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Rohstoffe : Hausse an den Märkten für Futtergetreide

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Silomaisernte in der Altmark Bild: ZB

Die Preise für Futtergetreide schießen nach oben, allen voran der von Mais, dem bedeutendsten Erzeugnis dieser Gattung. Ein Ende der Mitte September ausgebrochenen Hausse ist nicht abzusehen.

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          Die Preise für Futtergetreide schießen nach oben, allen voran der von Mais, dem bedeutendsten Erzeugnis dieser Gattung. Ein Ende der Mitte September ausgebrochenen Hausse ist nicht abzusehen. Während die zur gleichen Zeit in Gang gekommene Aufwärtsbewegung bei Nahrungsgetreide fürs erste gekippt ist, verfügt Mais nach dem Urteil zahlreicher Analysten wegen einer sich anbahnenden akuten Knappheit über ein enormes Anstiegspotential.

          Gegenwärtig ist zwar ausreichend physische Ware vorhanden, weil die Ernten 2006/2007 (Oktober/September) auf der nördlichen Halbkugel weitgehend eingebracht sind. Doch in der Zukunft zeichnen sich Versorgungsschwierigkeiten ab, wie sie zuletzt vor zehn Jahren, möglicherweise aber nie zuvor in der moderneren Geschichte des Marktes da waren.

          Mais im Anbau im Wettbewerb mit Sojabohnen

          Zweck dieser Hausse, die sich auch in den Preisen für Fleisch und Geflügel bemerkbar machen wird, ist es, einerseits den Verbrauch zu dämpfen, um einen völligen Ausverkauf des Futtergetreides zu verhindern. Andererseits soll die Mais-Verteuerung den Erzeugern Anreize bieten, ihre Produktion im nächsten Jahr auszuweiten. Der Erfolg dieser Bemühungen hängt davon ab, ob das Futtergetreide andere Feldfrüchte, die um die Anbaufläche konkurrieren, mit überproportionalen Preissteigerungen aus dem Rennen werfen kann. Besonderes Augenmerk gilt den Farmern in Amerika, denn diese sind die mit Abstand führenden Produzenten und Exporteure von Mais. Besonders im Mittleren Westen steht Mais im Wettbewerb mit Sojabohnen.

          Körnermaisernte in Ostbayern

          Auch China spielt eine große Rolle. Es ist der zweitgrößte Maisproduzent und exportiert das Getreide in den asiatischen Raum. Doch der Punkt, an dem China vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur wird, rückt näher. Dies würde die ohnehin angespannte Weltbilanz zusätzlich belasten. Zum einen läßt der steigende chinesische Binnenbedarf an Mais womöglich 2007/2008 keine Ausfuhren mehr zu. Zum anderen kann die Agrarfläche in China nur noch in engen Grenzen ausgeweitet werden. Die jüngsten Preissteigerungen bei Mais werden denn auch mit der Befürchtung erklärt, daß das Land seinen Export nach der Jahreswende einstellen könnte. Daher suche Südkorea, ein wichtiger Abnehmer chinesischer Ware, händeringend nach Angebot, heißt es.

          Chinas Produktion wird 2006/2007 nach Angaben des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) 141 Millionen Tonnen erbringen und damit auf gleicher Höhe liegen wie der Binnenverbrauch, und es dürften 4 Millionen Tonnen ausgeführt werden. Der Maisvorrat wird in der laufenden Saison dem Ministerium zufolge von 35,2 Millionen auf 31,3 Millionen Tonnen sinken.

          Weltvorrat nimmt ab

          Die neuesten Zahlen über die Lage am Maismarkt stammen vom Internationalen Getreiderat (IGC). Er schätzt die Weltproduktion 2006/2007 nach dem Stand vom 25. Oktober auf 690 Millionen Tonnen. In der vergangenen Saison wurden nach seinen Erkenntnissen 693 Millionen Tonnen erzeugt, 2004/2005 sogar der Rekord von 713 Millionen Tonnen. 2006/2007 soll der Weltverbrauch gegenüber der zurückliegenden Saison von 699 Millionen auf 722 Millionen Tonnen zunehmen. Der Weltvorrat wird nach IGC-Berechnungen im laufenden Wirtschaftsjahr von 125 Millionen auf 94 Millionen Tonnen schrumpfen. Seit umfassende und verläßliche Statistiken erstellt werden, hat der Bestand im Verhältnis zum Verbrauch noch nie einen so niedrigen Wert erreicht, wie es für Ende 2006/2007 zu erwarten ist. Das USDA hatte die Mais-Weltproduktion in der laufenden Saison am 12. Oktober auf 689 Millionen Tonnen geschätzt und den Verbrauch mit 724 Millionen Tonnen angegeben. Es erwartet aber, daß der Weltvorrat 2006/2007 von knapp 125 Millionen auf 89,5 Millionen Tonnen schmilzt.

          Bemerkenswert ist, daß ein angesehener Fachdienst die amerikanische Ernte gerade niedriger angesetzt hatte als das USDA. Es hatte die Produktion zuletzt mit 277 Millionen Tonnen und den Binnenverbrauch mit knapp 245 Millionen Tonnen angegeben. Der amerikanische Vorrat soll von 50 Millionen auf 25,3 Millionen Tonnen sinken und damit das Minimum für eine reibungslose Versorgung am Ende der Saison unterschreiten. Ungewißheit herrscht zudem über den Umfang der Ernten in Argentinien und in Brasilien. Sie sind bisher in einigen Regionen unter ungünstigen Bedingungen herangewachsen. Dies alles bedeutet, daß sich die statistische Lage weiter verschärfen kann. Zudem kursieren hartnäckig Vermutungen, daß das USDA den Maisverbrauch besonders in Amerika wegen stark zunehmender Verwendung des Getreides zur Herstellung von Äthanol deutlich zu niedrig angesetzt hat. Es wird vermutet, daß der Bedarf für diesen Zweck in der laufenden Saison den auf 57,17 Millionen Tonnen angesetzten Export übersteigt.

          Werden Futtergetreide im allgemeinen und Mais im besonderen knapp, weicht die Nachfrage auf Futterweizen und Sojaschrot aus. Bei Sojaschrot zeichnet sich bisher zwar noch kein ernster Mangel ab, doch ist Weizen ähnlich knapp wie Futtergetreide. Fachleute halten es für möglich, daß der Bedarf an Futterweizen bei zunehmender Knappheit besonders an Mais so stark steigt, daß die bereits kritische Weizenbilanz aus den Angeln gehoben wird, ohne die Maisbilanz zu entlasten.

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