https://www.faz.net/-gv6-z7yl

Rohstoffe : Von einem, der auszog, sein Gold zu verkaufen

Altgold beim Einschmelzen Bild: Reuters

Möglichkeiten gebrauchte Edelmetallgegenstände loszuwerden, gibt es viele. Dabei sind allerdings die Risiken groß, Geld zu verschenken. Die Prüfung der Einkaufspreise der Händler bringt mehr, als auf die Charts zu starren.

          4 Min.

          Das Buchenblatt wandert zurück über den Tresen. „Kann ich nicht annehmen“, sagt die vertrauenswürdige Dame, es sei nur vergoldet. Das Blatt teilt sein Schicksal mit zwei Broschen („Modeschmuck“), auch einen Ohrstecker schiebt sie hinterher.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          „Das ist Silber“, erklärt sie säuerlich, weil das der Kunde nicht selbst gemerkt hat. Der Rest sieht auf dem schwarzen Samt verloren aus: zwei alte Ringe; eine gedrehte Halskette, die sich gerade auflöst; ein Ohrring, dessen Partner auf Kreta ist. Der Schmuck wurde von den Steinen befreit, die könnte man womöglich noch brauchen. Und es liegt dort das Ergebnis der jüngsten Sitzung beim Zahnarzt, eine drei Jahrzehnte alte Brücke. „Für alles zusammen gebe ich Ihnen 238 Euro, die können Sie gleich mitnehmen“.

          Der Juwelier am Wohnort ist eine gute Anlaufstelle

          Das ist ja auch schon was. Der Goldpreis steigt seit einem Jahrzehnt, und wer in einer notleidenden Branche sein Geld verdienen muss, schielt derzeit auf das Geschmeide, das die Gattin ohnehin nicht mehr trägt. Zuvor hat die Dame im Hinterzimmer ausgiebig geprüft und dann den Besucher gelobt, dass er zu ihr gekommen ist, weil der Juwelier am Wohnort die richtige Anlaufstelle sei für alle, die Gold zu verkaufen hätten. Der habe nämlich seinen guten Namen zu verlieren, im Gegensatz zu den fliegenden Händlern, die derzeit überall mit Bargeld lockten. Es folgt die Belehrung, dass der Aufdruck der Brosche trügt: „Wenn Sie Modeschmuck in Südeuropa kaufen, kann der Stempel darauf sich auch nur auf die Vergoldung beziehen“.

          Da lernt man etwas dazu. Die zwei alten Armreifen mit Stempel 585 aus dem Nachlass der vermögenden Tante bekommt der Juwelier trotzdem nicht, obwohl die feine Dame am Tresen 690 Euro geben wollte. Der Aufdruck bestätigt den Goldanteil in Promille, also 58,5 Prozent von 57 Gramm. Bis auf Zahngold, dessen Anteil (bis zu 75 Prozent) geschätzt werden muss, lässt sich so leicht errechnen, was der Händler für ein Gramm bietet. Wer in der Lage ist, zwischen Euro je Kilogramm und Dollar je Unze (eine Feinunze hat 31,1 Gramm) zu unterscheiden, kann die Preise vergleichen. Weil das Gold erst in der Scheideanstalt von den anderen Metallen getrennt werden muss, gibt es gegenüber Feingold (99,9 Prozent) einen Abschlag.

          Was der Juwelier im Taunusstädchen zu geben bereit wäre, ist kläglich. Das zeigt ein Blick ins Internet, Stichwort „Goldpreis“. Viele Händler schreiben dort ihre Ankaufspreise aus, in Euro je Gramm mit Stempel 333, 585 oder 750. Sie werden ständig aktualisiert. An diesem Tag liegen die Preise zwischen 16,50 und 18,50 Euro. Der Juwelier hätte etwa 14 Euro gegeben. Der Nachteil des Internetgeschäfts: Das Altgold muss irgendwie zum Abnehmer kommen. Dort wird geprüft, dann erst gibt es ein konkretes Angebot. Die Kosten des hoffentlich versicherten Transports im Wert von einigen tausend Euro trägt mal der Händler, mal der Kunde. „Bitte wählen Sie eine neutrale Verpackung und schreiben Sie auf keinen Fall ,Gold‘ darauf“. Beruhigend ist die Anweisung nicht.

          Wer sein Edelmetall nicht aus der Hand geben möchte, ohne Geld dafür zu sehen, sucht deshalb jenen, der in der Umgebung am meisten bietet. In größeren Städten haben manche Goldhändler aus dem Internet Filialen.

          Weitere Themen

          Die Bauzinsen steigen etwas

          Haus finanzieren : Die Bauzinsen steigen etwas

          Die Zinsen für Baudarlehen legen nach langer Zeit mal wieder etwas zu. Das ist eine Folge der jüngsten Bewegungen an den Finanzmärkten. Was heißt das für die Immobilienpreise?

          Topmeldungen

          Markenzeichen der Greensill Bank in Bremen auf einem Foto aus dem Jahr 2019

          Greensill Bank : Der tückische Lockruf hoher Zinsen

          Kommunen und Anleger bangen nach der Schließung der Bremer Greensill Bank um ihre Einlagen. Die meisten haben sich wohl allein durch hohe Zinsen locken lassen. Es ist gut, dass die Verantwortung für den Sparerschutz nicht allein beim Staat liegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.