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Rohstoffe : Zuckerpreis - die Korrekturphase dürfte anhalten

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Zuckerrohrfeld in Brasilien Bild: AP

Der Zuckerpreis steht unter Druck. Charttechnisch orientierte Analysten sprechen bereits von einer Baisse. Im laufenden Jahr wird eine Rekordernte erwartet. Sie soll erstmals seit zwei Jahren wieder größer als die Nachfrage ausfallen.

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          Steigende Rohstoff- und vor allem auch Energiekosten in den vergangenen Jahren sorgten nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für Konsequenzen in allen nur denkbaren Bereichen. Die Anleger wurden und sind vor allem auch von alternativen Energieträgern - und quellen fasziniert.

          So lassen sich die Kursgewinne bei Aktien der Solar- und Windenergieunternehmen ebenso erklären wie bei den Werten jener Unternehmen, die auch nur im Entferntesten etwas mit der Biogas- oder auch der Äthanol- und Biodieselproduktion zu tun haben. Denn in Zeiten hoher Preise für fossile Energieträger rechnen sich solche Aktivitäten, ob mit oder ohne staatliche Subventionen und „Beimischungsvorschriften“.

          Preisauftrieb bei Zucker gebrochen

          Während Solar- und Windenergie gewissermaßen aus dem „Off“ generiert werden können, benötigen Biogas-, Äthanol- und Biodieselhersteller entsprechenden „Input“. Auf diese Weise läßt sich erklären, daß das spekulative Interesse der Anleger in den vergangenen Monaten von Metallen zumindest zum Teil auch auf die so genannten „Soft-Commodities“ übergeschwappt ist und auch dort für Kursdynamik gesorgt hat.

          Zuckerrrohrernte in Texas

          Das zeigte sich in den Jahren 2004, 2005 und bis ins Frühjahr des laufenden Jahres hinein an der Preisentwicklung bei Zucker. An der Terminbörse in New York legte der Preis von einem Zwischentief bei 5,36 Cent je Pfund im Februar des Jahres 2004 in einem immer dynamischer werdenden Aufwärtsbewegung bis auf 19,3 Cent je Pfund am dritten Februar des laufenden Jahres zu. Das entsprach einem Kursgewinn von genau 260 Prozent in zwei Jahren. Und das kann sich im Vergleich mit vielen Aktien sehen lassen.

          Inzwischen kam es jedoch zum Bruch der sich der Vertikalen nähernden Aufwärtsbewegung und zu einer deutlichen Korrekturbewegung. Inzwischen liegt der Zuckerpreis knapp 30 Prozent unter dem jüngsten Zwischenhoch und der Trend zeigt zumindest mittelfristig weiter nach unten.

          Rekordernte im laufenden Jahr erwartet

          Auf der anderen Seite gibt es auch fundamentale Gründe, die zur Korrektur mitbeigetragen haben dürften. So wird sich in den kommenden Monaten das globale Wachstum sehr wahrscheinlich abschwächen, da in den Vereinigten Staaten die erhöhten Zinsen ihren Tribut fordern und da China gleichzeitig versucht, die überhitzte Wirtschaft abzukühlen. Das führt zur Vermutung, die Nachfragesituation nach Energie könnte sich generell etwas entspannen und zu einer Preiskorrektur bei fossilen Brennstoffen führen. Das könnte kurz- und mittelfristig auch die Phantasie für alternative Rohstoffe dämpfen.

          Sind dies nur Erwartungen so deutet sich am Zuckermarkt für das laufende Jahr konkret ein unerwartet starkes Angebot an. In Brasilien sollen nach Regierungsberichten mit 455 Millionen Tonnen Zuckerrohr knapp acht Prozent mehr als im vergangenen Jahr geerntet werden. Gleichzeitig scheint das zunehmende Angebot auf eine relativ schwache Nachfrage aus Rußland zu treffen, da dort fleißig die eigenen Zuckerrüben verwendet würden, heißt es von Expertenseite.

          Auch in anderen Teilen der Welt scheint die Ernte in diesem Jahr gut zu verlaufen und dafür zu sorgen, daß die Produktion erstmals seit zwei Jahren die Nachfrage wieder übertreffen wird. Auf dieser Basis dürfte der Zuckerpreis bis auf weiteres kaum Kursphantasie nach oben bieten. Vor allem dann nicht, wenn die Preise für konventionelle Energieträger nachgeben sollten.

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