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Rohstoffe : Weizen - die Lagerbestände gehen zurück

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Bild: FAZ.NET

Nach einem deutlichen Auftrieb im vergangenen Jahr konsolidiert der Weizenpreis seit Oktober. Kurzfristig dürfte das Angebot zunehmen. China, zweitgrößter Weizenproduzent weltweit, rechnet jedoch langfristig mit einem knappen Angebot.

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          Nach massiven Preissteigerungen von Mitte September bis Anfang Oktober des vergangenen Jahres von 375 Cents je Bushel auf bis zu 557 Cents am 10. Oktober ist der Weizenpreis an der Terminbörse in Chicago inzwischen in eine Konsolidierungsphase übergegangen.

          Ausgehend vom Zwischenhoch hat er inzwischen in einem kurzfristigen Abwärtstrend wieder etwas mehr als 20 Prozent auf zuletzt 456 Cents verloren. Das dürfte angesichts der explosiven Preisentwicklung zuvor mehr als normal sein. Denn eine vertikale Preis- oder Kursentwicklung ist mittel- und langfristig in den seltensten Fällen gerechtfertigt.

          Vor allem bei den so genannten Soft Commodities nimmt das Angebot an Produkten bei hohen Preisen in der Regelrelativ rasch zu. Das zeigt sich beim Weizen am Beispiel der Vereinigten Staaten. Hier wurden die Anbauflächen für Winterweizen in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Allerdings heißt das nicht unbedingt, dass auch die angebotene Menge zunehmen muss. Denn diese hängt letztendlich vor allem vom Witterungsverlauf während der Aufwuchsphase ab. Jedoch nimmt kurzfristig die Wahrscheinlichkeit für ein zunehmendes Angebot zu und damit jene für eine kurzfristig anhaltende Konsolidierung des Weizenpreises.

          Produktion und Nachfrage nach Weizen: Der Trend zeigt nach oben

          Das schließt jedoch nicht aus, dass sich der Preis für Weizen mittel- und langfristig nicht doch wird nach oben bewegen können. Denn in den vergangenen Jahrzehnten tendierte er real deutlich nach unten und trug auf diese Weise zu einer disinflationären Entwicklung der Weltwirtschaft bei. Hintergrund waren rasante Verbesserungen der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft, die sich durch den vermehrten Einsatz von modernen Maschinen, Pflanzenneuzüchtungen und nicht zuletzt durch die Verwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erzielen ließen. Allerdings scheint dieser Trend so langsam ausgereizt zu sein, die Dynamik nimmt ab.

          Das ist jedoch nicht alles. Denn inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen weltweit verändert. Das zeigt sich daran, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten im Trend sowohl die Produktion als auch die Nachfrage nach Getreide im Trend nach oben bewegt haben und sich praktisch auf Rekordniveau befinden. Gleichzeitig befinden sich die Lagerbestände jedoch auf dem tiefsten Niveau seit mehr als 20 Jahren.

          Dazu dürften Phänomene wie die nun schon seit Jahren anhaltende Trockenheit in Australien und die damit verbundenen Ernteausfälle ebenso beitragen wie der erstaunlich starke Rückgang der Lagerbestände Chinas in den vergangenen Jahren. Klingt das zunächst wie ein weiterer Baustein im momentan allgegenwärtigen „Chinahype“, so wird die Bedeutung dieser Entwicklung bei einem Blick auf die Zahlen deutlich: China ist nach der Europäischen Union der zweitgrößte Weizenproduzent weltweit.

          China rechnet mit einem knappen Angebot

          Diese Tatsache wird noch interessanter, wenn man eine Meldung berücksichtigt, die das Land in den vergangenen Tagen lancierte: Peking rechnet damit, dass das Weizenangebot in den kommenden 15 Jahren ungenügend ausfallen werde, da die landwirtschaftlich nutzbare Fläche deutlich und nachhaltig zurückgehe und da gleichzeitig die Nachfrage stetig zunehme. Nach Zahlen der USDA ist die angebaute Fläche in den vergangenen zehn Jahren zwischenzeitlich um bis zu knapp 30 Prozent zurückgegangen, bevor in den vergangenen Jahren wieder etwas mehr Fläche bebaut wurde.

          Hintergrund dieser Entwicklung sei die rasche Urbanisierung des Landes, die sich beim Reisanbau im Lande ähnlich bemerkbar mache. Einerseits ziehen immer mehr Leute vom Land in die Stadt und fallen so als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft aus. Andererseits wird immer mehr Land für die wachsenden Städte und die notwendige Infrastruktur verbraucht. Sollte die Fläche nicht zum Engpass werden, so könnte die Wasserversorgung mittel- und längerfristig zum Problem werden. Umweltverschmutzung und klimatische Veränderungen hinterlassen ihre Spuren.

          Dieser Sachverhalt wird inzwischen noch verstärkt durch die anhaltend hohen Energiepreise. Sie führen nicht nur zu hohen Kosten für Maschinen, Pflanzenschutz- und Düngemitteln, sondern gleichzeitig sorgt auch die hoch subventionierte, dabei aufgrund der Energiebilanz stark umstrittene Produktion von alternativen Energien auf den Äckern für Flächenkonkurrenz. Zusammen genommen dürfte das mittel- und langfristig zu steigenden Weizenpreisen führen, auch wenn kurzfristig die Konsolidierung bis zur vollständigen Bereinigung spekulativer Positionen noch etwas andauern kann.

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