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Rohstoffe : Zink ist eine relativ sichere Wette für 2006

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ThyssenKrupp, Dortmund: Anlage für feuerverzinkte Feinbleche Bild: ThyssenKrupp

Alles redet von Gold und anderen Edelmetalle. Auch vielleicht von Kupfer und Stahl. Doch auch andere Metalle sind gefragt - zum Beispiel Zink.

          3 Min.

          Geht der Rohstoffboom seinem Ende zu? Diese Frage stellt sich mittlerweile so mancher Analyst und Anleger. Seit Mitte Juni befinden sich doch eine Reihe von Terminkontrakten an der London Metal Exchange im Rückzug.

          Über zehn Prozent haben 27-Monats-Kontrakte auf Nickel abgegeben, etwa ebenso viel die 15-Monats-Kontrakte auf Blei. Zink entschloß sich dagegen um dieselbe Zeit, das Gegenteil zu tun. Zwischen März und Juli hatten die Preise rund 15 Prozent nachgegeben. Doch seitdem ist das Metall wieder deutlich teurer geworden und visiert die alten Höchststände vom März an. Gerüchten zufolge soll die jüngst begonnenen Preisrally vorerst einmal bis ins kommende Jahr hinein weitergehen.

          Nachfrage im Westen sinkt

          Das mag zunächst einmal verwundern, sieht man sich die Situation in den westlichen Industriestaaten an. Legte die Zinknachfrage in den Vereinigten Staaten und Europa im vergangenen Jahr noch knapp sechs bzw. drei Prozent zu, so ist der Bedarf in diesem Jahr deutlich auf dem Rückzug. Die Analysten der australischen Macquerie Bank etwa rechnen mit einem Schwund von 7,5 Prozent in den Vereinigten Staaten und fünf Prozent in Europa. Auch aus Japan ist nichts zu erwarten.

          Grund ist zuallererst einmal die verringerte Stahlproduktion. Denn eine der wichtigsten Verwendungen von Zink ist immer noch die Galvanisierung, bzw. die Herstellung von verzinktem Stahl. Aber da die europäische Stahlproduzenten derzeit im Mittel ihre Produktion verringern, wird auch weniger Zink benötigt. Ihren Beitrag leistet auch die amerikanische Automobilindustrie. Die Schwäche des Marktes führt auch bei diesem wichtigen Abnehmer zu weniger Bedarf an verzinkten Blechen.

          Wie fast immer ist der Schlüssel zum Weltmarkt das Reich der Mitte. 30 Prozent der Weltproduktion werden in China verbraucht. Bis einschließlich 2003 war China ein Netto-Exporteur von verarbeitetem Zink. Doch das hat sich dramatisch gewendet. Verantwortlich sind zum einen angebotsseitig wirkende Maßnahmen der Regierung, die die Umsatzsteuer-Rückerstattung auf Ausfuhren von 15 auf mittlerweile acht Prozent gesenkt hat.

          China frißt auch Zink in Mengen

          Doch ausschlaggebend ist vielmehr der Rohstoffhunger des Landes. Trotz stetig steigender Produktion in Minen und Schmelzen übertraf der Verbrauch im vergangenen Jahr erstmalig die Produktion. Abgezeichnet hat sich diese Entwicklung schon längst. Nach einer jahrelang tendenziell ausgeglichenen Handelsbilanz bei Zinkkonzentrat schlug dieses Verhältnis zugunsten der Importseite im Jahr 2001 jäh um.

          Schuld daran ist die drastische Erhöhung der einheimischen Produktion von galvanisiertem Stahl, mit deren Bedarf die Produktion der kleinen chinesischen Zinkschmelzen nicht annähernd hat Schritt halten können. 2004 stieg die Produktion um neun Prozent, die Nachfrage um knapp 22 Prozent. Naturgemäß arbeiten die chinesischen Schmelzen an einer Ausweitung der Produktion. Projekt zur Kapazitätserweiterung um 765.000 Tonnen jährlicher Produktionskapazität sind unterwegs.

          Doch es wird eine Weile dauern, bis sie verfügbar sind. Allein 300.000 Tonnen entfallen auf die Schmelze Yunnan - werden aber erst 2010 zur Verfügung stehen. Weiter 240.000 Tonnen werden erst 2007 zur Verfügung stehen, so daß die Kapazitätserweiterung, die im kommenden Jahr zur Verfügung stehen soll, lediglich 240.000 Tonnen betragen soll. Chinas Verbrauch wird für das laufende Jahr dagegen auf 2,8 Millionen Tonnen geschätzt.

          Eine relativ sichere Wette

          Hinzu kommt, daß die Produktionserweiterung sich nur bei verarbeitetem Zink bemerkbar macht. Denn auch wenn China die weltweit drittgrößten Zinkreserven zugeschrieben werden, so sind 70 Prozent davon von niedriger oder allenfalls mittlere Qualität, so daß sich der Konzentratimport nicht in demselben Ausmaß verringern sollte.

          Das britische Forschungsinstitut CRU rechnete im März 2005 noch damit, daß sich der Nachfrageüberhang auf dem Weltmarkt um 140 Prozent erhöhen dürfte. Diese Wachstumsrate soll nun niedriger ausfallen, vor allem weil die CRU die Nachfrage in den westlichen Industrienationen seinerzeit recht optimistisch eingeschätzt hatte - doch der Zinkmarkt dürfte dennoch eng bleiben und sogar wieder enger werden.

          Denn da die Zinkpreise an den Rohstoffbörsen bislang nicht so schnell gestiegen sind wie die anderer Metalle sind die Investitionen insgesamt eher zurückgeblieben. Im Gegenteil haben die Minen ihre Produktion kaum gesteigert, wohingegen die Schmelzen die Konzentratvorräte stark abgebaut haben. Auch Bergbauunternehmen rechnen in Zukunft mit guten Produzentenmärkten bei Zink. Mick Davies, Vorstandschef der britischen Xstrata, sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones, Zink bliebe angesichts anhaltend hoher Preise weiter im Blickpunkt des Interesses seines Unternehmens. Ähnlich äußerte sich Kim Robinson, Chef von Kagara Zinc. Der Ausblick für Zink dürfte aufgrund des Rückgangs der Zinkbestände und der robusten mittelfristigen Nachfrage bis weit in das Jahr 2006 hinein robust bleiben. Insofern dürfte Zink auch im kommenden Jahr eine relativ sichere Wette auf den Rohstoffmärkten sein.

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