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Rohstoffe : Japan kämpft um Afrika

Schön anzusehen, aber völlig ohne wertvolle Rohstoffvorkommen: Der japanische Berg Fuji Bild: dpa

Das asiatische Land ist abhängig von Rohstoffimporten. Japan versucht nun, es dem Konkurrenten gleichzutun und investiert in Afrika, um sich Zugang zu wichtigen Rohstoffvorkommen zu sichern.

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          Die japanische Regierung hat dem Vormarsch chinesischer Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent lange Zeit tatenlos zugesehen. Während sich die Regierung in Peking aktiv darum bemühte, der heimischen Wirtschaft in Afrika den Zugang zu Rohstoffquellen zu sichern, sind japanische Unternehmen zunehmend in die Defensive geraten. Der neue Regierungschef Japans, Shinzo Abe, hat sich fest vorgenommen das zu ändern. Im Außen-, aber auch im Wirtschaftsministerium in Tokio rückt der afrikanische Kontinent immer stärker in den Fokus sInteresseJapans. Vor allem an dem Zugang zu Rohöl aus den nordafrikanischen Staaten, aber auch an den großen Rohstoffvorkommen Schwarzafrikas ist das rohstoffarme asiatische Land interessiert.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.


          Afrika südlich der Sahara wird für Tokio aber auch als Absatzmarkt für Produkte immer interessanter. Südafrika nicht eingerechnet wuchs die Wirtschaft hier in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 5,8 Prozent – das liegt deutlich über dem Wachstum der Weltwirtschaft mit 3,8 Prozent. Abe nutzte die alle fünf Jahre in Tokio stattfindende Konferenz über die Entwicklung Afrikas (TICAD) in diesem Monat, um die neue Hinwendung Japans nach Afrika eindrucksvoll zu unterstreichen. Beinahe jeden der fast 50 Regierungschefs oder Minister aus afrikanischen Ländern empfing er zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch. Gleichzeitig kündigte er auf der Konferenz in der japanischen Hafenstadt Yokohama an, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wolle die Entwicklung Afrikas in den kommenden fünf Jahren mit 140 Billionen Yen (10,7 Milliarden Euro) unterstützen. Insgesamt sollen sogar rund 3,2 Billionen Yen über gemeinsame öffentliche und private Investitionen mobilisiert werden.

          Die Politik ist nicht uneigennützig

          Ganz so uneigennützig, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, ist Abes Bekenntnis zu Afrika allerdings nicht: Die Unterstützung aus Tokio ist eng daran geknüpft, japanischen Unternehmen Aufträge beim Aufbau der Infrastruktur zu verschaffen. Infrastruktur- und Energietechnik – das sind die beiden Exportschlager, mit denen japanische Unternehmen in den kommenden Jahren in den Schwellenländern zum Marktführer werden wollen. Der Zugang zu Rohstoffen, der nicht ausdrücklich Bestandteil dieser neuen Strategie ist, spielt dabei eine entscheidende Rolle – was japanische Politiker hinter vorgehaltener Hand auch einräumen.
          Für Abe geht es auch darum, den wachsenden Einfluss Chinas in Afrika einzudämmen. Er hat seine Außenpolitik seit seinem Amtsantritt im Dezember grundsätzlich an zwei Zielen orientiert: Auftrage für die japanische Exportwirtschaft zu sichern und dem Expansionsdrang Chinas etwas entgegenzusetzen. „Wirtschaftsdiplomatie ist ein Kernstück der Wachstumsstrategie der Abenomics“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ deswegen kürzlich.

          Abe hat zwei Ziele

          Afrika als Absatzmarkt für japanische Unternehmen und die Begrenzung des chinesischen Einflusses – diese beiden Ziele bestimmten auch die Grundsatzrede, die Abe in Yokohama hielt. Wie stark sich Abes Strategie gegen den wachsenden Zugriff des Konkurrenten China auf die afrikanischen Rohstoffmärkte richtet, machte der japanische Regierungschef in seiner Rede zwischen den Zeilen deutlich. Japans Verpflichtungen gegenüber Afrika seien anders als die anderer Länder, sagte Abe: „Afrikas reiche Rohstoffvorkommen bieten wichtige Geschäftsmöglichkeiten für das rohstoffarme Japan. Aber Japan wird Ressourcen nicht nur einfach entdecken und ausgraben, um sie nach Japan zu bringen.“ Er wolle Afrika so unterstützen, dass die dortigenAfrikas Rohstoffvorkommen auch zu Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent führten, sagte er. Abe bezog sich dabei sehr bewusst auf die wachsende Kritik am chinesischen Engagement auf dem afrikanischen Kontinent – mit dem sich Peking zwar den Zugang zu Rohstoffen sichert, aber wenig dafür tut, die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in den afrikanischen Ländern zu fördern.


          Erste Beispiele für das neue Engagement gibt es schon. So verhandelte Joyce Banda, Staatsoberhaupt von Malawi am Rande der Konferenz in Yokohama mit der Japan Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC) über die Ausbeutung von Mineralien in drei Minen des Landes, darunter auch die seltenen Erden. Japan ist bei seltenenseltenen Erden maßgeblich von Exporten aus China abhängig und will diese Abhängigkeit abbauen. Auch mit Zambia unterzeichnete die JOGMEC ähnliche Verträge, die Japan den Zugang zu Rohstoffen sichern.

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