakten kommen für viele Anleger überraschend, nachdem sie sich in den vergangenen Monaten an den dynamischen Auftrieb gewöhnt hatten. An den Märkten gibt es jedoch keine Einbahnstrassen.

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          Rasch und deutlich sinkende Preise bei Energie- und Rohstoffkontrakte kommen für viele Anleger und Beobachter überraschend, nachdem sie sich in den vergangenen Monaten an deutlich steigende Preise gewöhnt hatten.

          Während der Preisauftrieb immer wieder mit zunehmender Verknappung bei steigender Nachfrage begründet und nicht zuletzt auf die extremen geldpolitischen Strategien der Zentralbanken in weiten Teilen der Welt zurückgeführt wurden, sorgen die Preisrückschläge nun für allerlei Verschwörungstheorien und seltsame Berichte.

          Systematische Handelsmodelle sorgen für seltsame Preisbewegungen

          In Marktberichten wird naiv erklärt wird, sinkende Ölpreise belasteten die Aktienkurse an den Börsen, während normalerweise das Gegenteil der Fall sein müsste. Obwohl sich in der Vergangenheit ein Zusammenhang zwischen immer mehr offenen Kontrakten an den Terminbörsen und stark steigenden Rohstoffpreisen herstellen ließ, sollen die dafür verantwortlichen Händler erst jetzt den Markt beeinflussen, da die Kurse fallen. Vorher hatten sie angeblich keinerlei Einfluss.

          Bild: Bloomberg

          In Beobachterkreisen wird von den „Algos“ gesprochen. Damit sind Marktteilnehmer gemeint, die automatische, Computer gesteuerte Handelsmodelle einsetzen, welche mit Algorithmen arbeiten, die wiederum Trends entdecken und unabhängig von allen fundamentalen Gegebenheiten auf sie wetten - sei es nach unten oder nach oben. Andere versuchen scheinbare Preisunterschiede zwischen verschiedenen Vermögensklassen oder statistische Korrelationen auszunutzen. Wertet der Dollar zum Beispiel im Verhältnis zum Euro auf, dann gehen diese Modelle davon aus, dass der Preis von Erdöl fallen müsse. Entgegen aller Logik, nach welcher fallende Energie- und Rohstoffpreise zu sinkenden Kosten bei Unternehmen und einer geringeren Belastung der Verbraucher führen müssten, seien sinkende Rohstoffpreise in der Regel auch ein Signal für eine Korrektur am Aktienmarkt, heißt es immer wieder.

          Entsprechende Preis- und Kursbewegungen waren in den vergangenen Monaten immer wieder zu beobachten. Zunehmender Risikoappetit führte gleichzeitig zu steigenden Aktienkursen, steigenden Renditen an den Rentenmärkten, teureren Rohstoffen und einer Abwertung des Dollars im Verhältnis zu den meisten anderen Währungen. Gab es dagegen Grund zu Sorgen, kehrten sich die Verhältnisse innerhalb kürzester Zeit um: In kürzester Zeit sank der Preis für Silber um 35 Prozent, der für Öl auf sehr hohem Niveau um 15 Prozent, während der Euro um fünf Prozent abwertete. Rasch wechselnde Kursbewegungen dieser Art wurden umso intensiver, je größer die Anteile der Handelstransaktionen waren, die an den Börsen von elektronischen Handelssystemen ausgelöst wurden. Sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten dominieren sie längst den Handel.

          „Flash-Crash“ zeigte die Risiken überdeutlich auf

          Ihre Wirkung ließ sich am sechsten Mai des vergangenen Jahres überdeutlich erkennen. Denn damals waren Algorithmen dieser Art außer Kontrolle geraten und hatten für den so genannten „Flash-Crash“ an der amerikanischen Börse gesorgt (siehe auch: Interview: „Wie ein Hackerangriff auf die Börse“). Während die gegenwärtige Kurs- und Preiskorrektur sich einerseits mit verhaltenen volkswirtschaftlichen Aussichten in den Vereinigten Staaten und China und dem absehbaren Ende der extremen Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank erklären lassen kann, sind auch technische Ursachen denkbar. Denn in den vergangenen Wochen wurden im börslichen und außerbörslichen Terminhandel vielfach die Kapitalanforderung für entsprechende Transaktionen erhöht. Sollten die Händler ihre Handelsmodelle mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen, währen sie oft nicht mehr profitabel

          Sie würden gezwungen, ihre Positionen zu reduzieren. Dieser Prozess würde zu weiteren Preiseinbußen an den Terminmärkten und indirekt dort zu disinflationären Prozessen führen, wo man bisher mit den extremen Energie- und Rohstoffpreisen der vergangenen Wochen im positiven Sinne gerechnet hatte. Zum Beispiel bei der hohen Bewertung von Energie- und Rohstoffunternehmen. Dagegen würden jene Bereiche profitieren, die bisher die hohen Kosten tragen mussten.

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