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Rohstoffe : Preisverfall auf dem Diamantenmarkt

Diamant Bild: AFP

Wegen des starken Nachfrageeinbruches haben die großen Edelsteinproduzenten die Diamantenproduktion kräftig heruntergefahren. Die Diamantpreise sinken um mehr als 30 Prozent.

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          Kaum eine Nachricht hat die ebenso verschwiegene wie erfolgsverwöhnte Diamantenbranche so geschockt wie die Zahl, die Anglo American, mit 45 Prozent Haupteigner des weltgrößten Diamantenproduzenten De Beers, kürzlich verkündete: Wegen des starken Nachfrageeinbruches habe De Beers die Diamantenproduktion im ersten Quartal um 91 Prozent heruntergefahren. Von 11,8 Millionen Karat im Vorjahr sei die Förderung auf nur noch 1,1 Millionen Karat gesenkt worden, teilte Anglo American mit. Dass der Minenbetreiber zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg die Dividende strich, wurde dabei fast zur Fußnote. Auch der russische Wettbewerber Alrosa, der zweitgrößte Diamantenförderer der Welt, hat seine Produktion Analystenschätzungen zufolge um 50 bis 60 Prozent reduziert.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          De Beers muss sich beugen

          Die Unternehmen sind mit diesen Maßnahmen auf die Notbremse getreten, um den Preisverfall der edlen Steine zu stoppen. Viele Förderstätten wurden geschlossen, teilweise standen alle fünf Diamantenminen, die De Beers in Botswana gemeinsam mit der dortigen Regierung betreibt, still - um Bargeld zu sparen, wie es hieß. Früher überbrückte der Produzent De Beers, der jahrelang als Monopolist auf dem engen Diamantmarkt auftrat, Krisenzeiten, indem er das Angebot verknappte und Überschüsse aufkaufte. Doch seitdem vor allem kanadische und russische Wettbewerber dem südafrikanischen Unternehmen das Monopol streitig gemacht haben, muss auch De Beers sich den Gegebenheiten des Marktes beugen.

          Experten schätzen, dass der Markt für Rohdiamanten, der im vergangenen Jahr noch etwa 13 Milliarden Dollar schwer war, 2009 wohl nur noch ein Volumen von 9 Milliarden Dollar haben wird und dass der Markt für geschliffene Steine von 22 Milliarden Dollar auf nur noch 14 Milliarden Dollar sinken wird. In Antwerpen, dem Hauptumschlagplatz für Diamanten, ist der Export geschliffener Steine zwischen Januar und März um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, der Import um mehr als ein Drittel. Das Geschäft mit den Rohdiamanten war noch stärker betroffen: Der Export ist um fast 60 Prozent gesunken, der Import um 37 Prozent.

          Nachfrage sinkt deutlich

          Vor allem in den Vereinigten Staaten, wo etwa 40 Prozent aller Diamanten verkauft werden, ist die Nachfrage seit Herbst vergangenen Jahres eingebrochen. Und auch in den aufstrebenden Schwellenmärkten Asiens und Russland sitzt das Geld für die teuren Steine längst nicht mehr so locker wie noch vor einem Jahr. Der Branchendienst Polished Prices teilte Anfang Mai mit, dass die Diamantpreise innerhalb eines Jahres um knapp 18 Prozent gefallen seien, allein 9 Prozent seit Jahresbeginn. Im Markt kursieren jedoch auch Zahlen, dass die Diamantpreise um bis zu 35 Prozent zurückgegangen sein sollen. Dabei haben nach Aussage von Des Kilalea, Diamantanalyst von RBC Capital Markets, vor allem die hochqualitativen und die minderwertigen Steine an Wert verloren, teilweise um mehr als 50 Prozent. Relativ stabil halte sich hingegen das mittlere Preissegment, das vor allem für Verlobungs- und Brautschmuck eingesetzt werde.

          Kaum eine Branche bekommt die Wirtschaftskrise so sehr zu spüren wie die Schmuckindustrie. Sie gehörte zu den direkten Profiteuren der boomenden Finanzbranche. Wenn in London oder New York Boni ausgezahlt wurden, hatten die Juweliere Hochkonjunktur, denn einen Teil der Vergütungen investierten die Banker in eine neue Luxusuhr für sich oder ein neues Collier für die Ehefrau. Doch seit vergangenem September machen sich gerade in dieser erfolgsverwöhnten Branche die Spuren der Rezession bemerkbar. Tiffany, der weltweit zweitgrößte Anbieter von hochwertigem Schmuck, registrierte im Weihnachtsgeschäft einen Umsatzrückgang von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Luxusjuwelier Bulgari warnte für 2009 vor einem Gewinnrückgang und sprach von einem "sehr schwierigen Jahr" für die Branche.

          Minenaktien verlieren an Wert

          Die Schwierigkeiten der Industrie spiegeln sich in den Minenaktien, die seit ihren Höchstständen im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa 90 Prozent an Wert eingebüßt haben. Der Titel des Minenbetreibers Harry Winston, der an der New Yorker Börse notiert ist, sank binnen Jahresfrist von mehr als 30 Dollar auf nur noch knapp 5 Dollar. Gem Diamonds aus London ging von 12 Pfund auf nur noch 1,50 Pfund zurück, und Trans Hex aus Südafrika fiel von 1100 Rand im Mai 2008 auf nur noch 145 Rand. Langsam gibt es jedoch auch wieder einige Hoffnungsschimmer für die gebeutelte Branche.

          So teilte De Beers vor zwei Wochen mit, es gebe Zeichen für eine Markterholung, die für den Rest des Jahres andauern solle, und verkündete, die Produktion in Botswana teilweise wiederaufzunehmen. Auch Rohstoffanalyst Des Kilalea ist der Ansicht, dass die Diamantpreise nicht mehr weiter fallen würden und Minenaktien mittlerweile einen Boden gefunden hätten. Langfristig schätzt er die Aussichten für die Diamantbranche sogar äußerst positiv ein. "Wenn die Krise vorbei ist und die Menschen wieder anfangen, Schmuck zu kaufen, wird es zu einem Engpass an Rohdiamanten auf dem Weltmarkt kommen", prognostiziert der Analyst. Das wiederum führe unweigerlich zu steigenden Preisen. Auch aus China gebe es einige positive Signale, dass die Diamantnachfrage wieder anziehe. Nur wann die Krise vorbei sei, wagt auch Kilalea nicht vorauszusagen. Für den Moment rät RBC Capital Markets zumindest nicht zum Kauf einer Diamantminenaktie.

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