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Rohstoffe : Ölpreis im Banne der Geopolitik

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Der Ölpreis sorgt kaum noch für Schlagzeilen. Dabei befindet er sich auf einem hohen Niveau und geopolitische Spannungen - Stichworte: Iran und Nigeria - könnten ihn weiter nach oben treiben. Entspannungsfaktor: Saisonalität.

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          Die Preisentwicklung bei Rohstoffen sorgte in den vergangenen Jahren Schlagzeilen. Hatte sich jahrzehntelang niemand so richtig dafür interessiert, da die Preise und damit auch die Aktien vieler Unternehmen in diesem Bereich nach unten tendierten, so hat sich das inzwischen dramatisch geändert. Das zeigt sich unter anderem auch an der Entwicklung des Ölpreises.

          Denn eine global gut laufende Wirtschaft und insbesondere der Nachholbedarf in punkto Infrastrukturaufbau in den Schwellenländern führte zu einer rasch wachsenden Nachfrage nach Rohstoffen, die von einem lange Zeit investitionsmäßig vernachlässigten Sektor nur noch bedingt gesättigt werden konnte und kann. Das gilt insbesondere für das Öl.

          Ölbereich: Lange Zeit nur geringe Investitionen - kaum größere Neuentdeckungen

          Hier wurde nicht nur lange Zeit wenig investiert, sondern es wurden in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch größere neue Vorkommen entdeckt. Es wird immer schwieriger, die bestehenden noch auszubeuten. Zusammen führt das kurzfristig dazu, daß die Produktions- und Verarbeitungskapazitäten weltweit stark ausgelastet sind. So können schon kleine Störungen schnell zu einem spekulativen Preisauftrieb führen.

          Bild: seaonalcharts.com

          Das zeigt sich unter anderem am Montag. Angriffe von Rebellen auf eine Ölpipeline in Nigeria und die damit verbundene Reduktion der Ölproduktion, insbesondere aber auch die zunehmenden Spannungen um den Irak bringen den Ölpreis auf den höchsten Stand seit drei Monaten. „Beides zusammen zeigt die Verwundbarkeit der Ölversorgung weltweit bei zunehmender Nachfrage,“ sagte der Londoner Energieexperte Mike Wittner der Nachrichtenagentur Bloomberg. Geopolitische Risiken sind deswegen so bedenklich, da sie zu einer dauerhaften Reduktion des Angebots führen können, erklärt er weiter.

          Der Preis für ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent ist am Montag auf bis zu 63,18 Dollar gestiegen, nachdem Shell begonnen hat, Leute aus der Warri-Region im westlichen Nigerdelta zu evakuieren. Niger ist immerhin das sechstgrößte Mitglied der Opec, nach Produktionsmenge und lieferte bisher bis zu einer Million Barrel Öl täglich in die Vereinigten Staaten.

          Die Entwicklung im Iran könnte noch dramatischer werden. Immerhin produziert das Land etwa fünf Prozent des Weltölangebots und verfügt noch über große Reserven. In den vergangenen Monaten hat es allerdings mit seiner Atomforschung gegen die internationalen Regeln verstoßen. Immer mehr deutet auf Sanktionen hin. Sie würden nicht nur Investitionen im Ölbereich verhindern, sondern möglicherweise sogar die Lieferung des Landes unterbrechen. Auf diese Weise würden sich die Produktionskapazitäten weiter reduzieren und die Ölversorgungslage prekärer werden lassen.

          Kritische Geopolitik - leichte Entspannung von saisonaler Seite

          Auf der anderen Seite zeigte der Ölpreis in den vergangenen Monaten gewisse Konsolidierungstendenzen, die aufgrund einer gewissen Saisonalität und der ausgeprägt positiven Stimmung antizyklisch kurzfristig noch etwas anhalten könnten. Auf der anderen Seite können solchen „kurzfristigen Strömungen“ schnell von den geopolitischen Ereignissen überlagert werden. Denn sollte es zu Sanktionen oder gar zu militärischen Aktionen kommen, dürfte eine Eskalation nicht ausgeschlossen sein. Immerhin haben inzwischen nicht nur die westlichen Staaten ein starkes Interesse an den Ölvorräten der Region, sondern auch „Newcomer“ wie China und Indien.
          Insgesamt scheint es bei Öl nach wie vor deutliche Preisrisiken nach oben zu geben. Im Moment scheint das die Börsen zwar nicht zu stören, aber das kann sich schnell ändern. In diesem Sinne dürfte es interessant, auf die Unternehmen der Branche zu setzen. Zum Beispiel über in Indexzertifikat oder einen Indexfonds wie den Dow Jones Stoxx 600 Oil & GasEx von Indexchange. Absicherungsstrategien dürften sich im Falle eine wirtschaftlichen Abschwächung empfehlen, denn dann dürfte bei den Rohstoffen eine unter Umständen deutliche Korrektur wahrscheinlich sein.

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