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Rohstoffe : Lithium bietet wenig Preisphantasie

  • Aktualisiert am

Bild: TRU Group

Lithium facht die Phantasie der Anleger an. Da immer mehr elektronische Geräte und Autos Lithium-Ionen-Batterien bräuchten, nehme die Nachfrage zu und der Preis werde steigen, so die Vermutung. Aber der Markt ist gut versorgt.

          Lithium hat in den vergangenen Monaten die Phantasie der Anleger angefacht. Sie geht sowohl von den hohen Ölpreisen, von der andauernden Klimadiskussion und nicht zuletzt auch von der immer weiteren Verbreitung mobiler elektronischer Geräte aus. Zusammen führen sie zu Überlegungen, welche Energieversorgungs- und Antriebstechnologien künftig die allgemein erwünschte Mobilität sichern könnten.

          In diesem Zusammenhang richtet sich das Interesse direkt auf die Stromversorgung und indirekt auf die Entwicklung und Herstellung entsprechender Speichermedien. Nach aktuellem Entwicklungsstand sind so genannte Lithium-Ionen-Akkus dazu am besten in der Lage. Aus diesem Grund werde die Nachfrage nach Lithium zusammen mit immer mehr auf den Markt kommenden Elektroautomobilen und anderen Geräten weiter zunehmen und die Preise nach oben treiben, so die weit verbreitete Erwartung.

          Lithium gilt gemeinhin als „weißes Gold“

          Das silberweiße Element ist das leichteste Metall im Periodensystem der Chemiker. Es wird nicht nur für die Herstellung leistungsfähiger Batterien, sondern auch in vielen anderen industriellen Bereichen verarbeitet. Lithium sei der Rohstoff der Zukunft schlechthin und sei „weißes Gold“, heißt es vielversprechend.

          Solche Aussagen gehen von der Annahme stark zunehmender Nachfrage bei begrenztem Angebot aus. Allerdings ist diese Kombination alles andere als sicher. Denn erstens zeigt eine Studie der amerikanisch-kanadischen TRU-Group, dass der Markt in den kommenden Jahren selbst bei deutlichem Nachfragezuwachs gut bis überversorgt sein wird. Zweitens scheint das irdische Vorkommen umfangreicher zu sein, als bislang angenommen.

          Wurden die weltweiten Lithiumvorräte vom staatlichen Geologiedienst der Vereinigten Staaten noch bis vor kurzem auf rund 25 Millionen Tonnen geschätzt, wovon alleine in Bolivien und Chile rund neun Millionen zu finden sein sollten, so zeigt ein von der New York Times wiederentdeckter Bericht, nach welchem Afghanistan über mindestens so große Lithium-Reserven wie Bolivien verfüge. Afghanistan könnte für Lithium den Stellenwert erhalten, den Saudi-Arabien für Öl habe, heißt es euphorisch. Daneben gebe es riesige Vorräte an Eisen, Kupfer und Gold, zitierte die Zeitung hochrangige amerikanische Regierungsbeamte weiter.

          Solche Studien sagen noch nichts darüber aus, ob das Land politisch stabil genug ist und ob die Kosten für eine Förderung tief genug wären, um sie wirtschaftlich sinnvoll zu machen. Immerhin kann Lithium nur in mehreren Schritten gewonnen werden, weil das Leichtmetall im Boden nur gebunden vorkommt. Die lithiumhaltigen Minerale müssen zunächst etwa durch Schwefelsäure aufgeschlossen und in Lithiumchlorid umgewandelt werden, woraus dann per Elektrolyse das Leichtmetall gewonnen werden kann. Das mag in südamerikanischen und tibetischen Salzseen einfacher sein, als die Gewinnung aus afghanischen Felsen.

          Allerdings dürfte der Preis kaum allzu stark steigen

          Große Vorkommen von etwas mehr als fünf Millionen Tonnen des Rohstoffs liegen im bolivianischen Salar de Uyuni, wo die Förderung bald beginnen soll. Weitere drei Millionen Tonnen sind im chilenischen Salzsee Salar de Atacama zu finden. Hier fördert der weltgrößte Lithium-Produzent Sociedad Quimica y Minera de Chile (SQM), dessen Anteilsscheine indirekt (bezogen auf amerikanische ADRs) unter der Isin US8336351056 auch der deutschen Börse handelbar sind.

          Die Papiere befinden sich in einem eindeutigen, wenn auch zeitweilig volatilen, Aufwärtstrend. Das Unternehmen konnte in den vergangenen Jahren sowohl Umsatz als auch Ertrag im Trend steigern. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 31 und 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind sie allerdings nicht günstig. Das Lithiumgeschäft trägt gerade einmal neun Prozent zu den Gesamterlösen bei. Der größte Teil wird im Düngemittelbereich erwirtschaftet, als dessen Beiprodukt Lithium gewonnen wird. Ähnliche Strukturen weisen auch andere Lithiumanbieter wie Rockwood und FMC auf.

          Der Lithiummarkt ist intransparent, da das Produkt nicht an öffentlichen Börsen gehandelt wird. Der Preis ist seit dem Jahr 2003 deutlich gestiegen auf bis zu 4.500 Dollar je Tonne, nachdem er zwischenzeitlich deutlich eingebrochen war. Auf diesem Niveau scheint er zu verharren. SQM rechnet im laufenden Jahr mit Produktionszuwächsen zwischen 30 und 35 Prozent und mit Lithium-Preisen zwischen 4500 und 5000 Dollar je Tonne. SQM scheint den Lithiumpreis so zu gestalten, dass potentielle Konkurrenten - Chile denkt über eine Liberalisierung des Marktes nach - mit hohen Kosten am Markteintritt gehindert werden. Nicht nur das dürfte die Preisphantasie von Lithium beschränken, sondern nach Einschätzung von Experten gibt es weltweit genügend Lithiumreserven.

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