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Rohstoffmärkte : Die Blase dehnt sich weiter

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Bild: WGC

Der Goldpreis hat am Dienstag einen neuen Rekordpreis in Euro erreicht. Dafür werden zahlreiche Begründungen kolportiert. Tatsächlich aber scheint vor allem immer mehr Geld in die engen Rohstoffmärkte zu fließen.

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          Verkehrte Welt am Goldmarkt: Wurde Gold in den vergangenen Jahren vor allem wegen des schwachen Dollar und der Sorgen über mögliche inflationäre Gefahren, die von hohen Geldmengen ausgehen sollen, immer teurer, so erreicht der Goldpreis am Dienstag mit bis zu 818 Euro je Unze gegen die europäische Einheitswährung Rekordpreise.

          Der Preis des Edelmetalls setzt damit den Aufwärtstrend fort, denn er im Jahr 2005 etablierte. Auch in Dollar wird Gold wieder teurer und kann am Dienstag wieder die Marke von 1100 Dollar je Feinunze überwinden. Der Goldpreis ist sowohl in Dollar als auch in Euro innerhalb einer Woche über 4 Prozent gestiegen.

          Mit vielen Faktoren lässt sich ein hoher Goldpreis begründen

          Gründe für den Goldpreisanstieg lassen sich viele anführen. Sie beginnen bei den tiefen Zinsen, die Anleger in gewissem Sinne enteignen und in alle nur denkbaren Anlageformen spekulativen Charakters zwingen. Der ultimative Grund für den Kauf von Edelmetallen und Rohstoffen lässt sich jedoch aus der weltweit starken Verschuldung der Konsumenten, der Schuldenorgien der Staaten und der Vermutung ableiten, diese Verbindlichkeiten könnten im Rahmen des üblichen Wirtschaftswachstums nicht mehr bedient oder auch nur zurückgezahlt werden, sondern nur noch durch eine Inflationierung beseitigt werden.

          Da immer mehr Anleger Geld in enge Märkte investieren, steht eine immer größere Nachfrage einem begrenzten Angebot gegenüber. Das führt zu einer Eigendynamik: steigende Preise lösen frische Nachfrage aus. Auf diese Weise entstehen Trends und halten länger als vielfach erwartet. Es mag zwar skeptisch stimmen, dass der weltgrößte Gold-ETF, der SPDR Gold Trust, derzeit keine Zuflüsse verzeichnet. Auf der anderen Seite gibt es viele Fonds dieser Art.

          Manche Rohstoffpreise steigen, obwohl der Markt bestens versorgt ist

          Die Anzahl der ausstehenden Goldfondsanteile von ETF Securities hat nach einer massiven Zwischenkorrektur während der Liquiditätskrise der vergangenen Monate wieder zugenommen. Die Bestände des ETFS Physical Silver erreichten zuletzt einen historischen Höchststand von mehr als 25 Millionen Unzen. Weltweit sind nach Angaben der Fondsgesellschaft fast 34 Millionen Unzen hinterlegt. Sie erreichen damit fast wieder das Rekordhoch vom vergangenen Dezember und liegen rund zweieinhalbmal so hoch wie die früheren Höchststände während des Rohstoffbooms in der ersten Hälfte des Jahres 2008.

          Solche Investitionen bergen allerdings ein Risiko. Denn der Preistrend kann sich ändern. Dann werden viele Anleger versuchen, gleichzeitig Kasse zu machen. Entsprechend groß fällt dann der Preisrückschlag aus.

          Tatsächlich hat sich die Preisentwicklung an vielen Energie- und Rohstoffmärkten von der realwirtschaftlichen Nachfrage abgekoppelt. Das zeigt sich unter anderem am Beispiel von Aluminium. Der Preis des Industriemetalls ist in den vergangenen Monaten im Trend deutlich gestiegen, obwohl der Markt deutlich überversorgt ist und die Lagerbestände der Terminbörsen zunehmen.

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