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Rohstoffe : Verfall des Baltic Dry Index ist kein gutes Signal für die Weltwirtschaft

  • Aktualisiert am

Bild: Lombard Street Research

Der Baltic Dry Index gilt als wichtiger konjunktureller Frühindex. Deshalb ist der jüngste Enbruch des Frachtratenindex weder ein gutes Signal für den Rohstoffsektor noch für die weiteren Aussichten der Weltwirtschaft.

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          Der Baltic Dry Index für weltweite Schifffrachtkosten fiel alleine im vergangenen Monat um 46 Prozent (siehe Grafiken). Die Nachfrage nach CapeSize-Frachtern, die überwiegend Eisenerz nach China verschiffen, brach sogar um 60 Prozent ein. Wobei das zur wieder sinkenden Stahlproduktion passt, wofür Eisenerz benötigt wird. Und auch der Preis für den Supertanker VLCC fiel von 73.000 US-Dollar im vergangenen Monat auf unter 30.000 pro Tag.

          Insgesamt ist der Baltic Dry Index zuletzt an 28 Handelstagen hintereinander gefallen. Das ist die längste Verlustserie seit mehr als sechs Jahren. Für den Rohstoffsektor aber auch für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft ist das kein gutes Omen. Gilt der von der Baltic Exchange in London berechnete Baltic Dry Index, der ein Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten ist, doch als wichtiger konjunktureller Frühindikator.

          Ein ernstzunehmender konjunktureller Frühindikator

          Dazu muss man wissen, dass der Baltic Dry Index wie bei Wikepedia erläutert, die Verschiffungskosten von Rohstoffen ermittelt. Und weil diese eine Vorstufe der Produktion sind, misst der Index das Volumen des Welthandels auf der Anfangsstufe. Außerdem werden über 90 Prozent des Welthandels, fast 95 Prozent des Außenhandels der Europäischen Union und nahezu 70 Prozent des deutschen Im- und Exports über den Seeweg abgewickelt. Je größer die Anzahl der zu verschiffenden Güter ist, desto größer ist die Nachfrage und desto höher der Verschiffungspreis. Eine Aufwärtsbewegung des Baltic Dry Index signalisiert einen Anstieg des globalen Handels, eine Abwärtsbewegung das Gegenteil.

          Bild: Baltic Exchange, Bloomberg, Commerzbank Corporates & Markets

          Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank, kommentiert deshalb die zuletzt zu beobachtende ausgeprägte Schwäche des Baltic Dry Index wie folgt: „Diese Entwicklung ist ein Spiegelbild der aktuellen weltweiten Nachfragesituation. Sorgen über das Wachstum in China, die anhaltende Schuldenproblematik sowie die Sparmaßnahmen in Europa drücken hier auf die Stimmung.“

          Und nachdem der CRB-Rohstoffindex, der traditionell einen gewissen Gleichlauf zum Baltic Dry Index aufweist, zuletzt ebenfalls schwächelte, ergänzt Hansen mit Blick auf die weiteren Aussichten des Rohstoffsektors: „In unserem Ausblick für das 3. Quartal prognostizieren wir einen Rückgang für den Rohstoffindex. Wir fürchten, dass die Abschwächung des chinesischen Wachstums besonders die Industriemetalle und den Energiesektor treffen könnte.“

          Warnsignal auch für die Aktienmärkte

          Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Melissa Kidd, Analystin bei Lombard Street Research: Die weltweite Konjunkturerholung ist an einem Wendepunkt angelangt. Der Rückgang beim Baltic Dry Index in Verbund mit einer nachlassenden Rohstoffnachfrage aus China und weltweit schwächer werdenden Einkaufsmanagerindizes weisen auf eine weniger dynamisch werdende Erholung der Weltkonjunktur hin. Die Rohstoffpreise dürften in so einem Umfeld nur wenig Unterstützung finden.“

          Beachtet werden sollten diese Rahmendaten aber nicht nur von den Anlegern an den Rohstoffmärkten, sondern auch von den Investoren an den Aktienmärkten. Zumindest war es in der Vergangenheit so, dass sich die Börsen in Zeiten, in denen die konjunkturellen Frühindikatoren ihre Höhepunkte überschritten haben, relativ schwer getan haben.

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