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Rohstoffe : Noch ein Nachsommer für Aluminium

  • Aktualisiert am

Bild: London Metal Exchange

Rohstoffe sind die Story der vergangenen Jahre. Doch viele schöne Geschichten nehmen ein Ende. Aluminium scheinen noch ein paar gute Monate vorzubestehen, bevor man dann besser auf Shorts setzt.

          3 Min.

          Rohstoffe sind die Story der vergangenen Jahre. Die Begründung ist immer dieselbe: Der Hunger der Schwellenländer wie China und Indien nach Rohstoffen. Das betrifft vor allem Rohstoffe, bei denen die Nachfrageentwicklung so eng an das Wachstum der industriellen Produktion gekoppelt ist wie Aluminium.

          Seit Ende der 90er Jahre ist der Aluminiumbedarf in Asien, vor allem in China stark gewachsen. Mittlerweile macht die chinesische Nachfrage allein rund 20 Prozent des Weltmarktes aus, fast ebenso viel wie der jeweilige Bedarf der Vereinigten Staaten und Europas. Das hat von Ende August 2003 bis März 2005 die Preise des Rohstoffs um gut 50 Prozent in die Höhe getrieben. Kupfer hingegen legte im selben Zeitraum rund 70 Prozent zu, Blei und Nickel um 100 Prozent.

          China ist nicht nur rohstoffhungrig

          Auch ist der Aluminiumpreis seitdem deutlich um 15 Prozent eingebrochen und hat sich erst in den letzten Wochen wieder etwas erholt. Der Grund ist darin zu suchen, daß es sich bei Aluminium um einen verarbeitungsintensiven Rohstoff handelt, der vor allem unter hohem Energieaufwand (rund ein Drittel der Kosten) aus Bauxit (einem Gemenge aus Tonerdemineralen) gewonnen wird.

          Das in Bauxit als Verbindung enthaltene Aluminium ist dasjenige Metall, das mit acht Prozent des Gesamtgewichts in der Erdkruste am häufigsten vorkommt. Das bedeutet, daß das Rohmaterial nicht der Engpaß in der Herstellung ist, sondern die -gewinnung. Der starke Preisanstieg als Reaktion auf den ursprünglich wachsenden Nachfrageüberhang bei Aluminium hat darum Länder wie China bewogen, ihre Produktion stark auszuweiten, mit der Folge, daß das Land in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres seine Aluminiumexporte um 31 Prozent steigerte und die Aluminiumpreise unter Druck gerieten.

          Westproduzenten schrumpfen

          In letzter Zeit jedoch mehren sich die Anzeichen, daß das Angebot wieder zurückgeht. Schuld sind dabei zum einen die hohen Strompreise. So wird der norwegische Hersteller Norsk Hydro nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Energieversorger Vattenfall Europe jetzt die Aluminiumwerke in Hamburg und Stade schließen. Auch die australische Aluminiumindustrie klagt in letzter Zeit über einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

          In den nächsten fünf Jahren, so zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones Experten, werde ein Fünftel der Aluminium-Kapazität aus Westeuropa verschwinden. Nach Darstellung des Beratungsunternehmens für die Metall- und Bergbaubranche CRU Strategies müßten 20 Aluminiumhütten ihre Energielieferungsverträge bis 2006 neu aushandeln. Und die Strompreise seien für Aluminiumproduzenten einfach zu hoch.

          Allein dadurch, so Rohstoffanalyst Adam Rowley von der australischen Investmentbank Macquarie Bank zu Bloomberg, könne die Weltproduktion um drei Prozent fallen. Beobachter sehen auch Signale, daß der weltgrößte Produzent China auf die Produktionsbremse treten könnte.

          Bremst China?

          Die Gründe werden darin gesehen, daß China zum einen das Wachstumstempo drosseln will, zum anderen aber auch unter chronischen Elektrizitätsknappheit leidet. Mit einer Drosselung der Aluminiumproduktion würde das Land zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Obendrein zeigen sich in China verstärkt Bemühungen die Exportquote der Aluminiumindustrie zu verringern.

          Zudem gehören die Aluminiumschmelzen nicht zu den profitabelsten Fabriken. Chris Ding, Metall-Analyst von China International Capital, der größten chinesischen Investmentbank, sieht bei der chinesischen Regierung das Bemühen, nicht noch mehr Schmelzen in die roten Zahlen rutschen zu sehen und das marode Bankensystem mit noch mehr faulen Krediten zu belasten.

          Indes ist in letzter Zeit eine gewisse Verunsicherung eingetreten. So hat Indien im zweiten Quartal diesen Jahres laut dem Dow Jones-Newsletter „NE-Metalle aktuell“ die Produktion um zwölf Prozent gesteigert. Und in China sind bislang einschneidende Maßnahmen zur Produktionsdämpfung ausgeblieben. Die Macquerie Bank hat daraufhin ihre Prognose für den Pfundpreis in der zweiten Jahreshälfte von durchschnittlich 87,8 auf 81,4 amerikanische Cents reduziert.

          Schmelzen wie Pilze aus dem Boden

          Weiterhin gehen Experten aber in der kurzen Frist von einem knapperen Angebot aus. Das australische Analyseinstitut Australian Mineral Economics rechnet mit einem Nachfrageüberhang bis Mitte 2006. Dann aber wird sich auf der Angebotsseite einiges tun. Spätestens 2008 könnte es wieder einen Angebotsüberhang geben, wenn neue Schmelzen in Island, Indien, Venezuela und dem mittleren Osten in Betrieb gehen.

          Daher rechnet Macquerie zwar für 2006 noch mit einem Anstieg des Pfundpreises 90 Cents, aber spätestens ab 2007 mit fallenden Preisen, eine Bewegung die mindestens bis 2009 und vielleicht auch danach noch anhalten sollte. Unter diesen Umständen scheint es sich anzubieten, jetzt in Aluminium zu investieren und sich im kommenden Jahr allmählich zurückzuziehen. Eine einfache Möglichkeit sind neben Direkt-Investments in Futures auch Zertifikate - wenngleich sie ihre Tücken haben.

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