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Rohstoffhandel : Hausse bei Seltenen Erden

  • -Aktualisiert am

China drosselt Exporte von Seltenen Erden: Verschiffung im Hafen Lianyungang Bild: AFP

Chinas Exportbeschränkungen bereiten der Industrie Sorgen und lassen spekulative Investoren frohlocken. Die Aktienkurse schießen nach oben. Der Westen muss jetzt die eigenen Reserven anzapfen. Und der Bedarf dürfte noch bis 2015 steigen.

          Das Außenministerium Chinas hat am Donnerstag seine scharfen Exportbeschränkungen für Seltene Erden gegenüber Kritik aus Amerika verteidigt. Mit Überraschung hatten Rohstoffmärkte auf die Entscheidung Pekings reagiert, die Exportquote Seltener Erden für 31 in- und ausländisch beeinflusste Unternehmen für das erste Halbjahr 2011 auf 14.446 Tonnen zu drosseln. Im ersten Halbjahr 2010 waren noch 22.283 Tonnen dieser Metalle aus China exportiert worden.

          Die Aktienkurse westlicher Produzenten und Projektgesellschaften im Bereich Seltener Erden stiegen daher am Mittwoch und Donnerstag rasant an: Der Kurs der kanadischen Avalon Rare Metals schoss um 44 Prozent auf 6,57 Kanada-Dollar. Die Aktie der australischen Arafura Resources stieg in zwei Tagen um 20 Prozent. Der Kurs der australischen Lynas, die im kommenden Jahr die Produktionsaufnahme Seltener Erden plant, schnellte in zwei Tagen um 20 Prozent auf 1,975 australische Dollar empor.

          Entscheidungen für die Umwelt

          Seit Sommer und der bereits schärferen Exportbeschränkungen für das zweite Halbjahr 2010 sind die Aktienkurse der wenigen börsennotierten Rohstoffunternehmen der Branche, zu denen auch die deutsche Holding Deutsche Rohstoff AG gehört, kometenhaft gestiegen. Anleger müssen aber berücksichtigen, dass viele der westlichen Minengesellschaften noch im Aufbau der Förderung begriffen sind, die Aktienanlage deshalb stark spekulativen Charakter hat.

          Nach Agenturberichten verteidigte am Donnerstag in Peking eine Sprecherin des Außenministeriums die Exportbeschränkungen Chinas als notwendig für die Umwelt. „Die Entscheidungen entsprechen den Vorschriften der Welthandelsorganisation“, sagte sie mit einem Seitenhieb auf Drohungen der Vereinigten Staaten, das Thema der Exportbeschränkungen werde notfalls bei der Welthandelsorganisation vorgebracht. Die Spannungen zwischen China und der westlichen Welt über das Thema Seltene Erden sind auf viele Jahre einseitiger Produktion der Metalle in China zurückzuführen.

          Ein Problem, das China lange Zeit nicht störte

          Bei den Seltenen Erden handelt es sich um 17 Metalle, die in der Regel als Beimischung in Erzen vorkommen und extrem kostspielig aus diesen gelöst werden müssen. Da die Metalle oft mit Säuren aus ihrem Erz herausgeschwemmt werden müssen und damit Giftschlamm zurückbleibt, ist die Förderung ein umwelttechnisches Problem, das China lange Zeit nicht störte, wohl aber den Westen.

          China verfügt mit 36 Millionen Tonnen über gut ein Drittel der erkundeten Seltene-Erden-Reserven auf der Welt, fördert jedoch mit 130.000 Tonnen im Jahr 97 Prozent der globalen Produktionsmenge. Produktionsstätten im Westen werden noch erforscht oder für die Produktion vorbereitet. Einige wurden angesichts höherer Produktionskosten als in China sogar wieder stillgelegt und werden nun – angesichts drastischer Preissteigerungen – mit Verve vorangetrieben. Neben den großen Vorkommen in der Mongolei gibt es Reserven in Kanada, Nordamerika, Australien, Brasilien, Indien, Russland und Vietnam. Die Metalle werden in Hybrid-Motoren, Plasma- und LCD-Bildschirmen, Energiesparlampen, Radargeräten und Polituren verwendet.

          Westen muss an eigene Reserven ran

          China drosselt den Export freilich nicht nur wegen eigener Umweltbedenken, sondern weil das Land angesichts seiner immer hochwertigeren Industrieproduktion einen immer größeren Eigenbedarf an Seltenen Erden hat. Mit den Exportbeschränkungen zwingt China den Westen nun, seine eigenen Reserven auszubeuten. China hatte Rohstoffunternehmen mit ausländischem Einfluss erlaubt, im vergangenen Jahr 16.845 Tonnen und in diesem Jahr 7746 Tonnen Seltener Erden auszuführen. Inlandsunternehmen durften im vergangenen Jahr 33.300 Tonnen und in diesem Jahr 22.513 Tonnen exportieren. Insgesamt ist der Export Chinas also von mehr als 50.000 Tonnen Seltener Erden im Jahr 2009 auf mehr als 30.000 Tonnen in diesem Jahr gefallen.

          Die für das erste Halbjahr festgelegte Exportquote von 14.446 Tonnen für Aus- und Inlandsunternehmen sagt wenig aus: Sie bedeutet zwar gegenüber dem ersten Halbjahr 2010 eine Drosselung um 35 Prozent, ist gegenüber der sehr niedrigen Ausfuhr im zweiten Halbjahr aber fast eine Verdoppelung. Wie sich Pekings Exportpolitik gestaltet, lässt sich erst im Juli mit Festlegung der Quote für das zweite Halbjahr 2011 sagen. Jedoch werden Seltene Erden sowohl in China als auch im Westen umso mehr benötigt, je hochwertiger sich die Industrieproduktion entwickelt. Der Nachfrageüberhang dürfte erst 2015 nachlassen, wenn die Produktion im Westen entsprechend gesteigert wurde.

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